Fluglotse Pascal Büsser (31)
«Der Flughafen Zürich ist der komplexeste in Europa»

Wer führt die Flugzeuge sicher von und zum Flughafen und dirigiert den Verkehr? Es sind die Flugverkehrsleiter bei Skyguide, die im Tower den Überblick haben.
Publiziert: 07.07.2023 um 19:37 Uhr
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Pascal Büsser (31) überblickt an seinem Arbeitsplatz den ganzen Flughafen Zürich.

Den schönsten Arbeitsplatz am Flughafen Zürich haben zweifellos die Skyguide-Fluglotsen. Sie überblicken vom Kontrollturm aus das gesamte Flughafengelände und die umliegende Region.

Doch Zeit zum Geniessen der Aussicht bleibt kaum: Sie müssen mit höchster Konzentration am Werk sein, um den Flugverkehr zu leiten. Sie erteilen Lande- und Abfluggenehmigungen, überwachen den Abflug auf dem Radar und führen die Flugzeuge auf ihrer Route sowie am Boden.

«Gewitter sind herausfordernd»: Pascal Büsser überwacht aus dem Tower die Ab- und Anflüge(01:14)

Pascal Büsser (31) dirigiert hier gerade mit vier oder fünf Personen den Flugverkehr. Er ist seit über elf Jahren Flugverkehrsleiter: «Mich interessierte die Aviatik schon immer. Ein Kollege, der bereits im Tower arbeitete, überzeugte mich, dass dies der richtige Job für mich ist.»

Kein Tag wie der andere

Grundvoraussetzung für die Stelle als Flugverkehrsleiter ist eine abgeschlossene Berufslehre oder Matura. Und gesund muss man sein, sagt Büsser. Denn: «Augen, Gehör, Herz und Blutbild werden regelmässig getestet.» Gute Englischkenntnisse sind ebenfalls nötig – eine eigene Fluglizenz dagegen nicht. Bis zu drei Jahre dauert die Ausbildung.

Die besondere Funksprache der Fluglotsen hat der Ostschweizer in der Ausbildung gelernt. Heute fühle sie sich an wie eine zusätzliche Sprache, in der er sich auch mal gegen hartnäckige Piloten durchsetzen muss: «Das letzte Wort hat aber immer der Tower.»

Der besondere Reiz an seiner Arbeit? «Kein Tag ist wie der andere», sagt Büsser. Sich ständig ändernde Wetter- und Windsituationen, besondere Vorfälle im Flugverkehr oder die Einführung neuer Technologien liessen jedenfalls nie Monotonie aufkommen.

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«Der Flughafen Zürich ist der komplexeste in Europa», führt Büsser aus. Wegen der sich kreuzenden Pisten sind besondere Betriebskonzepte vorgeschrieben, die sich je nach Wetterlage ändern können. Darauf müssen Lotsen schnell reagieren.

Hohe Anforderungen, entsprechender Lohn

Kein Wunder, kann man sich nur bis zum 28. Lebensjahr zum Fluglotsen ausbilden lassen. Aus kognitiven Gründen werden Ältere nicht mehr angenommen.

Das hat laut Büsser mit den Anforderungen zu tun. Zwei Stunden verbringt der Flugverkehrsleiter am Funk, dann gibt es mindestens 20 Minuten Pause. Pro Woche werden 35 Stunden gearbeitet, die Pensionierung erfolgt ab 2024 schrittweise mit 60 Jahren (bisher 56 Jahre).

Diese Arbeitsbedingungen reflektieren das hohe Verantwortungsbewusstsein der Fluglotsen. Fehler bedeuten Gefahr für Leib und Leben. «Das hat man natürlich im Hinterkopf, aber wir sind hier alle sehr verantwortungsbewusste Personen», sagt Büsser.

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Sein Jahreslohn liegt im sechsstelligen Bereich. Mehr will Büsser dazu nicht sagen – der kürzlich im Schweizer Fernsehen genannte Durchschnittslohn von 190'000 Franken sei aber nicht zutreffend und zu hoch.

Es gibt viel zu tun

Für den Sommer erwartet Büsser viel Flugverkehr. Schon im vergangenen Jahr erreichte die Anzahl kontrollierter Flüge teilweise 95 Prozent des Niveaus von 2019, vor der Pandemie. 2023 dürfte die Arbeitsbelastung wieder auf demselben Niveau wie vor der Pandemie liegen.

Für die hohen Frequenzen im Sommer wurde laut Büsser der Dienstplan angepasst. Pro Tag gibt es im Tower 14 verschiedene Schichten, ebenso wie am Standort Dübendorf, wo die An-, Ab- und Überflüge koordiniert werden. Der Tower ist trotz Nachtflugverbot in Zürich 24 Stunden lang besetzt: «Wir müssen für medizinische oder technische Notfälle im Nachtflugverkehr am europäischen Himmel gewappnet sein.»

Er hat sich an die Schichten und das permanente Multitasking längst gewöhnt. Kann es sein, dass aber genau diese erforderliche Flexibilität dafür sorgt, dass trotz der guten Arbeitsbedingungen ein Mangel an Fluglotsen herrscht? «Unser Job ist einfach zu wenig bekannt», glaubt Büsser. Wer sich für Aviatik interessiert, wünschen oft einen Job als Piloten. Das habe ihn jedoch nicht gereizt.

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Dann erteilt er einem Fahrzeug der Flughafen-Feuerwehr die Erlaubnis, eine Piste zu kreuzen. Gleichzeitig startet auf Piste 16 ein Airbus A380 von Emirates. Für den Zuschauer ist das ein Spektakel, für Büsser Routine.

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