Auslaufmodell Warenhaus
Aufstieg und Fall der Schweizer Konsumtempel

2024 ist Jelmoli Geschichte – das Flaggschiff der Schweizer Warenhäuser. Im 20. Jahrhundert erlebten grosse Kaufhäuser ihre Hochphase. Mittlerweile müssen immer mehr aufgeben. Blick hat die Übersicht.
Publiziert: 06.02.2023 um 19:17 Uhr
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Der Jelmoli an der Bahnhofstrasse in Zürich ist 2024 Geschichte.
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Patrik BergerReporter Wirtschaft

Es war ein Coup der Extraklasse! Am 22. August 1896 eröffnete der damals 20-jährige Julius Brann in Zürich das erste Warenhaus der Schweiz. Und traf damit den Zeitgeist. 1897 folgte bereits eine Niederlassung in Basel. 1899 eine weitere in St. Gallen. Brann legte damit den Grundstein für die Warenhauskette Manor. Die Kundinnen und Kunden waren fasziniert vom neuen Konzept.

Verschiedenste Waren unter einem Dach und das erst noch zu fixen Preisen, das gab es bisher noch nie. In ganzseitigen Zeitungsinseraten bot Brann seine Waren feil. Stoffe, Kleider, Teppiche sowie «Nippes- und Präsentartikel». Oder Küchenutensilien, Korsette und «echte Japan- und Chinawaren». Kurz: Luxus im Überfluss! Und erst noch mitten in der Stadt.

«Frauen verführen»

Dem Kleingewerbe passte das gar nicht. Denn Brann blieb nicht lange der Einzige. Weitere, vor allem jüdische Kaufleute folgten seinem Beispiel. Die Einwanderer revolutionierten die Schweizer Konsumwelt. Und waren happiger Kritik ausgesetzt. Sie würden «Frauen verführen» und das «heimische Gewerbe zerstören».

Dem Erfolg der Warenhäuser tat dies keinen Abbruch. Mitte der 30er-Jahre hatte Brann 2200 Angestellte. Die Gebäude wurden immer grösser, zu veritablen Prachtbauten. Mehr und mehr stand das Einkaufserlebnis im Zentrum, was dem eingesessenen Gewerbe gar nicht passte. Rechtsbürgerliche Kreise machten Druck auf die Politik. 1933 kam es zum Höhepunkt des Konflikts: Ein dringlicher Bundesbeschluss verbot die Eröffnung und Vergrösserung von Warenhäusern.

Oscar Weber und Vilan

Ohne Erfolg. Ein Warenhaus nach dem anderen wurde erstellt. Etwa Jelmoli, ebenfalls ein Pionier. Gegründet vom italienischen Modeverkäufer Giovanni Pietro Guglielmoli. Weil sein Name für Schweizer Zungen kaum auszusprechen war, nannte er sich Johann Peter Jelmoli. Auch er setzte auf fixe Preise. Feilschen gabs bei ihm nicht. Dafür lieferte er seine Waren direkt zu seinen Kunden. Der Versandhandel war erfunden. Mit einem Katalog, dick wie ein Telefonbuch.

1954 eröffnete Jelmoli in Zürich-Oerlikon das erste Warenhaus. 50 weitere Filialen folgten. Zuletzt waren es nur noch das Warenhaus an der Bahnhofstrasse in Zürich und zwei Läden am Flughafen Kloten. Ende 2024 sind auch diese Filialen Geschichte.

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Auch der ABM (Au Bon Marché) wurde von Globus übernommen und ist längst Geschichte. Wie die EPA – eine Abkürzung für Einheitspreis AG. Nur Loeb hält sich erfolgreich in Bern.

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