Mega-Ärger nach Einbruch
Sammler verliert 70’000 Franken – obwohl er eigentlich versichert ist

Ein Einbruch lässt einen Rentner schockiert zurück. Diebe haben teure Uhren und Schmuck geklaut. Und die Versicherung will nur einen Bruchteil des Schadens ersetzen.
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Lorenz Stauffacher ist ein leidenschaftlicher Sammler – doch nach einem Einbruch stellt sich heraus, dass ihm die richtige Versicherung dafür fehlt.
Foto: Lucas Ziegler

Darum gehts

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Katharina Siegrist
Beobachter

Als es schon schlimm war, kam es noch schlimmer – mit diesen Worten beginnt Lorenz Stauffacher seine Geschichte zu erzählen. Der Beobachter trifft ihn in seiner Wohnung, drei Zimmer mit herrlichem Blick auf den Vierwaldstättersee, auf dem die Sonne glitzert.

An fast jeder Wand ein Gestell oder Buffet. Spartanisches Metall oder schweres Nussbaumholz mit Intarsien. Darauf: bunte Glaskugeln, bronzene Buddhas, Figürchen, Schirmständer voller Gehstöcke mit runden oder zu Schnäbeln gebogenen Knäufen, bunte Heilige, die leer gen Himmel blicken. Und Uhren, die nicht einfach Uhren sind, sondern Kamin-, Cheminée-, Atmos- und französische Reiseuhren.

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Mitten in diesem Kaleidoskop setzt sich Lorenz Stauffacher zu Kafi und Gipfeli. Stauffacher heisst tatsächlich anders. Zu gross ist die Angst, dass der Name in den falschen Kreisen kursiert. Wenn er zu reden beginnt, hat er viel zu erzählen.

Nach der Rückkehr der Schock

Ende Oktober 2024 erleidet Stauffacher einen Schlaganfall. Fast habe er den Löffel abgegeben, sagt er. Doch zum Glück ist es noch nicht so weit. Nach Spital und Reha gönnt er sich mit seiner Frau ein paar Tage in Südfrankreich. Dann, als das Ehepaar Anfang November spätabends nach Hause kommt, der Schock.

Zu Stauffachers Sammlung zählen unter anderem auch besondere Atmos- und französische Reiseuhren.
Foto: Lucas Ziegler

Die Haustür ist von innen mit Möbeln verbarrikadiert, die Terrassentüren sind gewaltsam aufgebrochen. Die Wohnung ist verwüstet. Schubladen und Schranktüren sind aufgerissen. Schatullen und Etuis geleert. Was zurückgelassen wurde, ist achtlos und zerwühlt auf dem Boden verteilt, so dass kaum mehr ein Fleckchen Parkett sichtbar ist. Die schlimmsten Befürchtungen sind Realität geworden: «Aus Angst vor Einbrechern wollte meine Frau eigentlich nie in eine Parterrewohnung ziehen.» 

Lorenz Stauffacher ruft sofort die Polizei. Die Spurensicherung ist zwei Stunden später da. «Psychologisch war es ein absolutes Desaster. Wir wollten die Wohnung sofort verlassen und am liebsten nie wieder zurückkommen», erinnert sich Stauffacher. Zum Glück findet das Paar bei einer Nachbarin Unterschlupf.

Der 80-Jährige meldet den Schaden unverzüglich seiner Hausratversicherung. Fast zwei Wochen vergehen, bis sich ein Schadenexperte den Tatort anschaut. Fast zwei Wochen, in denen das Chaos so bleibt wie vorgefunden.

Die Versicherung akzeptiert, zahlt aber nur einen Teil

Stauffacher greift nach einem Ordner. Fein säuberlich sind dort seine Trouvaillen katalogisiert. Bilder und Quittungen in Klarsichtfolien. Eine komplette Sammlung von Silbermünzen aus den Jahren 1840 bis 1967, zehn Valjoux-7751-Chronografen, ein Saphirring mit Diamant, drei vergoldete Taschenuhren und vieles mehr.

Die gestohlenen Wertsachen listet der Rentner im Schadenformular an die Versicherung auf. Gesamtschaden: rund 104’000 Franken. Die Deckungssumme seiner Hausratversicherung beträgt 200’000 Franken.

Die Versicherung akzeptiert zwar die Schadensumme, zahlt aber nur einen Bruchteil davon. Übernommen werden die Reinigung der Wohnung, eine Entschädigung für den geklauten Tresor und 30’000 Franken für die gestohlenen Wertsachen. «Seit 60 Jahren bin ich bei dieser Versicherung mit sämtlichen Policen und vier Domizilen. Ich verstand die Welt nicht mehr.»

Wertsachenversicherung deckt mehr ab

Die Hausratversicherung weigert sich also, den vollen Schaden zu übernehmen. Sie stützt sich dabei auf ihre allgemeinen Versicherungsbedingungen. Das Kleingedruckte hält fest, dass bei einem Einbruch die Leistungen für Schmuck auf 30’000 Franken begrenzt sind. «Man sagte mir, dass ich eine spezielle Wertsachenversicherung hätte abschliessen müssen.»

Für Stauffacher unverständlich. Mehrfach seien Versicherungsvertreter bei ihm zu Hause gewesen. «Ich war immer überzeugt, voll abgesichert zu sein.»

Ebenfalls in Stauffachers Sammlung: Eine antike Münzsammlung aus China.
Foto: Lucas Ziegler

Die Versicherung hält gegenüber dem Beobachter fest, dass Mitarbeitende Lorenz Stauffacher mehrfach empfohlen hätten, eine Wertsachenversicherung abzuschliessen. «Aus Sicht der Versicherung oder eines Versicherungsberaters besteht keinerlei Interesse daran, nicht auf einen fehlenden Versicherungsschutz hinzuweisen.» Stauffacher habe die Lücke im Versicherungsschutz bewusst in Kauf genommen.

Tatsächlich habe man über eine Wertsachenversicherung geredet, gibt Stauffacher zu. Er sei aber immer davon ausgegangen, dass man eine solche nur für ganz besondere Gegenstände brauche, beispielsweise für Gemälde bekannter Künstler.

Schon immer ein Sammler, wie viele andere in der Schweiz

Am meisten habe ihn geschmerzt, dass die Diebe den Tresor mitgenommen hätten. «Darin befanden sich der Schmuck meiner Frau und Erinnerungsstücke meiner Eltern.» Er steht auf, um den Ort zu zeigen, an dem der Tresor einst stand.

Stauffacher war schon mit 16 Jahren ein Sammler. Angefangen habe es mit alten Leica-Kameras. «Später habe ich mich selbständig gemacht, kaufte Nachlässe auf, wickelte Räumungen ab und führte ein erfolgreiches Geschäft an der Zürcher Löwenstrasse.» Mehrere Sachen habe er mittlerweile ausgelagert und von dort seine Wohnung neu bestückt. «Alles zu verkaufen», sagt er und zeigt auf die vollen Tablare.

Seit dem Schock hat Stauffacher eine Kamera und einen Bewegungsmelder montiert, Fenster und Terrassentüren einbruchsicher gemacht. Doch: «Noch heute leidet meine Frau an Schlafproblemen.»

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