40 Bewohner verlieren ihr Zuhause
Traditionsreiches Altersheim an der Goldküste schliesst

Nach 80 Jahren geht es für immer zu, das Altersheim Abendruh in Uetikon am See ZH. 50 Angestellte verlieren ihren Job. Grund dafür sind der Fachkräftemangel. Und Gebäude, die nicht mehr dem heutigen Standard entsprechen. Der Heimleiter ist verzweifelt.
Publiziert: 15.06.2024 um 18:04 Uhr
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Das Altersheim Abendruh in Uetikon am See schliesst für immer.
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Patrik BergerReporter Wirtschaft

Im Altersheim Abendruh in Uetikon am See ZH gehen Ende Oktober die Lichter aus. Für immer. Nach über 80 Jahren schliesst die Institution, wie die «Zürichsee-Zeitung» berichtet. «Es ist ein einschneidender und schmerzhafter Entscheid, der viele Menschen betrifft», sagt Heimleiter Martin Meier. Er führt das kleine, private Familienunternehmen in dritter Generation.

Die Folgen der Schliessung an der noblen Zürcher Goldküste sind hart. 50 Angestellte verlieren ihren Job. 40 Bewohnerinnen und Bewohner müssen sich kurzfristig ein neues Zuhause suchen. Das bedeutet Stress für sie. Und auch für ihre Angehörigen. «Es ist eine sehr traurige Sache», gibt Meier denn auch offen zu.

«Junge wollen lieber auf einer modernen Station arbeiten»

Doch was sind die Gründe für die überraschende Schliessung? Das Gebäude ist über 70 Jahre alt. Und entspricht deshalb nicht mehr dem heutigen Standard. Die Zimmer sind klein. Und die Wege für die Pflegenden lang und verwinkelt. Einen Neubau würde man heute ganz anders konzipieren. Das sieht auch Meier. «Junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen lieber auf einer modernen Station arbeiten als in unserem Betrieb», sagt er zur «Zürichsee-Zeitung». «Trotz Sanierungen entspricht das Heim einfach nicht mehr den Anforderungen an einen modernen Pflegebetrieb.»

Es werde immer schwieriger, geeignetes, gut ausgebildetes Personal zu finden. Zudem hätten mehrere Angestellte in Schlüsselpositionen gekündigt. Um nicht noch mehr Angestellte zu verlieren, die derzeit im Altersheim arbeiten, hat er die Schliessung möglichst lange geheim gehalten. «Hätten wir die Schliessung zu früh angekündigt, wären die Mitarbeitenden schneller gegangen als die Bewohnenden. Das hätte uns vor grosse Probleme gestellt», gesteht er.

Was passiert mit den Gebäuden?

Zudem ist die Konkurrenz gross. In der Umgebung besteht laut Meier ein Überangebot an Pflegeplätzen. Die vergangenen Jahre seien auch für ihn persönlich hart gewesen. «Nach fast 25 Jahren im Betrieb bin ich an meiner persönlichen Belastungsgrenze angelangt», sagt er.

Nun gehe es aber nicht um ihn, sondern darum, dass alle Bewohnerinnen und Bewohner eine gute Anschlusslösung finden. Was mit der Liegenschaft an bester Lage passiert, die Meiers Eltern gehört, ist noch nicht klar.

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