Mit gesponserten Lehrmitteln
So wollen Firmen in die Köpfe der Schüler

Die Zurich Versicherung hat soeben ein Lehrmittel veröffentlicht. Und ist damit kein Einzelfall. Firmen drängen zuhauf ins Schulzimmer.
Publiziert: 19.04.2017 um 22:17 Uhr
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Aktualisiert: 28.09.2018 um 22:31 Uhr
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«Wetterfroscher» gibt sich ganz verspielt.
Michael Bolzli

Firmen haben die Schulen im Visier. Jüngstes Beispiel ist der Versicherer Zurich. Er hat soeben das Bildungsmodul «Wetterfroscher» lanciert – gemeinsam mit dem Wetterdienst Meteotest. 

Das Lernangebot richtet sich an 10- bis 13-Jährige. Behandelt werden Themen wie Wetter, Klima und Naturgefahren. Der Versicherer gibt offen zu, dass «die Gesellschaft und Zurich ein gemeinsames Interesse haben, sich präventiv gegen den Klimawandel und sein Folgen zu engagieren».

Die Versicherung ist kein Einzelfall. So tourt der Verband Schweizerischer Elektro-Installationsfirmen ab nächstem Jahr mit einem Bus durch die Schweiz, um jungen Menschen das Thema Elektrizität, Energie und Elektroberufe auf «unterhaltsame Weise» näherzubringen. 

Banken-Lernspiel

Die SBB haben einen Schulzug, die Kantonalbanken wollen mit dem Lernspiel «Finance Mission» die Jugendlichen für einen «verantwortungsvollen Umgang mit Geld sensibilisieren». 

Dürfen Unternehmen an Schweizer Schulen für ihre Anliegen missionieren? Der Lehrerverband winkt ab: «Die Schüler sind von der Einflussnahme von Firmen zu schützen», sagt Zentralpräsident Beat W. Zemp. Werbung in Lehrmitteln ist darum ein No-Go. Und: «Wir unterstützen nur Lernziele, die durch den Lehrplan abgestützt sind.»

Wichtig sei, dass Lehrmittel von Privaten frei von ideologischen Beeinflussungen seien, erklärt Zemp. Das ist nicht immer der Fall. «Swissnuclear wollte, dass das die Schüler wissen, dass Atomstrom die sicherste und sauberste Energie ist», sagt Zemp. Hier habe der Verband interveniert. «Firmen dürfen Themen, die gesellschaftlich kontrovers diskutiert werden, nicht einseitig darstellen.» 

Werbung

Der Lehrer entscheidet

Schlussendlich entscheidet der einzelne Lehrer, ob er die Unterrichtsmaterialien der Unternehmen einsetzt. Private Lehrmittel seien nicht Pflichtstoff, erklärt Zemp. 

Sponsoring an Schulen ist nicht neu. Richtig in Fahrt kam es Ende der 90er-Jahre bei der Einführung des Informatikunterrichts. Das bisher grösste Projekt war «Schulen ans Netz», bei dem die Swisscom alle Schulen in der Schweiz ans Internet angeschlossen hat. Zemp gewinnt dem Sponsoring auch positive Seiten ab: «Viele Lehrmittel von Privaten lockern den Unterricht auf.»

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