Freizeit-Preisindex von Comparis
Flugtickets 57 Prozent teurer als vor fünf Jahren

Wird Fliegen zum Luxus? Flugtickets sind heute 57 Prozent teurer als vor fünf Jahren – stärker als jedes andere Freizeitprodukt. Schuld sind hohe Nachfrage, fehlende Flugzeuge und steigende Kosten. Eine Rückkehr zu Billigpreisen ist nicht in Sicht.
Kommentieren
Ferienfeeling wird immer teurer – insbesondere Flüge kosten immer mehr. In den letzten fünf Jahren haben sich Flugpreise mehr als verdoppelt.
Foto: IMAGO/Rolf Poss

Darum gehts

  • Flugpreise in der Schweiz stiegen um 57 Prozent seit 2020
  • Engpässe bei Flugzeugen und Personal treiben Ticketpreise weiter in die Höhe
  • Freizeitgüter verteuerten sich um 1,2 Prozent im Dezember 2025
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
new.jpg
Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Fliegen ist kein Schnäppchen mehr – sondern ein Kostentreiber. Wer heute ein Flugticket bucht, zahlt im Schnitt 57 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Kein anderes Produkt hat sich gemäss dem aktuellen Freizeit-Preisindex von Comparis so stark verteuert. Die Botschaft ist klar: Die goldenen Zeiten der Billigflüge sind vorbei.

Dabei steigen nicht nur die Preise in der Luft. Insgesamt verteuerten sich Freizeitgüter in der Schweiz im Dezember 2025 gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozent. Zum Vergleich: Die allgemeine Teuerung lag bei gerade einmal 0,1 Prozent. Freizeit und Reisen entkoppeln sich damit zunehmend vom restlichen Konsum – und belasten die Budgets spürbar.

Gerade Ferienfeeling wird immer teurer: Laut Comparis waren Pauschalreisen schon letztes Jahr umd 30 Prozent und Hotelübernachtungen um 21 Prozent teurer als vor fünf Jahren.

Es fehlt an vielem

Doch der eigentliche Preisschock kommt aus dem Cockpit. «Nach Corona kam die Nachfrage schneller zurück als das Angebot», erklärt Comparis-Consumer-Finance-Experte Michael Kuhn. Der Engpass sei vielschichtig: Es fehlen Flugzeuge, Triebwerke, Ersatzteile – und qualifiziertes Personal. Gleichzeitig bleiben ältere Maschinen länger im Einsatz. Sie verbrauchen mehr Treibstoff, verursachen höhere Wartungskosten und treiben die Preise zusätzlich nach oben.

Erschwerend kommt hinzu: Neue Flugzeuge lassen auf sich warten. Laut der International Air Transport Association (Iata) haben sich die Zertifizierungsverfahren von früher 12 bis 24 Monaten auf vier bis fünf Jahre verlängert. Politische Unsicherheiten und US-Zölle auf Elektronik und Metall bremsen die Produktion weiter. «Im fragilen Lieferkettengefüge der Luftfahrt können solche Faktoren massive Verzögerungen verursachen», so Kuhn.

Eine echte Trendwende ist nicht in Sicht. «Fliegen kann in den nächsten Monaten zwar wieder leicht günstiger werden», sagt der Experte. «Aber die Preise werden klar über dem Vor-Corona-Niveau bleiben.» Wer also auf sinkende Ticketpreise hofft, braucht Geduld – oder Glück.

Lichtblick: Technikprodukte

Neben dem Luftverkehr zog im Dezember auch die Parahotellerie stark an. Ferienwohnungen und Campingplätze verteuerten sich gegenüber dem Vormonat um 25 Prozent. Seit der Pandemie sind diese Unterkünfte hoch im Kurs, das Angebot bleibt knapp. Im Fünfjahresvergleich liegen die Preise bereits 21 Prozent höher. Auch Bergbahnen, Skilifte und Hotels wurden teurer.

Am stärksten trifft die Teuerung Einpersonenhaushalte ab 65 Jahren, regional vor allem die französischsprachige Schweiz. Einziger Lichtblick: Technikprodukte wie Fernseher und Kameras wurden günstiger. Für Reisende ist das nur ein schwacher Trost. Denn klar ist: Wer abhebt, zahlt – deutlich mehr als früher.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen