FTI-Pleite-Schock in Traumferien
«Das sind bisher unsere teuersten Ferien»

Die Insolvenz des Reiseveranstalters FTI hat einige Schweizerinnen und Schweizer vor und während ihren Ferien überrascht. Ungeplante Ausgaben fürs Hotel und traurige Kinderaugen sorgen für erregte Gemüter. Blick konnte mit einigen Betroffenen sprechen.
Publiziert: 04.06.2024 um 19:01 Uhr
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Aktualisiert: 04.06.2024 um 19:25 Uhr
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Hilfe! Michael L. und seine Verlobte mussten doppelt bezahlen, um im Hotel bleiben zu dürfen.
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Jean-Claude RaemyRedaktor Wirtschaft

«Wir wussten gar nicht, dass FTI in Problemen steckt», sagt Maria S.* (63) aus dem luzernischen Surental. Sie ist mit ihrem Mann seit Ende Mai auf Gran Canaria in den Ferien und erfährt am Strand beim Scrollen durch die Blick-App, dass ihr Reiseveranstalter pleite ist.

Zurück im Hotel der Schock: Das Paar soll sofort den Aufenthalt neu bezahlen. Sonst müssten sie sich ein anderes Hotel suchen, da von FTI noch keine Überweisung gekommen ist, heisst es. Und so zahlt S. rund 780 Euro vor Ort nach. Auch den Rücktransfer zum Flughafen wird das Paar berappen müssen. Immerhin ist der Rückflug, mit Easyjet nach Basel, gesichert.

Gebucht hatte S. ihre Reise via das Vermittlerportal restplatzboerse.ch. Vor einem Monat erhielt sie die Unterlagen von FTI inklusive des Sicherungsscheins, der im Fall einer Insolvenz die Reiseleistungen versichert. «Ich habe keine Angst um mein Geld, aber mich nervt der ganze Aufwand, um dieses zurückzuerhalten», sagt S. Mit der Rückerstattung rechnet sie erst in mehreren Monaten.

«Wir lassen uns die Ferien nicht vermiesen»

Noch schlimmer erwischt es Michael L.* (27) aus Thun BE: Er fliegt mit seiner Verlobten am 2. Juni in die Dominikanische Republik und erfährt kurz nach der Ankunft, dass FTI insolvent ist. «Das war ein Schock», sagt er. Auch er wusste nichts von Problemen beim deutschen Reiseriesen.

Vermittelt wurde ihm der Trip via Lidl Reisen. Auch L. hat von FTI einen Sicherungsschein. Allerdings fällt die Hotelrechnung bei ihm happiger aus: 1760 Dollar muss er vorschiessen, um im Hotel bleiben zu dürfen. «Das sind bisher unsere teuersten Ferien», erklärt L. und fügt schmunzelnd an, dass es bei den Ferien des Paares immer wieder Pannen gab, mit nicht-existenten Hotels oder stornierten Heimflügen.

«Da lassen wir uns jetzt unsere Ferien nicht vermiesen!», sagt er trotzig. Die Dominikanische Republik sei toll und das Hotel Viva Dominicus in Bayahibe habe auf die Probleme souverän reagiert.

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«Unser Reiseleiter meinte, FTI habe ihn im Stich gelassen», fügt er an. Immerhin hat das Paar ein Schreiben mit den wichtigsten Informationen auf dem Zimmer. Wann sie ihr Geld wiedersehen, ist noch völlig unklar. Die Rückflüge via Madrid sind zum Glück gesichert.

«Ich hätte nicht bei FTI gebucht»

Für andere fallen die geplanten Ferien komplett ins Wasser. So etwa für Diana Ben Mohamed (55) aus Wil ZH. Sie hat für sich und ihre Tochter Larissa (14) im Februar bei Check24 online die Reise gebucht. Am 13. Juli sollte es nach Monastir (Tunesien) gehen. Kostenpunkt: 2370 Euro.

Die Vorfreude ist dahin: «Ich bin Alleinverdienerin und kann keine neue Reise bezahlen», sagt Ben Mohamed. Kurzfristig seien die Reisepreise viel höher als im Februar. Dass das Geld gesichert ist, sei nur ein schwacher Trost. Die Enttäuschung über die verpassten Traumferien ist gerade bei der Tochter gross. Auch für Ben Mohamed kommt die FTI-Pleite überraschend: «Hätte ich von den Problemen gewusst, hätte ich keine FTI-Reise gebucht.»

Der mit 4 Milliarden Euro Umsatz drittgrösste Reiseveranstalter Deutschlands vermeldete noch am 16. April, dass Finanzinvestor Certares das Unternehmen übernehmen und 125 Millionen Euro frisches Kapital einschiessen würde. Dazu kam es jedoch nicht.

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