Das Problem kennen viele Schweizer Landwirte: Liefern sie ihre Produkte an Detailhändler, verdienen sie sehr wenig. Verkaufen sie im eigenen Hofladen, sind die Mengen zu klein, umso grösser ist der administrative Aufwand. In der Pandemie verschärfte sich die Lage noch, denn die alternativen Vermarktungsarten wie Märkte und Gastronomie fielen grösstenteils weg.
Aus dieser Not heraus entstand das neue Konzept von Gebana. Der Schweizer Fair-Trade-Händler verkaufte im ersten Lockdown unter dem Titel «Bauern suchen Kunden» über 1000 Laib Käse, rund 11 000 Tomatensetzlinge und weitere Ware, welche die Landwirte nicht los wurden.
Kunden können schweizweit beliefert werden
Aus dieser Krisen-Aktion baute Gebana einen neuen Geschäftszweig auf. «Schweizweit ab Hof» verkauft Produkte von Schweizer Bauern im Gebana-Onlineshop.
Zum Beispiel diejenigen des Biohofs Fluofeld in Oberarth SZ. Die Besitzer Anita (41) und Michael Reichmuth (40) liefern seit rund einem Jahr ihr Biogemüse an Gebana. So erreichen sie Kunden in der ganzen Schweiz und können in kurzer Zeit grosse Mengen ihrer Produkte absetzen. Sie bekommen rund 70 Prozent des Verkaufspreises und müssen sich nicht um Kundenfeedback und Reklamationen kümmern.
Konsument muss flexibel sein
Gebana gibt es schon seit 1998. Bisher beschränkte sich das Angebot aber auf Lebensmittel aus dem Ausland, etwa Mangos aus Burkina Faso oder Avocados aus Peru. Nun kommen Schweizer Produkte hinzu. Die Idee: Saisonal und in grossen Mengen verkaufen, was sich positiv auf die Ökobilanz auswirkt.
Das verlangt von den Konsumenten eine gewisse Flexibilität. Sie bestellen zum Beispiel 20 Kilogramm Schweizer Kartoffeln im Voraus, und diese werden geliefert, sobald die Knollen geerntet sind.
Die grossen Mengen muss man allenfalls unter mehreren Haushalten aufteilen. Wann die Lieferung genau ankommt, weiss man erst kurzfristig.
Heutiges System sei nicht naturgerecht
Immer mehr Menschen schätzen diesen näheren Bezug zur Natur und den Produzenten, sagt Philippe Schenkel (47), Marketingleiter bei Gebana: «Das heutige System der dauernden Verfügbarkeit aller Produkte ist nicht naturgerecht und führt zu hohem Foodwaste. Gebana will die Regeln des Lebensmittelhandels verändern, doch das geht nur, wenn auch die Konsumentinnen mitziehen.»