Gefälschte Triebwerksteile geliefert
Grosse Airlines gehen Betrüger-Firma auf den Leim

Mehrere grosse Fluggesellschaften haben nicht zertifizierte Triebwerksteile einer dubiosen Firma in einigen Flugzeugen eingebaut. Das wirft ein Licht darauf, wie kriminelle Deepfake-Firmen auch akribische Sicherheitskontrollen umgehen können.
Publiziert: 27.09.2023 um 12:48 Uhr
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Ersatzteile für Flugzeug-Triebwerke sind sehr teuer – deshalb mischen nun auch kriminelle Organisationen in diesem Markt mit. (Symbolbild)
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Jean-Claude RaemyRedaktor Wirtschaft

Ein seltsamer Betrugsfall erschüttert derzeit die Luftfahrt. Seit Anfang September mehren sich Meldungen über eine dubiose Gesellschaft, deren nicht-zertifizierte Ersatzteile in Flugzeugen von namhaften Airlines eingebaut wurden.

Die Betrugsvorwürfe sind kein Pappenstiel. Eine Firma namens AOG Technics mit Sitz in London hat offenbar nicht zertifizierte Triebwerkskomponenten anhand gefälschter Dokumente an Reparaturwerkstätten von Fluggesellschaften in aller Welt geliefert. Die fraglichen Teile wurden für die Reparatur von Düsentriebwerken von CFM International verwendet, einem Gemeinschaftsunternehmen von General Electric und dem französischen Luftfahrttechnik-Unternehmen Safran. 

Grosse Airlines betroffen

Zuerst entdeckte Southwest Airlines die offenbar gefälschten Zertifikate. Inzwischen haben auch Virgin Australia und die globalen Schwergewichte United Airlines und zuletzt American Airlines nicht-zertifizierte Triebwerksteile von AOG bei sich gefunden. Insgesamt sind fast 100 Flugzeuge betroffen. Diese wurden sofort aus dem Verkehr gezogen, bis die entsprechenden Teile – die Rede ist von Turbinenschaufeln, Dichtungsteilen und mehr – durch zertifiziertes Material ersetzt wurde.

United und American fliegen auch in die Schweiz. Die dafür verwendeten Flugzeuge sind allerdings nicht betroffen. Ob weitere Fluggesellschaften der Firma auf den Leim gingen, ist Gegenstand von Abklärungen. 

GE, Safran und CFM haben inzwischen rechtliche Schritte gegen AOG Technics eingeleitet. Bei dieser handelt es sich laut US-Medien um eine «Deepfake-Firma», die mit viel Aufwand seriöse Käufer getäuscht haben soll. Unter anderem soll AOG Lebensläufe von eigenen Mitarbeitenden gefälscht haben. Die Website und das Linkedin-Profil der Firma sind nicht mehr erreichbar. Die Geschäftsadresse? Ein «Coworking Space» in London, der Büroplätze für 100 Dollar pro Monat anbietet.

Immerhin erklärte die europäische Luftfahrtsicherheitsagentur (EASA), dass bis heute keine Berichte über Probleme vorliegen, die auf die nicht zugelassenen Teile zurückzuführen sind.

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Grosse Sorge über kriminelle Machenschaften

Das Interesse von kriminellen Organisationen an Triebwerksteilen liegt darin, dass solche schnell einmal zehntausende Franken kosten – weil die Ansprüche an Material, Ausführung und Zertifizierung so hoch sind. Nicht zertifizierte Ersatzteile könnten potenziell desaströse Folgen für die Sicherheit in der Luftfahrt haben.

Üblicherweise wird das «Leben» jedes Ersatzteils minuziös dokumentiert. Hoher Preisdruck in der Luftfahrt und der blinde Glaube an elektronisch übermittelte Informationen könnten übliche Sicherheitsvorkehrungen ausser Kraft gesetzt haben. Ein Experte erklärt bei «Fortune», es sei «beunruhigend», dass auch sehr seriöse Kunden von dubiosen Lieferanten getäuscht werden konnten.

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