Luxus aus Los Angeles
Der Eames-Kultsessel und sein Weg in die Schweiz

Der Klubsessel des Ehepaars Eames schrieb Designgeschichte. Im Jahr 1957 fand der Sessel seinen Weg nach Basel.
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Der Eames Lounge Chair ist klassisch aus Leder und gestreiftem Palisanderholz – modernere Varianten sind aus hellem Holz und mit Stoffbezug bekleidet.
Foto: Keystone

Darum gehts

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Olivia Ruffiner
Handelszeitung

Höhe: 84 Zentimeter Höhe; Sitztiefe: 56,5 Zentimeter Sitztiefe; Sitzhöhe: 38 Zentimeter – das sind die Masse des Kultobjekts. Der Eames Lounge Chair gilt längst als Symbol für Erfolg und Wohlstand. Der Sessel steht im Penthouse von Tony Stark im Film «Iron Man» (2008), im Büro von Finanzanwalt Harvey Specter in der Serie «Suits» (2011), und er taucht sogar im Construct-Raum der Matrix im Science-Fiction-Thriller «Matrix Resurrections» (2021) auf.

Um seiner Frau Ray das Prinzip des Lounge Chairs zu veranschaulichen, soll Charles Eames seine Hände ineinandergelegt haben: Er wollte einen Sessel bauen, der «so bequem wie ein Baseballhandschuh» ist.

Die Geschichte des Sessels reicht bis ins Jahr 1940 zurück, als Charles Eames mit dem Designer Eero Saarinen am Wettbewerb «Organic Design in Home Furnishings» des Museum of Modern Art in New York teilnahm. Eames verfolgte das Ziel, den traditionellen englischen Klubsessel neu zu interpretieren; sein erster Prototyp des Lounge Chairs stammt aus dem Jahr 1945 und bestand aus drei separaten Sperrholzschalen, die über Metallbügel miteinander verbunden waren.

Artikel aus der «Handelszeitung»

Dieser Artikel wurde erstmals im Angebot von handelszeitung.ch veröffentlicht. Weitere spannende Artikel findest du unter www.handelszeitung.ch.

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Der Entwurfsprozess erstreckte sich über mehrere Jahre, und erst 1956 stellten Charles und Ray Eames den endgültigen Eames Lounge Chair vor. Viel wurde seitdem nicht verändert: Der Eames Lounge Chair besteht aus drei Schalenelementen aus dampfgebogenem Palisanderholz mit eingepassten Lederpolstern, die auf einem fünfsternigen Drehgestell sitzen.

Gründerpaar auf Augenhöhe

Das Paar lernte sich an der Cranbrook Academy of Art in Michigan kennen, wo Charles Eames Industriedesign unterrichtete. Bernice Alexandra Kaiser – Spitzname Ray – war dort Studentin. Über ihr Privatleben ist nicht viel bekannt. Fakt ist: Der studierte Architekt und die Malerin heirateten 1941 in Chicago und zogen nach Los Angeles, dem damaligen Mekka für Kunstschaffende.

Das Ehepaar Eames arbeitete von der Werkstatt «Eames Office» in Los Angeles aus.
Foto: Corbis via Getty Images

In ihrer Werkstatt «Eames Office» arbeiteten sie gemeinsam an ihren Designansätzen. Ihr erster Durchbruch gelang mit dem Plastic Chair. Sie wollten preiswerte und komfortable Stühle entwickeln. Funktionalität stand dabei im Zentrum. Ray Eames sagte dazu: «Was die Leute schön finden, ändert sich, aber was einmal gut funktioniert, funktioniert immer gut.»

Das Werk der beiden umfasst neben Design, Architektur und Spielzeug auch Malereien, Fotografien und Filmarbeiten. Dabei brachen sie mit dem gängigen Rollenbild eines Ehepaars der 50er-Jahre. Ray Eames wurde stets auf Augenhöhe mit Charles Eames gezeigt.

Von Michigan nach Birsfelden

Den ersten Sessel erhielt der Oscar-Preisträger, Regisseur und Freund des Paares Eames, Billy Wilder («Sunset Boulevard», 1950). 1956 begann der Hersteller Herman Miller in Zeeland (Michigan, USA) mit der Serienproduktion. Zur selben Zeit gründeten auf der anderen Seite des Atlantiks Erika und Willi Fehlbaum Vitra, heute ein führender Hersteller für Wohn- und Büromöbel.

Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein ist Museum und Werkstätte in einem. Noch heute verkauft es den Eames Lounge Chair (im Bild in der zweiten Reihe von oben ganz rechts).
Foto: IMAGO/SOPA Images

Das Schweizer Familienunternehmen mit Sitz in Birsfelden BL produziert seit 1957 in Lizenz von Herman Miller die Entwürfe von Charles und Ray Eames. Die Gründer und die Designer standen in engem Austausch. Noch heute ist Vitra der einzige lizenzierte Partner für Eames-Produkte in Europa und im Mittleren Osten.

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