Einkaufstourismus in der Krise
Deutsche Händler trauern den Schweizern nach

20 bis 30 Prozent weniger Schweizerinnen und Schweizer als vor Corona shoppen derzeit ennet der Grenze. Dem deutschen Handel entgehen so Millionen von Euro. Das Gewerbe rätselt, warum die Schweizer ausbleiben.
Publiziert: 05.07.2022 um 17:21 Uhr
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Schlangen vor dem Lidl in Konstanz bilden sich derzeit keine mehr.

Eigentlich müssten Schweizerinnen und Schweizer derzeit in Massen nach Deutschland fahren, um sich den Kofferraum mit günstigen Lebensmitteln zu füllen. Erst recht, seit der Euro praktisch gleich viel wert ist wie ein Franken. Doch die Schweizer bleiben aus. Das bereitet den deutschen Händlern im grenznahen Raum Kopfschmerzen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 fahren 20 bis 30 Prozent weniger Einkaufstouristen über die Grenze. Die fehlen dem deutschen Gewerbe. «Im Moment gelingt es nicht, zur Vor-Corona-Lage aufzuschliessen», sagt Claudius Marx, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee dem «Südkurier».

30 Prozent weniger Schweizer Kunden

Das geht ins Geld. Vor Corona kauften Schweizer jährlich für 2,5 Milliarden Euro im Grossraum Konstanz ein. Fehlen davon 20 bis 30 Prozent, dann reisst das ein zünftiges Loch in die Kassen der Gewerbler ennet der Grenze.

Aus Sicht der Deutschen ist der Rückgang der Shopping-Schweizer dramatisch. Das zeigt auch die Zahl der Ausfuhrscheine, mit denen man am Zoll die Mehrwertsteuer zurückbekommt. 2019 wurden noch 15,6 Millionen Scheine abgestempelt. 2021 waren es noch 4,7 Millionen. Allerdings gilt seit 2020 eine Grenze von 50 Euro. Ein Indiz auf ausbleibende Schweizer sind die Zahlen dennoch.

Höhere Teuerung als Ursache?

Doch was sind die Gründe? «Die Vorzeichen wären optimal, dass die Schweizer wiederkommen», glaubt Claudius Marx. Noch immer haben Schweizerinnen und Schweizer eine deutlich höhere Kaufkraft als unsere nördlichen Nachbarn. Zudem könnte man den Shopping-Trip damit verbinden, das Auto vollzutanken. In Deutschland sind Benzin und Diesel günstiger als in der Schweiz.

Der Verdacht der Experten? Die Schweizer bleiben aus, weil die Preise – etwa für Lebensmittel – in Deutschland seit Monaten deutlich stärker ansteigen als in der Schweiz. Während der Corona-Krise hätten sich zudem viele Kunden daran gewöhnt, im Internet einzukaufen, statt einen ganzen Tag in einem Shopping-Center zu verbringen. (pbe)

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