CEO mit Tellerwäscherkarriere
Chimpy wächst auf 40'000 Verkaufsstellen – nur in Italien harzt es

Chimpy versorgt monatlich tausende Geräte mit Notstrom, auch über die Schweizer Grenzen hinaus. Doch nicht überall wird gleich gerne gemietet.
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Kein Akku, kein Problem: Chimpy sieht sich selbst als «Convenience»-Produkt, bequem und sofort verfügbar.
Foto: Keystone

Darum gehts

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Olivia Ruffiner
Bilanz

Klein, grün und an jedem Kiosk zu haben: die Lithium-Ionen-Batterien von Chimpy – auch Powerbanks genannt. Das tragbare Ladegerät sorgt dafür, dass der Alltagselektronik nicht der «Pfuus» ausgeht. Eine Chimpy-Powerbank hat 5000 Milliamperestunden (mAh), was ausreicht, um ein Smartphone einmal vollzuladen.

Das Geschäft ist simpel: Wer einen leeren Akku hat, «mietet» sich einen vollen für 20 Franken. Der Betrag setzt sich aus 15 Franken Depot und 5 Franken Mietkosten zusammen. Seit 2024 gibt es ein neues Modell der Powerbank, das eineinhalbmal schneller lädt.

Artikel aus der «Handelszeitung»

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Derzeit testet Chimpy in einer Verkaufsstelle in Zürich noch ein weiteres, neues Modell. Dieses ist grösser als die aktuelle Version und hat nochmals einen Drittel mehr Leistung. Dieses Modell dürfte dann sowohl in Verkaufsstellen im Retail als auch an den Automaten erhältlich sein.

Helvetia mietet!

Die Schweiz ist eine Mietnation. Laut dem Bundesamt für Statistik leben in der Schweiz 2,4 Millionen Haushalte zur Miete. Das entspricht rund 61 Prozent aller Haushalte – eine der höchsten Mietquoten weltweit.

Die Wohneigentumsquote liegt mit 36 Prozent weit unter dem europäischen Schnitt. In Italien etwa beträgt sie rund 75 Prozent. Schlägt sich der Mietmuffel dort auch im Powerbank-Verleih nieder? Das könnte zutreffen: «Wir haben das Italien-Geschäft per Ende letztes Jahr geschlossen», sagt Chimpy-CEO Edwin Winkler.

In Wien, Hamburg und Berlin läuft es aber mit dem «Akku to go». Chimpy verfügt in Europa über 4000 Verkaufsstellen, weitere sind in Planung. Monatlich vermieten sie durchschnittlich rund 100'000 Powerbanks.

«Unser Geschäft ist stark davon abhängig, wie viel die Menschen unterwegs sind», sagt Mirko Hoffmann, Co-Gründer von Chimpy. So wandern im Sommer mehr Chimpys über die Kiosktheken als im Winter.

Auch in den Badis und an Festivals gibt es unterschiedliche Nutzungsmuster: Besucherinnen und Besucher von Rap- und Hip-Hop-Festivals wie den Open Airs Frauenfeld und St. Gallen mieten mehr Powerbanks als jene des Rockfestivals Greenfield.

Das grüne Äffchen zieht um

Chimpy startete im Jahr 2013 unter dem Namen Batte.re als Zweimannbetrieb in einer Zweizimmerwohnung in Zürich-Tiefenbrunnen. Den grossen Wachstumsschub brachte ab 2015 die Partnerschaft mit Valora, welche die Powerbanks in die K-Kiosk-, Avec- und Press-&-Books-Filialen brachte.

Edwin Winkler fing als Praktikant bei Chimpy an, heute ist er CEO.
Foto: PD/Chimpy

Nach dem pandemiebedingten Einbruch 2020 zog das Geschäft wieder an. Die Zahl der gemieteten Akkus und der Umsatz legen weiterhin zu, und dies trotz harzigem Umfeld im Retailhandel. «Es geht uns aber gut bis sehr gut», sagt CEO Edwin Winkler gegenüber der Handelszeitung.

Heute beschäftigt das Unternehmen rund fünfzig Angestellte, Tendenz steigend. Das braucht Platz: Im Sommer 2026 zügelt Chimpy sein Hauptquartier mitsamt Produktion nach Zürich-Altstetten ins Gewerbehaus Mach im Kochareal.

Vom Praktikanten zum CEO

Seit 2022 leitet Edwin Winkler als CEO das operative Geschäft von Chimpy. Winkler hat eine regelrechte Tellerwäscherkarriere hingelegt: 2014 hatte er bei Chimpy als Praktikant begonnen und sich durch verschiedene Positionen im Unternehmen hochgearbeitet.

Zuletzt war er als Chief Operating Officer in der Geschäftsleitung tätig gewesen, bevor er den CEO-Posten von Mitgründer Andreas Brändle übernahm. Brändle hatte das Amt zehn Jahre lang inne und ist seither Verwaltungsratspräsident des Powerbank-Verleihs.

Jede fünfte Powerbank wird nicht zurückgebracht

Die Rückgabequote liegt laut Chimpy-CEO Edwin Winkler bei rund 80 Prozent. Das volle Depot von 15 Franken gibt es zurück, wenn die Kundinnen und Kunden die Stromdose innerhalb der ersten Woche zurückbringen. Pro weitere Woche werden 2 Franken abgezogen. Wer die Powerbank binnen eines Jahres zurückbringt, bekommt noch 3 Franken. Die nicht retournierten Akkus dürften privat weiter genutzt werden, einige schlummern in Schubladen.

Andere Nutzer wiederum versuchen, die Mietakkus zu verkaufen; auf der Plattform Ricardo etwa werden sie ab 8 Franken angeboten. Winkler findet das nicht problematisch: «Wir möchten, dass jede Powerbank so oft wie möglich genutzt wird, daher ist das in unserem Sinne von Kreislaufwirtschaft.» Oder anders ausgedrückt: Chimpy ärgert sich nicht grün, wenn die Akkus verschwinden, denn das Ergebnis der Firma bleibt schwarz.

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