Darum gehts
- Saudi-Arabien stoppt Bau des «Mukaab»-Wolkenkratzers in Riad wegen niedriger Ölpreise
- Das neue Stadtteil «New Murabba» soll gemäss Schätzungen 50 Milliarden US-Dollar kosten
- Der saudische Staatsfonds fasst derzeit ein Vermögen von 1,15 Billionen US-Dollar
Das Königreich Saudi-Arabien hat jahrelang mit Geld um sich geworfen. Doch diese Zeiten scheinen nun vorbei zu sein. Kronprinz Mohammed bin Salman (40) muss das nächste Giga-Projekt zurückstellen. Der Bau des kolossalen, würfelförmigen Wolkenkratzers «Mukaab» in der Hauptstadt Riad wurde auf Eis gelegt, wie die Nachrichtenagentur Reuters basierend auf Aussagen von mehreren Quellen schreibt.
«Mukaab» ist als 400 mal 400 Meter grosser Metallwürfel geplant, der das Herzstück eines neuen Stadtteils – «New Murabba» genannt – werden soll. Bis anhin wurden die Arbeiten für den Aushub und die Pfahlgründung umgesetzt, auf der das Fundament zu stehen kommt. Die Immobilienberatungsfirma Knight Frank schätzt die Gesamtkosten des neuen Quartiers auf rund 50 Milliarden US-Dollar.
Königreich setzt Prioritäten neu
Saudi-Arabien reagiert mit dem Projektstopp auf den tiefen Ölpreis von derzeit gut 66 Dollar pro Fass. Die Öleinnahmen speisen den gewaltigen Staatsfonds, mit dem das Land seine Giga-Projekte finanziert. Damit das Fondsvermögen von derzeit 1,15 Billionen US-Dollar weiterhin wächst, werden die Prioritäten hin zu Projekten verschoben, die dringlicher sind und als potenziell profitabler angesehen werden. Darunter Projekte in den Sektoren Logistik, Bergbau und Künstliche Intelligenz. Priorität haben zudem die Infrastruktur für die Expo 2030 und die Fussball-Weltmeisterschaft 2034.
Das Königreich hat erst im September 2025 die Projekte «The Line» und «Magna» bis auf Weiteres gestoppt, wie Blick damals aus gut unterrichteten Quellen erfahren hat. Schon im Frühling 2024 wurde bekannt, dass die ursprünglich als 170 Kilometer lange, 500 Meter hohe und 200 Meter breite geplante Stadt «The Line» auf lediglich 2,4 Kilometer gestutzt wird. Bei «Magna» handelt es sich um ein touristisches Luxusresort am Roten Meer.
Auch keine Winterspiele 2029
«The Line» und «Magna» sind Teil des Neom-Projekts, einer gigantischen Zukunftsvision und Pfeiler der saudischen Vision 2030, mit der das Land seine Wirtschaft unabhängiger vom Erdöl machen will. Diese Pläne werden nun offenbar aufgrund der Ölpreisentwicklung überprüft.
«Wir sind sehr transparent. Wir werden uns nicht davor scheuen, zu sagen, dass wir ein Projekt verschieben, verzögern oder neu ausrichten müssen», sagte der saudische Wirtschaftsminister Faisal al-Ibrahim (45) letzte Woche gegenüber Reuters, ohne dabei ein bestimmtes Projekt zu nennen.
Am vergangenen Wochenende gab Saudi-Arabien bekannt, dass die Asiatischen Winterspiele 2029 nicht in Trojena stattfinden werden. Das Skigebiet in den Sarawat-Bergen sollte ursprünglich 2026 fertiggestellt werden, wird nun aber nicht rechtzeitig fertig.