31'000 Franken geschenkt
Bob Finance zeigt Herz und erlässt Süchtigem alle Schulden

Jahrelang kämpfte eine Mutter gegen die Kredite an ihren kranken Sohn. Jetzt überrascht die Firma mit einer grossen Geste.
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Ein junger Mann erhält mehrfach Kredite, obwohl er diese nicht zurückzahlen kann.
Foto: imago/photothek

Darum gehts

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Thomas Angeli
Beobachter

Martin Hunkeler hat Geldprobleme, immer wieder und meist grosse. Er konsumiert Drogen, und seine beruflichen Engagements sind oft von kurzer Dauer. So gelangt Hunkeler, der eigentlich anders heisst, 2022 zum ersten Mal an die Bob Finance AG – und erhält innert weniger Tage einen Privatkredit von 10’000 Franken.

Weil er die Raten nicht begleichen kann, zahlt seine Mutter ein Jahr darauf den Kredit samt Zinsen zurück.

Artikel aus dem «Beobachter»

Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.

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Im April 2024 ist Hunkeler erneut knapp bei Kasse. Diesmal lehnt Bob Finance einen Kredit ab, doch über eine Vermittlungsfirma gelangt er an weitere 10’000 Franken, diesmal bei Credit Now. Der Kreditvertrag liegt dem Beobachter vor. Hunkeler befindet sich zu diesem Zeitpunkt an einem neuen Arbeitsplatz in der Probezeit.

Schon das sei problematisch, finden die Autorinnen und Autoren des «Handbuchs KKG», einem Leitfaden aus der Perspektive der Schuldenberatung: Es sei ein «schwerwiegender Mangel», wenn einem Konsumenten in einer solchen beruflichen Situation ein Kredit gewährt werde: «Es droht eine Überschuldung.» Tatsächlich verliert Hunkeler seine Stelle schon kurz nachdem er den Kredit erhalten hat.

Juristisch ist nichts auszusetzen

April 2025: Martin Hunkeler hat wieder einen neuen Job und abermals Geldprobleme. Doch Bob Finance spricht weitere 5000 Franken und übernimmt gleichzeitig den Kredit, den Credit Now ihm gewährt hat.

Juristisch ist an den Darlehen nichts auszusetzen. Die Bob Finance AG fordert von Hunkeler jeweils die notwendigen Unterlagen ein und prüft seine Kreditfähigkeit. Das Resultat ist stets dasselbe: Weil er immer nur dann Kredite beantragt, wenn er gerade eine Stelle hat, kann sich Hunkeler rein rechnerisch die Kreditschulden leisten, die sich nach und nach auftürmen.

Bei Hunkelers Mutter Erika läuten jedoch nach dem dritten Kredit die Alarmglocken. Ihr Sohn ist zu diesem Zeitpunkt wegen seiner Sucht bereits in Therapie und die Zinsen für die beiden Kredite bezahlt er nur unregelmässig.

Warnung der Mutter bleibt ohne Konsequenzen

Mit dem Einverständnis ihres Sohnes schreibt sie einen eingeschriebenen Brief an Bob Finance. Darin macht sie auf dessen Suchtproblem und die finanziellen Schwierigkeiten aufmerksam.

Als Antwort erhält sie von Bob Finance Unterlagen über die Kreditfähigkeit ihres Sohnes. Auch diese zeigen: Rein rechtlich ist alles in Ordnung, auf dem Papier ist Martin Hunkeler kreditwürdig.

Dabei bleibt Bob Finance auch, als er im Oktober 2025 nach einem weiteren Darlehen fragt. Er hat wieder eine Stelle (die er kurz darauf wieder verlieren wird), er erhält erneut 10’000 Franken – und seine Schulden beim Kreditinstitut wachsen weiter: Rund 14’000 Franken kosten ihn die abgelösten Kredite, mit knapp 7000 Franken schlagen die Zinskosten zu Buche.

Total schuldet Hunkeler der Bob Finance AG nun über 31’000 Franken. Erika Hunkeler versteht die Welt nicht mehr: «Wie kann es sein, dass mein Sohn immer wieder Kredite erhält, obschon die Bob Finance AG weiss, dass er drogensüchtig ist?», fragt sie.

Vorsichtsmassnahmen «nicht final durchgesetzt»

Bob Finance antwortet auf Anfrage des Beobachters: Die Kreditvergabe sei «ordnungsgemäss durchgeführt» worden, aber man anerkenne eine «moralische Verantwortung»: «Nach der Intervention der Mutter des Kunden wurde deshalb der interne Prozess in Gang gesetzt, den Kunden im Rahmen unserer freiwilligen Vorsichtsmassnahmen zu sperren.»

Dieser Schritt sei jedoch «nicht final durchgesetzt» worden: «Wir bedauern das.»

Nach der Intervention des Beobachters lässt sich Bob Finance dieses Bedauern etwas kosten: Ein Mitglied der Geschäftsleitung ruft bei Erika Hunkeler an und überrascht sie mit der Ankündigung, dass die Firma ihrem Sohn die gesamten Schulden von 31’000 Franken erlässt.

Erika Hunkeler ist überglücklich: «Nach der ganzen Vorgeschichte hätte ich nicht im Traum damit gerechnet.»

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