Mars bestätigt Preisstreit und Boykott durch Coop
Whiskas, Uncle Ben's und Kellogg's verschwinden aus den Regalen

Coop und seine internationalen Partner streiten mit Lebensmittelherstellern um tiefere Preise. Erstmals äussern sich die Beteiligten zum Preisstreit. Der Coop-Boykott von beliebten Marken des Mars-Konzerns wird wohl noch länger anhalten.
Publiziert: 08.01.2019 um 09:44 Uhr
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Aktualisiert: 08.01.2019 um 14:16 Uhr
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Im Februar 2018 zog Coop gegen Nestlé ins Feld, aktuell boykottiert der Detailhändler Produkte des Mars-Konzerns.
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Ulrich RotzingerWirtschaftschef

Coop würde den aktuellen Preisstreit mit ausländischen Lebensmittelgiganten wie Mars und Kellogg's lieber unter den Teppich kehren. Doch häufen sich die Lücken in den Coop-Regalen – besonders in jenen der Megastores.

Supermarkt-Kunden fragen sich zunehmend, warum ihre Lieblingsprodukte «im Moment nicht lieferbar sind», wie es entschuldigend auf Hinweisschildern an den Regal-Lücken heisst. Teilweise haben Kunden kein Verständnis mehr und sind verärgert, wie BLICK bei einem Augenschein einer Coop-Grossfiliale im Raum Winterthur ZH von Verkäuferinnen erfahren hat. 

Ein Kunde wollte gestern wissen, wann seine Katze wieder mit ihren Lieblings-Lachssticks von Whiskas rechnen kann. Die Auffüllerin am Regal holte ein elektronisches Gerät, mit dem der Warenbestand auch in anderen Filialen angezeigt werden kann. «Nicht bestellbar», sagt diese mit Blick aufs Display. Aber im Quartier-Coop ein paar Kilometer weiter habe es noch vier im Gestell. «Sie müssen sich aber beeilen, das kann sich jederzeit ändern.»

Coop bestätigt erstmals Preisverhandlungen

Im Gang mit den Süssigkeiten verfolgt BLICK ein weiteres Gespräch mit. «Verschiedene Balisto-Produkte können wir nicht bestellen», so die Verkäuferin zur Kundin. Fehlanzeige auch bei Twix-Sticks, M&M und Bounty: «Nicht lieferbar.» Gleiches Bild beim Reis der Marke Uncle Ben's: «Im Moment ist dieser Artikel leider nicht lieferbar» steht dort jeweils auf einem Hinweisschild. 

Interessant: Die aufgezählten Marken Whiskas, Uncle Ben's und Co. gehören zum Sortiment des Markenartikel-Giganten Mars. Coop und seine internationalen Partner der Händler-Allianz Agecore boykottieren Mars seit Wochen mit einem Bestellstopp. Doch weder Coop noch Mars wollten sich bislang dazu äussern, trotz mehrmaliger Anfrage von BLICK.

Jetzt gibt immerhin Coop erstmals zu: «Die Lücken stehen im Zusammenhang mit Verhandlungen, die wir gegenwärtig nicht weiter kommentieren», sagt Sprecher Urs Meier. Mars-Sprecherin Lidia Manfredi zum Coop-Boykott: «Wir bedauern, dass Konsumenten verärgert sind.» Und: «Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine Stellungnahme zu Verhandlungen mit unseren Handelspartnern ─ in diesem Fall Coop ─ abgeben werden», so Manfredi gegenüber BLICK zum Preisstreit mit dem Basler Detailhändler.

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Laut deutschem Fachblatt «Lebenmittelzeitung» sind 56 Mars-Artikel betroffen, Agecore stelle sich auf einen längeren Konflikt ein, berichten Insider. Meier wollte dazu nichts sagen. Fakt ist: Der Preisstreit mit Mars geht noch länger so weiter. Und wohl auch die Verhandlungen mit anderen Lieferanten.

Kellogg's Produkte gehen zur Neige

Doch nicht nur mit Mars liegt Coop im Clinch. BLICK macht auch grössere Löcher bei den Cornflakes-Gestellen aus. Hier geht es gegen Herstellerkonzern Kellogg's. Kaschiert werden die Lücken, indem die Verkäuferinnen Grosspackungen aneinanderreihen. Stösst der Kunde eine mit dem Finger an, gibt die umgefallene Packung den Blick frei auf gähnende Leere im Regal. Bei Kellog's wollte bislang niemand eine Stellungnahme zum Bestell-Boykott Coops geben.

BLICK fielen bereits Mitte Dezember solche Kaschierungsversuche und erste leere Regale bei Coop auf. Die Händler-Allianz Agecore begann vor allem in Deutschland (Stichwort Edeka-Märkte) Druck auf die Marken-Konzerne aufzubauen, indem diverse Produkte nicht mehr nachbestellt wurden. Zur Weihnachtszeit, in der die Menschen viel kaufen, ist das besonders schmerzhaft.

Gerade um Weihnachten und Neujahr waren die Lager bei Coop und Co. aber noch gut gefüllt, so dass der Kunde bislang kaum etwas vom eskalierenden Preisstreit mitbekommen hat.

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Doch jetzt werden auch die Lager knapp, die Löcher in den Regalen immer grösser. Und damit neigt sich wohl auch die Geduld der Kunden dem Ende zu.

Darum boykottieren Detailhändler Marken-Hersteller

Detailhändler und Hersteller stehen in ständigen Preisverhandlungen. Von den Streitereien hinter den Kulissen bekommt der Kunde im Laden meist nichts mit. Kommt es zu keiner Einigung über Lieferkonditionen wie Mengen und Preise, greifen Detailhändler in diesem Machtpoker zum Boykott. Die Karten offenlegen will natürlich keiner.

Über Einkaufsallianzen wie Agecore (Coop, Edeka und Co.) wird Druck auf die Markenlieferanten ausgeübt, indem Lager abverkauft werden und keine neue Ware nachgeordert wird. Einen solchen Bestellboykott wie bei Mars gab es Anfang 2018 zwischen Coop und Nestlé.

Die Gefahr für die Marken-Hersteller: Geben sie zu stark nach, droht ihnen auch anderenorts weiterer Preisdruck. Bleiben sie stur, besorgt sich der Detailhändler über Parallelimporte die Ware oder verzichtet zeitweise darauf. Was auch klar ist: Ein Markenlieferant wird nie komplett boykottiert. Das könnte sich ein Händler wie Coop gar nicht leisten, weil sich dann die Kunden bei der Konkurrenz eindecken würden.

Im Fall Nestlé hat der Lebensmittelkonzern offenbar den Forderungen Coops zumindest teilweise nachgegeben. Ob auch die Einkaufspreise für Coop bei Nestlé gesunken sind, und die Kunden davon durch Preisnachlässe profitierten, ist bislang nicht bekannt geworden. Ulrich Rotzinger

Detailhändler und Hersteller stehen in ständigen Preisverhandlungen. Von den Streitereien hinter den Kulissen bekommt der Kunde im Laden meist nichts mit. Kommt es zu keiner Einigung über Lieferkonditionen wie Mengen und Preise, greifen Detailhändler in diesem Machtpoker zum Boykott. Die Karten offenlegen will natürlich keiner.

Über Einkaufsallianzen wie Agecore (Coop, Edeka und Co.) wird Druck auf die Markenlieferanten ausgeübt, indem Lager abverkauft werden und keine neue Ware nachgeordert wird. Einen solchen Bestellboykott wie bei Mars gab es Anfang 2018 zwischen Coop und Nestlé.

Die Gefahr für die Marken-Hersteller: Geben sie zu stark nach, droht ihnen auch anderenorts weiterer Preisdruck. Bleiben sie stur, besorgt sich der Detailhändler über Parallelimporte die Ware oder verzichtet zeitweise darauf. Was auch klar ist: Ein Markenlieferant wird nie komplett boykottiert. Das könnte sich ein Händler wie Coop gar nicht leisten, weil sich dann die Kunden bei der Konkurrenz eindecken würden.

Im Fall Nestlé hat der Lebensmittelkonzern offenbar den Forderungen Coops zumindest teilweise nachgegeben. Ob auch die Einkaufspreise für Coop bei Nestlé gesunken sind, und die Kunden davon durch Preisnachlässe profitierten, ist bislang nicht bekannt geworden. Ulrich Rotzinger

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