Gäste empört – kein Einzelfall
Restaurant verlangt 10 Franken für einen Liter Wasser

Im Ausland schenken viele Restaurants Hahnenwasser gratis aus. Schweizer Betriebe stellen dafür immer wieder happige Gebühren in Rechnung. So auch die Osteria Sazio in Zürich. Das sagen Konsumentenschutz und Gastrosuisse.
Publiziert: 25.10.2023 um 17:08 Uhr
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Aktualisiert: 26.10.2023 um 12:57 Uhr
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Gäste im Restaurant Osteria Sazio in Zürich ärgern sich über den Wasserpreis.

Die Osteria Sazio im Zürcher Seefeld hat es sich mit ein paar Gästen verscherzt. Das Restaurant verlangt für einen Liter Wasser 10 Franken. Die 6-köpfige Gruppe zahlte entsprechend für zwei Karaffen 20 Franken, wie «20 Minuten» berichtet. «Wir alle am Tisch waren schockiert – das ist doch pure Abzocke», sagt einer der Gäste zur Gratiszeitung. Sie hätten zähneknirschend bezahlt und das Lokal verlassen. 

Auch in Google-Rezensionen haben Gäste das teure Wasser schon moniert. Der Restaurant-Eigentümer weist gegenüber der Gratiszeitung die Vorwürfe zurück. «Es handelt sich nicht um Abzocke», sagt Angelo Fancello. Mehrere Plakate im Lokal würden auf den Wasserpreis hinweisen. Zudem sei das Wasser gefiltert, gekühlt und mit Kohlensäure versetzt. Fancello verweist auch auf die günstigen Gerichte, bei denen es gratis Nachschlag gebe. Das Gesamtpaket stimme, ist er überzeugt. Und das sehen auch viele Google-Rezensenten so, schneidet das Lokal in den Bewertungen doch grossmehrheitlich gut ab. 

Keine Ausnahme

Teures Leitungswasser – ob filtriert und in Glasflaschen serviert, sorgt bei Schweizer Gästen regelmässig für Stunk. Erst im Sommer ärgerte sich eine Blick-Lesereporterin über die 8 Franken, die das Restaurant Allmendhubel in Mürren BE pro Karaffe Leitungswasser in Rechnung stellt. «Dieser Preis wurde nicht deklariert und ist viel zu hoch», empörte sich die Zürcher Oberländerin.

Christoph Egger (53), Direktor der Schilthornbahn AG, die das Allmendhubel wie auch andere Restaurants vor Ort betreiben, bestätigte auf Nachfrage den Preis. Dieser werde in allen Restaurants des Unternehmens verlangt. Egger: «Das Hahnenwasser kommt nicht einfach so zum Hahnen heraus. Die kommunale Wasserversorgung versorgt nur das Dorf Mürren.» Die Betriebe auf fast 3000 Meter über Meer müssen jeden Liter Trinkwasser in Tanks via Luftseilbahn von Mürren hinauf transportieren. 

Auf einen Blick-Aufruf meldeten sich viele andere Leserinnen und Leser, die am Preis für Leitungswasser schwer zu schlucken hatten. Ein Leserreporter berichtet vom Zürcher Restaurant Bauschänzli, wo ein 3-Deziliter-Glas «Tafelwasser» mit 5 Franken zu Buche steht, der Liter mit zehn Franken. 

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Geht auch deutlich günstiger

Zu viel, findet Sara Stalder (57), Geschäftsleiterin des Konsumentenschutzes: «10 Franken für einen Liter Hahnenwasser sind überrissen. Es kann nicht sein, dass mit überteuertem Leitungswasser der Betrieb quersubventioniert wird.» Die Konsumentenschützerin appelliert an die Restaurantbetreiber, den Preis fürs Hahnenwasser sauber auf der Karte zu deklarieren – damit die Gäste nicht bewusst oder unbewusst hinters Licht geführt werden. 

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Es geht auch deutlich günstiger: Einige Restaurants bieten Wasserhähnen zur Selbstbedienung – oder Gratiswasser, wenn sonst auch konsumiert wird. Das Restaurant La Pasta in Zürich führt Hahnenwasser beispielsweise mit 2 Franken pro Halbliter auf der Getränkekarte. Im Ufer7 in Basel gibt es das Leitungswasser für einen Franken, wobei die Einnahmen an ein gemeinnütziges Projekt für einen sauberen Trinkwasserzugang gespendet werden.

Gemäss Gastrosuisse bieten über 90 Prozent aller Betriebe Leitungswasser an. Bei knapp jedem Vierten sei Leitungswasser auf der Karte deklariert. In 62 Prozent der Fälle wird Leitungswasser gratis eingeschenkt. In den anderen Fällen kostet es meist zwischen einem und drei Franken. Ein sehr kleiner Anteil der Betriebe verlangt 5 und mehr Franken für die Karaffe. Preise von über sieben Franken stellen eine Ausnahme dar.

Empfehlungen gibt Gastrosuisse keine ab, wie Präsident Casimir Platzer (61) sagt. Es sei im Rahmen der unternehmerischen Freiheit jedem Betrieb überlassen, die Aufwände für den Service von Leitungswasser an den Gast weiterzuverrechnen oder den Service im Sinne der Gästekulanz gratis anzubieten. 

«Der Service von Leitungswasser ist eine gastgewerbliche Leistung, für die Kosten entstehen», sagt Platzer. Es sei wichtig, die Gäste über den allfälligen Preis von Leitungswasser klar zu informieren und diesen transparent zu deklarieren. Dies sei im Fall des Restaurants Osteria Sazio offensichtlich der Fall. (smt)

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