Darum gehts
Der soziale Kitt der Schweiz bröckelt weiter. Und das Gefühl, gerecht behandelt zu werden, schwindet. Dies zeigt das Gerechtigkeitsbarometer 2026 – eine Umfrage des Beobachters in Kooperation mit Coop Rechtsschutz. Die Bilanz der repräsentativen Erhebung, für die das Forschungsinstitut GFS Bern rund 2000 Personen befragt hat, zeichnet insgesamt ein eher düsteres Bild: Wir sind heute deutlich unzufriedener mit der Gerechtigkeit im Land als bei der ersten Erhebung im Spätsommer 2024.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
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Ein Land, unterschiedliche Realitäten
Was empfinden wir als fair? Wer wird bevorzugt, wer abgehängt? Die Antworten hängen heute stärker denn je vom Portemonnaie ab. Geld ist zum Gradmesser für das Gerechtigkeitsempfinden geworden. Während Gutverdienende das System stützen, fühlen sich einkommensschwächere Gruppen zunehmend benachteiligt – sei es bei den täglichen Kosten oder beim teuren Zugang zur Justiz.
Mit dem Gerechtigkeitsbarometer ermittelt der Beobachter in Kooperation mit Coop Rechtsschutz seit 2024 ein Stimmungsbild, wie fair sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen behandelt fühlen und welche systematischen Ungerechtigkeiten es gibt. Für die aktuelle Erhebung hat das Forschungsinstitut GFS Bern rund 2000 Personen ab 16 Jahren befragt.
Das sind die Resultate der diesjährigen Untersuchung:
- Einleitung: Die Schweiz ist ungerecht – vor allem wenns um Geld geht
- Politische Einstellung: Ungerecht? Linke und Rechte setzen andere Prioritäten
- Geld und Justiz: Selbst Reiche finden, dass Gerechtigkeit käuflich ist
- Jung und Alt: Die Jungen fürchten um ihre Zukunft
- Frauen und Männer: Was Frauen belastet, löst bei vielen Männern Achselzucken aus
- Was uns eint: Wenn es hart auf hart kommt, halten wir in der Schweiz zusammen
Zum Vergleich: Die Resultate der ersten Erhebung 2024:
- Artikel: Der soziale Kitt bröckelt
- Fokus: Jeder Zweite fordert mehr Landesverweise
- Interview: «Die direkte Demokratie ist nicht automatisch gerechter»
- Die Daten: Wo ist die Schweiz unfair? Wir haben nachgefragt
- Podcast: Warum sind für viele kriminelle Ausländer das Hauptproblem?
- Die Studie: Das vollständige Gerechtigkeitsbarometer 2024 finden Sie hier.
Mit dem Gerechtigkeitsbarometer ermittelt der Beobachter in Kooperation mit Coop Rechtsschutz seit 2024 ein Stimmungsbild, wie fair sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen behandelt fühlen und welche systematischen Ungerechtigkeiten es gibt. Für die aktuelle Erhebung hat das Forschungsinstitut GFS Bern rund 2000 Personen ab 16 Jahren befragt.
Das sind die Resultate der diesjährigen Untersuchung:
- Einleitung: Die Schweiz ist ungerecht – vor allem wenns um Geld geht
- Politische Einstellung: Ungerecht? Linke und Rechte setzen andere Prioritäten
- Geld und Justiz: Selbst Reiche finden, dass Gerechtigkeit käuflich ist
- Jung und Alt: Die Jungen fürchten um ihre Zukunft
- Frauen und Männer: Was Frauen belastet, löst bei vielen Männern Achselzucken aus
- Was uns eint: Wenn es hart auf hart kommt, halten wir in der Schweiz zusammen
Zum Vergleich: Die Resultate der ersten Erhebung 2024:
- Artikel: Der soziale Kitt bröckelt
- Fokus: Jeder Zweite fordert mehr Landesverweise
- Interview: «Die direkte Demokratie ist nicht automatisch gerechter»
- Die Daten: Wo ist die Schweiz unfair? Wir haben nachgefragt
- Podcast: Warum sind für viele kriminelle Ausländer das Hauptproblem?
- Die Studie: Das vollständige Gerechtigkeitsbarometer 2024 finden Sie hier.
Die Liste der Baustellen ist lang – und die Risse, die sich durchs Land ziehen, werden tiefer. Während die Jungen sich in Umweltfragen betrogen fühlen und eine schwindende Nachhaltigkeit auf ihre Kosten beklagen, sorgen sich Ältere um Recht und Ordnung. Und während Frauen die fehlenden Möglichkeiten zum Aufstieg in Führungspositionen und die unfaire Verteilung von Care-Arbeit kritisieren, reagieren viele Männer gerade bei Gleichstellungsfragen mit Achselzucken. Quer durch alle Themen tun sich Gräben auf.
Das Fazit fällt 2026 gesamthaft also negativer aus als noch vor knapp zwei Jahren. Dennoch gibt es einen Lichtblick: Trotz der lauter werdenden Kritik in spezifischen Bereichen bleibt das Vertrauen in den Kern des Staates krisenfest. Die Schweiz streitet zwar heftig, aber sie tut es noch immer auf einem gemeinsamen Fundament von Demokratie, Freiheit und Bildung.
Schmales Portemonnaie, grosse Unzufriedenheit
Bei der ersten Auflage des Gerechtigkeitsbarometers, das im Spätsommer 2024 erhoben wurde, gab es allerhand zu kritisieren. Doch der Grundtenor war dennoch positiv: Gefragt nach ihrer spontanen Beurteilung, wie gerecht es in der Schweiz insgesamt zu und her gehe, antworteten damals 54 Prozent der Befragten mit «sehr gerecht» oder «eher gerecht».
Die aktuelle Erhebung zeigt nun: Die Unzufriedenen sind im Aufwind. Mit 51 Prozent bilden sie neu sogar eine Mehrheit. 33 Prozent der Teilnehmenden sind der Meinung, es laufe «eher nicht gerecht» – und satte 18 Prozent sagen sogar «überhaupt nicht gerecht».
Dabei bestimmt hauptsächlich der Faktor Geld die Wahrnehmung. Bei den Wohlhabenden mit einem monatlichen Haushaltseinkommen von über 13’000 Franken sind zwei Drittel (65 Prozent) zufrieden mit dem Lauf der Dinge. Bei Geringverdienern mit weniger als 3000 Franken hingegen ist dies gerade noch ein gutes Viertel (27 Prozent).
Dieser Graben zwischen den sozialen Schichten zieht sich – noch akzentuierter als beim ersten Barometer – fast durch die gesamte Befragung. Wer wenig hat, fühlt sich vom System deutlich stärker benachteiligt.
Bei der Frage, wie die Gerechtigkeit bezogen auf die persönliche Situation empfunden wird, liegen die Werte wie schon 2024 höher als bei der allgemeinen Bewertung. Aber auch hier sinkt die Zufriedenheit. Der Knick nach unten ist sogar ausgeprägter: Der Anteil jener, die sich selbst «eher gerecht» oder «sehr gerecht» behandelt fühlen, ist von 68 auf 56 Prozent gesunken.
«Ob Miete, Krankenkassenprämien oder AHV: Die Kostenfrage überlagert derzeit fast alles. Während auf individueller Ebene das eigene Portemonnaie unter Druck steht, wird politisch über Milliardenprojekte gestritten. Gleichzeitig schwindet der Glaube, dass Leistung automatisch zu Wohlstand führt. Am Ende läuft alles auf dieselbe Konfliktlinie hinaus: Wer trägt die Last – und wer profitiert?»
«Ob Miete, Krankenkassenprämien oder AHV: Die Kostenfrage überlagert derzeit fast alles. Während auf individueller Ebene das eigene Portemonnaie unter Druck steht, wird politisch über Milliardenprojekte gestritten. Gleichzeitig schwindet der Glaube, dass Leistung automatisch zu Wohlstand führt. Am Ende läuft alles auf dieselbe Konfliktlinie hinaus: Wer trägt die Last – und wer profitiert?»