Vom Bank-CEO, der auch TV-Jass-Experte ist, einem Bankraub, bei dem die Tatwaffe eine Bratpfanne ist, der berühmten «Tour de Strip» von Ex-Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz (67), bis hin zum überraschenden Ende des Schweizer Bankgeheimnisses: 11 Fakten aus der Bankenwelt, die noch heute erstaunen.
Die Ersparniskasse Speicher im Kanton Appenzell Ausserrhoden ist die kleinste Bank der Schweiz. Bei ihr arbeiten drei Menschen an zwei Arbeitsplätzen. 2022 beträgt die Bilanzsumme 74,5 Millionen Franken. Zum Vergleich: Die Bilanzsumme der CS ist Ende 2022 mehr als 7000-mal grösser. Der Geschäftsführer, Daniel Müller (60), ist seit 1991 im Amt. Müller kennt man auch als Jass-Experten: Er war jahrelang beim SRF in den Sendungen Donnschtig- und Samstig-Jass zu sehen.
In der Schweiz gibt es Ende 2021 (die aktuellsten Zahlen der SNB) 239 verschiedene Banken. Diese Banken betreiben insgesamt 2349 Filialen. Zum Vergleich: Coop und Migros betreiben gemeinsam 1624 Filialen in der Schweiz. Laut Blick-Recherchen gibt es 75 Orte in der Schweiz, in denen mindestens je eine Filiale der CS und der UBS stehen. Diese Standorte sind jetzt, nach dem Zusammenschluss der beiden Banken, besonders vom Abbau bedroht.
Anfangs 2021 lässt die Anklageschrift gegen den früheren Raiffeisen-CEO, Pierin Vincenz (67), tief blicken. Sie macht seine Eskapaden öffentlich. Als Raiffeisen-Chef verkehrte er häufig in Stripclubs und Cabarets. Insgesamt hatte er bei über 100 Cabaret-Besuchen fast 200'000 Franken ausgegeben – zulasten der Raiffeisen-Spesenrechnung. Blick hat daraus die Karte «Tour de Strip» gestaltet.
1750 wurde die heutige Privatbank Rahn und Bodmer in Zürich gegründet. Selbst die Französische Revolution (1789 bis 1799) ist weniger lang her. Rahn und Bodmer ist die älteste noch existierende Bank der Schweiz. Ursprünglich bot sie nicht Bankdienstleistungen an, sondern war im Seidenhandel tätig. Damals war es üblich, Handels- und Bankgeschäfte zu vermischen.
Im Schnitt liegen die Gehälter in der Bankbranche 10 bis 15 Prozent höher als in den anderen Branchen. Das sagte anfangs April 2023 Jörg Scholten von der Unternehmensberatung Kienbaum der «NZZ». So verdient etwa eine Sachbearbeiterin im Marketing in der Finanzbranche 93'700 pro Jahr, während die gleiche Position im Handel lediglich 78'100 Franken einbringt. Am grössten ist der Unterschied auf Leitungsebene: Im Handel verdienen die Angestellten 158'000 Franken, in der Finanzbranche 206'800 Franken.
Die Bedeutung der Finanzbranche für den Wirtschaftsstandort Schweiz ist kleiner als viele vermuten. 2021 zählte der Bereich «Finanzdienstleistungen» gemäss Bundesamt für Statistik 124'558 Vollzeitstellen. Allein die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie zählt 325'000 Angestellte – dreimal mehr als die gesamte Finanzbranche. Dennoch: Die Zahl der Beschäftigten Mitarbeitenden bei Banken stieg 2022 um 1,6 Prozent auf 92'019.
Finanzdienstleistungen tragen laut Staatssekretariat für Wirtschaft 36,4 Milliarden Franken zum Bruttoinlandprodukt (BIP) bei. Das entspricht lediglich 4,9 Prozent des gesamtschweizerischen BIP.
Dr. S, ein pensionierter Gymi-Lehrer überfällt am Gründonnerstag 2011 barfuss die ZKB-Filiale Zürich-Seebach. Er ist mit einer Bratpfanne bewaffnet, die er in einem Rollkoffer mitführt. Der damals 69-jährige fordert 1 Milliarde Franken, und sagt «Doch für den Anfang reichen 400'000 Franken.» Die Bankangestellte holt das Geld im Tresor und kommt weinend zurück. Daraufhin sagt der verwirrte Räuber zur Frau: «Jetzt müssen sie doch nicht mit Weinen anfangen.»
Mit dem erbeuteten Geld geht er direkt ins SBB-Reisebüro am Bahnhof Oerlikon ZH, kauft sich ein 1. Klass-GA und zwei Uhren. Anderthalb Stunden später wird der Rentner auf der Bahnhofstrasse verhaftet. Das psychiatrische Gutachten attestiert ihm später eine schwere Manie – und daher Schuldunfähigkeit.
Gemäss einer Studie der Hochschule Luzern vom November 2022 gibt es in der Schweiz 6570 Bankomaten. Im Mittel werden pro Bezug 350 Franken abgehoben. Im Weihnachtsmonat Dezember wurden 2021 im Durchschnitt 415 Franken abgehoben.
Zürich ist berühmt für seine Banken. Immer wieder bietet es die Kulisse für Spielfilme im Banken-Milieu. Auch der Agententhriller «The Bourne Identity» mit Matt Damon (52) aus dem Jahr 2002 spielt teilweise in der Limmatstadt. Allerdings wurden die Szenen aus Kostengründen nicht in Zürich, sondern in der tschechischen Hauptstadt Prag gedreht.
Das Bankgeheimnis ist viele Jahrzehnte ein Grund, weshalb Personen aus dem Ausland ihr Geld Schweizer Banken anvertrauen. Hier ist ihre Privatsphäre sichergestellt. Noch im März 2008 sagt der damalige Finanzminister Hans-Rudolf Merz (80, FDP) an die Adresse der EU «An diesem Bankgeheimnis werdet ihr euch noch die Zähne ausbeissen.» Ein knappes Jahr später, im Februar 2009 beschliesst der Bundesrat per Notrecht der UBS die Lieferung von 255 Kundennamen an die US-Behörden zu erlauben. Drei Wochen später folgt der Beschluss, den Unterschied zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung aufzuheben. Damit ist das Bankgeheimnis Geschichte.
Die erste CS-Filiale steht nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, am Zürcher Paradeplatz. 1856 bezog die damalige Schweizerische Kreditanstalt 50 Meter vom Paradeplatz entfernt (Adresse: Tiefenhöfe 6) ihre ersten Räumlichkeiten. Damals arbeiten sechs Angestellte für die Bank. Bereits nach einem Jahr ist der Platz zu eng, weshalb sich die Bank nach einem neuen Standort umschaut.