Darum gehts
- Margrit Vögtlin feierte am 22. Februar ihren 101. Geburtstag
- Das Geburtstagskind trug ein 4000-Franken-Kleid
- Ein Video von ihr bei der SRF-Sendung Happy Day wurde über 500'000 Mal auf Social Media angesehen
Und da steht sie nun – mit sonnigem Lachen und ausgestreckten Armen. «So viele Leute, und alle wegen mir? Schön, seid ihr hier!», sagt Margrit Vögtlin zur Begrüssung und lacht, es tönt wie ein Kichern. Die Festgemeinde klatscht, einer ruft: «Ein Hoch auf unser Vögeli!» Die Jubilarin wischt sich eine Träne aus dem Auge. Zwei Dutzend Verwandte und Bekannte sind ins Altersheim Seniorama Burstwiese in Zürich Wiedikon gekommen, um sie zu feiern: s Vögeli ist 101 Jahre alt geworden! Es sei ihr «es bitzeli Sturm vor Freude». Doch sie habe in ihrem Zimmer ja auch schon ein Gläsli Prosecco getrunken, verrät die Jubilarin. Sie kichert wieder. «101 wird man ja nicht alle Tage.»
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
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Sie war eine kreative Hutmacherin
Die Hälfte ihres Lebens hat Margrit Vögtlin als Hutmacherin gearbeitet, die Schweizer Illustrierte hat vergangenes Jahr schon über das Zürcher Original berichtet. Nun sitzt sie inmitten der Festgemeinde im dekorierten Gymnastikraum – in diesem nimmt sie dienstags am hausinternen Turnen teil. Die Jüngste im Saal ist die 30-jährige Grossnichte Marcelina Häringer. Die Jubilarin hat keine Kinder, ihr Mann Ruedi, mit dem sie 71 Jahre verheiratet war, starb 2019, kurz nach seinem 100. Geburtstag. Luftballons in Form von Schmetterlingen schweben herum. «Sommervögel erinnern mich an meine Schwester Nini selig.»
«Gell, ich habe ein schönes Kleid?», fragt das Geburtstagskind den Tischnachbarn. Dieser nickt, s Vögeli strahlt, 4000 Franken teuer sei es. Das Doubleface-Kleid in Königsblau hat sie zu ihrem 100. Geburtstag bekommen, von Roberto Quaglia, Chef des gleichnamigen Haute-Couture-Geschäfts in der Zürcher Altstadt. 50 Jahre hatte Margrit Vögtlin in dessen Vorgängerbetrieb gewirkt, als Hutmacherin.
Bei Kalbsrücken und Kartoffelgratin ist s Vögeli fleissig am Plaudern. Bis vor ein paar Tagen hat sie wochenlang ein starker Husten geplagt, es ging ihr schlecht, sie war nur noch auf ihrem Zimmer. Doch sie habe durchgehalten, zwitschert sie und hebt ihr Glas Merlot: «Ich bin ä Zächi.» Ein Tischnachbar bittet um ein Selfie mit ihr. Sie: «Aber nur von vorn fotografieren! Das ist meine bessere Seite.»
Marcelinas Mutter Beatrice bittet ihr «Tanteli» zum Anschneiden des Geburtstagskuchens – die 68-jährige Nichte und nächste Verwandte der Jubilarin hat ihn selbst gebacken. Mit flinker Hand schneidet Vögtlin ein Stück nach dem anderen ab – da- mit alle Gäste eins haben. «Zahlen kannst du nachher», flachst sie zu einer Cousine, der sie ein Stück Kuchen auf den Teller legt. Eine Bekannte hat ihr drei Gläser selbst gemachtes Apfelmus mitgebracht. Sie weiss: Vermischt mit Naturjoghurt, ist das Vögelis Lieblingsznacht.
Social-Media-Star mit 101
Beim Kafi setzt sich Marcelina zur Grosstante, öffnet auf ihrem Handy ein kurzes Video. Dieses zeigt, wie Margrit Vögtlin bei ihrem Liveauftritt in der SRF-Sendung «Happy Day» auf die Frage von Moderator Nik Hartmann einen kecken Spruch reisst. Schon eine halbe Million Mal wurde das Kultfilmli auf Social-Media-Kanälen angeklickt. S Vögeli staunt: «Schüüli guet!»
Sie geht von Tisch zu Tisch, ein Schwatz hier, ein Schwatz dort. Sechs Stunden nach dem Apéro hebt Margrit Vögtlin nochmals ihr Glas: «Danke, dass ihr gekommen seid! Ich wünsche euch allen Gesundheit und alles Gueti!» Das sei auch ihr gewünscht.