Klage gegen Pharma-Riesen
Novartis soll Asthmamedikament an Schwangere beworben haben – trotz bekannter Nebenwirkungen

Novartis und die Universität von Kalifornien stehen in den USA vor Gericht. Die Anschuldigung: Der Schweizer Pharma-Riese soll ein Asthmamedikament zur Behandlung von frühzeitigen Wehen beworben haben, obwohl die Arznei schwere Schäden beim Kind verursachen kann.
Publiziert: 24.04.2024 um 13:52 Uhr
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Das Medikament Terbutalin wurde zur Asthmabehandlung unter dem Namen Brethine von 1976 bis 2001 in den USA verkauft.

Novartis steht in den USA unter Beschuss. Eine Gruppe von Menschen mit Autismus und ihre Mütter ziehen gegen den Basler Pharmariesen vor Gericht. Sie werfen Novartis vor, ein Asthmamedikament für Frühgeburten unrechtmässig angepriesen zu haben – trotz Wissen um dessen Ineffektivität und potenziell verheerende Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung von Ungeborenen.

Laut der Anklageschrift, die von der Nachrichtenagentur Reuters eingesehen wurde, steht auch die Universität von Kalifornien am Pranger. Ein ehemaliger Professor soll die zweifelhafte Vermarktung unterstützt haben, so der Vorwurf.

Internes Memo zeigt, Risiko war bekannt

Die Vorfälle liegen schon einige Jahre zurück. Zu den Klägern gehören im Jahr 1993 geborene Zwillinge und ein Mann, der 2002 zur Welt kam. Zusammen mit ihren Müttern bezichtigen sie Novartis und die Universität der Vernachlässigung und bewussten Irreführung. Darum fordert sie nun Schadenersatz in unbekannter Höhe. Novartis prüft derzeit die Vorwürfe. Die Universität hat sich noch nicht geäussert.

Wie Reuters berichtet, verkaufte der Schweizer Pharma-Konzern das Medikament Terbutalin als Asthmabehandlung in den USA unter dem Namen bis 2001. Es fand jedoch ab den späten 1970er-Jahren aufgrund der entspannenden Wirkung auch bei Schwangerschaften zur Behandlung von frühzeitigen Wehen Anwendung. Ein internes Memo von 1983 soll belegen, dass Novartis die Risiken kannte. Aber statt zu warnen, habe Novartis die neue Nutzung für Schwangere intensiv beworben – mit fatalen Folgen, wie die Kläger behaupten.

Studien aus den Jahren 2011 und 2016 zeigten einen möglichen Zusammenhang zwischen Terbutalin und Autismus. Die FDA, die US-Zulassungsbehörde für Medikamente, hatte von Novartis bereits 1993 verlangt, dass das Unternehmen für Terbutalin eine Zulassung einholt, damit die Arznei auch zur Behandlung von vorzeitigen Wehen eingesetzt werden kann. Novartis soll diese Aufforderung jedoch ignoriert haben.

Medikament mit Blackbox-Warnung versehen

2011 erfolgte auf eine Bürgerpetition hin eine Warnung der FDA vor dem Langzeitgebrauch des Medikaments in der Schwangerschaft. In dieser weist die Behörde auf schwerwiegende Risiken hin, die Einsatz von Terbutalin bei Schwangeren auftreten können.

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Das Patent für Terbutalin lief im Jahr 2001 ab, seitdem findet man auch Generika auf dem Markt. Die Debatte um die Sicherheit des Medikaments sorgt aber weiterhin für Aufruhr. (rul)

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