Grosser Stellenabbau, auftragslose Fahrer – nur die Restaurant-Kuriere profitieren in der Schweiz
Uber von Corona heftig ausgebremst

Fahrdienstvermittler Uber leidet auch in der Schweiz unter der Corona-Pandemie. Besonders betroffen sind die Fahrer. Nur die Kuriere können sich freuen: Der Essens-Service Uber Eats boomt in Zürich und Co.
Publiziert: 13.05.2020 um 08:05 Uhr
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Aktualisiert: 13.05.2020 um 09:06 Uhr
Nicola Imfeld

Im Mai 2019 wagte Uber den Schritt an die Wall Street. Der Börsengang des Fahrdienstvermittlers war der grösste seit Jahren. Doch seither gehts mit dem Unternehmen aus San Francisco (USA) bergab: Der Aktienkurs hat über 20 Prozent eingebüsst, die Fahrten brechen wegen der Corona-Pandemie weg und der Quartalsverlust verdreifachte sich zuletzt.

Die Folge: Uber entlässt Mitarbeiter. Wie das Unternehmen Anfang Mai ankündigte, werden 3700 Stellen in Kundendienst und Rekrutierungsabteilungen abgebaut. Das entspricht rund 14 Prozent der weltweiten Belegschaft – das kleine Schweizer Team kommt laut BLICK-Informationen mit einem blauen Auge davon.

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US-Fahrdienstvermittler Uber schreibt wegen der Corona-Pandemie grosse Verluste.

Besonders heftig sind aber die Fahrer betroffen, die Uber bekanntlich als unabhängige Vertragspartner einstuft. Weil in Zeiten von Lockdown und Social Distancing kaum jemand ein Uber-Taxi bestellt, brechen ihnen die Umsätze weg. Auch in der Schweiz klagen die Fahrer über teils heftige Einkommensverluste. Wie viele Gäste ihnen fehlen, gibt die Geschäftsstelle in Zürich auf Anfrage nicht bekannt. Klar ist: Entschädigungen erhalten die Fahrer von Uber keine.

Nur wer in Quarantäne muss oder am Coronavirus erkrankt ist, kann finanzielle Hilfe beantragen. Die Fahrer müssen ihre Situation mit einem Arztzeugnis belegen und erhalten dann für 14 Tage eine Entschädigung – der Betrag variiert von Stadt zu Stadt. «Zusätzlich haben wir Fahrer und Kuriere mit kostenlosen Schutzmasken und vergünstigten Trennwänden für die Fahrzeuge unterstützt», sagt Uber-Schweiz-Sprecherin Luisa Elster zu BLICK.

Das Sicherheitskonzept von Uber Schweiz

Ein Lichtblick für die Fahrer sind die ersten Lockerungen in der Schweiz. Damit die Sicherheit der Gäste gewährleistet wird, hat Uber einen Gesundheits- und Hygieneschutzplan entwickelt. «Ab kommender Woche erhalten unabhängige Fahrer und Passagiere vor jeder Fahrt eine Checkliste, die sie an die notwendigen Vorsichtsmassnahmen erinnert», verspricht Elster. Uber empfiehlt seinen Fahrern, eine Maske zu tragen, sich regelmässig die Hände zu waschen oder zu desinfizieren und ausreichend physischen Abstand zu anderen Personen einzuhalten.

Letztlich muss sich das Unternehmen aber auf die Selbstverantwortung seiner Fahrer verlassen. Da es in der Schweiz keine Maskenpflicht gibt, ist zu befürchten, dass einige Fahrer weiterhin oben ohne unterwegs sein werden. Ob die Kunden so zurückkommen, muss sich zeigen.

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Boom von Essenslieferdienst Uber Eats

Die Corona-Pandemie hat für Uber nicht nur Schattenseiten. Während die Fahrer kaum Arbeit haben, können sich die Kuriere der Lieferplattform Uber Eats vor Aufträgen kaum retten. Laut CEO Dara Khosrowshahi (50) stiegen die Anfragen im ersten Quartal weltweit um über 50 Prozent. Auch in der Schweiz haben sich die Menschen im Lockdown vermehrt Essen nach Hause liefern lassen.

«Gerade von Seiten der Restaurants besteht ein grosses Interesse, die Plattform zu nutzen», sagt Sprecherin Luisa Elster. Seit Februar hätten sich Hunderte neue Speiselokale auf der Plattform registriert – ein Zuwachs von 74 Prozent. Aktuell zählt Uber Schweiz mehr als 1700 Partner-Restaurants. Uber köderte sie mit Spezialkonditionen: «Wir haben den Restaurants beispielsweise die Liefer- oder Aktivierungsgebühr erlassen und verrechnen keine Kommission auf Bestellung zum Abholen.»

Der Boom hat das Unternehmen veranlasst zu expandieren. Luzern und Neuenburg kamen kürzlich hinzu, womit Uber Eats mittlerweile in zwölf Schweizer Städten verfügbar ist. «Und weitere sind in der Planung», verspricht Elster.

Trotz Corona: Uber investiert kräftig weiter

Obwohl Uber von der Pandemie insgesamt stark ausgebremst wurde, investiert das Unternehmen munter weiter. Vergangene Woche wurde bekannt, dass sich Uber am E-Scooter-Startup Lime mit 170 Millionen Dollar beteiligt. Es ist Geld, das Lime dringend benötigt. Das Geschäft steht wegen der Pandemie derzeit komplett still, auch in der Schweiz wurden die E-Scooters von Lime vorübergehend von der Strasse genommen.

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Am Dienstag wurde in den USA zudem gemunkelt, dass Uber am Essenslieferanten Grubhub interessiert sei. Das Unternehmen mit Sitz in Chicago (USA) gehört zu den grossen Rivalen von Uber Eats. Grubhub ist rund 4,3 Milliarden Dollar schwer und könnte Medienberichten zufolge noch diesen Monat von Uber übernommen werden.

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