Auswärts essen nur mit Piks? Beizer halten nichts von einer Impfpflicht(03:50)

«Impfen ist Privatsache», «Diskriminierend», «Kaum umsetzbar»
Schweizer Beizer halten nichts von einer Impfpflicht

Die Impfungen gehen zwar nur schleppend voran. Aber schon wird diskutiert, ob Geimpfte bald privilegierter behandelt werden sollen. Zum Beispiel bei Hotel- oder Restaurantbesuchen.
Publiziert: 23.02.2021 um 17:03 Uhr
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Aktualisiert: 26.02.2021 um 20:02 Uhr
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Die geschlossenen Restaurants dürfen hoffentlich bald wieder öffnen und sollen dann die Wahl haben: Sie können entscheiden, ob sie nur Geimpften Zutritt gewähren.
Franziska Scheven

Die Zeit nach Corona wird kommen. Irgendwann. Im Idealfall ist dann eine Mehrheit der Schweizer geimpft. Aber wie geht es bis dahin weiter? Der Bund hat nun offenbar einen Vorschlag gemacht. Demnach sollen Restaurants und Hotels die Möglichkeit haben, Nicht-Geimpften den Zutritt zu verwehren. Davon wollen die grossen Ketten und Verbände aber erstmal nichts wissen.

«Das wäre ein massiver Eingriff in die Freiheiten des Einzelnen», sagt Andreas Züllig (62), Präsident von Hotelleriesuisse. «Schliesslich gibt es Menschen, die Bedenken haben hinsichtlich der Impfung oder sogar Angst davor. Eine solche Massnahme finde ich diskriminierend.»

Impfen soll Privatsache bleiben

Auch die Migros Gastronomie lehnt solche Optionen ab. «Wir sehen uns nicht als Ordnungshüter. So erachte ich die systematische Überprüfung von Impfausweisen unserer Gäste als wenig praktikabel und kaum umsetzbar», sagt der Migros-Sprecher Marcel Schlatter zu BLICK. «Insbesondere nicht in unseren Selbstbedienungsrestaurants.»

Laut Schlatter solle man sich darauf konzentrieren, das Impfen schnell voranzubringen, damit auch die jüngere Bevölkerung Zugang erhält. Aber, ob die Menschen das Angebot dann wahrnehmen wollen oder nicht, sei ihnen überlassen. «Die Migros erachtet das Impfen als Privatsache», sagt er.

Israel macht es vor: Kommt bald der grüne Pass für Geimpfte?(01:16)

Beizen dürfen Ungeimpfte aussperren

BLICK erfuhr über ein Geheimpapier des Bundes, dass Geimpfte in Zukunft Privilegien geniessen könnten, die anderen verwehrt bleiben. Ziel sei es, der Bevölkerung einen Anreiz zu geben, sich piksen zu lassen.

In anderen Ländern gilt eine solche Regelung bereits: In Israel etwa, wo ein grosser Anteil der Bevölkerung bereits geimpft worden ist, dürfen Geimpfte wieder ins Fitnessstudio oder ins Theater. Nicht-Geimpfte müssen draussen bleiben.

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Öffnung bleibt Priorität

Die Schnellrestaurant-Kette McDonalds wartet eine offizielle Entscheidung ab. Neue Regelungen in diese Richtung werde man prüfen. «Wir müssen evaluieren, was diese Information für unsere 170 Restaurants bedeuten würde und wie wir sie handhaben wollen», sagt Sprecherin Deborah Murith.

Das Wichtigste für alle Restaurants und Hotels bleibt sowieso: Endlich wieder normal öffnen zu dürfen. «Grundsätzlich haben wir natürlich grosses Interesse, unsere Betriebe so bald wie möglich wieder öffnen zu dürfen», sagt Sprecherin Livia Schönenberger von den ZFV-Unternehmungen, die 200 Betriebe in der ganzen Schweiz unterhalten – unter anderem für die SBB oder die Uni Zürich. Dafür setzen sie aber auf die bisher bewährten Mittel: «Wir halten die Schutzkonzepte ein.»

Impfungen werden Lage beruhigen

Im derzeitigen Teil-Lockdown dürfen nur die Hotels und ihre Restaurants für die Hotelgäste offen haben. Laut Hotelleriesuisse-Präsident Züllig sei man mit den Schutzkonzepten in den Betrieben zufrieden. Er selber werde sich impfen lassen, sobald er dran sei.

Mit der Zunahme der Impfungen sieht er einer baldigen Beruhigung der Lage zuversichtlich entgegen. «Wenn das Gros der Bevölkerung den Impfschutz hat, wird die Ansteckungsgefahr und somit die Pandemie insgesamt ohnehin weniger brisant werden – und wir können endlich zur Normalität zurückkehren.»

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