Emotionaler Abschied von Kestenholz (†50) in Spiez
«Er wird zur Natur zurückkehren»

Er hat seine Träume nicht nur geträumt, er hat sie gelebt. Am Sonntag nahmen Angehörige und Freunde in Spiez BE Abschied von Snowboard-Pionier Ueli Kestenholz.
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In Spiez nehmen Angehörige und Freunde Abschied von einem Freigeist: Ueli Kestenholz.
Foto: Benjamin Gwerder

Darum gehts

  • Snowboard-Pionier Ueli Kestenholz starb am 11. Januar in einer Lawine
  • Rund 100 Menschen gedachten ihm in Spiez BE mit bewegenden Worten
  • Seine Urne wird privat in der Natur beigesetzt
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Benjamin GwerderRedaktor Sport

«Es Träumli!» Es waren offenbar die letzten Worte, die Ueli Kestenholz (†50) am 11. Januar am Hockuchritz im Lötschental aussprach, bevor ihn eine Lawine aus dem Leben riss. Diese Worte wählte auch der freie Redner Pascal Hiltbrand als Einstieg für eine Abschiedsfeier, die so war wie Ueli selbst: authentisch, voller Energie und eng mit der Natur verbunden.

Vor der Kirche der reformierten Kirchengemeinde Spiez, wo Eiger-Nordwand und der verschneite Niesen zu bestaunen sind, stehen schon eine Stunde vor Beginn der Abdankungsfeier rund 100 Menschen. Von Schnee, Bergen, Snowboarden und Skifahren ist bei den Teilnehmenden der Trauerfeier die Rede.

Vor Ort sind alles Gleichgesinnte wie Kestenholz. Menschen, die dieselbe Leidenschaft für das Abenteuer, den Schnee und die Berge teilen. Werte, die der Snowboard-Pionier wie kaum ein anderer verkörperte.

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Bretter prägten sein Leben

Weil die Kirche gefüllt ist, wird die Feier auch im nahe gelegenen Lötschbergsaal übertragen. Überall präsent: die Bretter, die für Ueli die Welt bedeuteten. Sportgeräte, die nicht nur ihn prägten, sondern auch er sie.

Vor dem Altar lehnen Skate- und Snowboard. Im Saal steht zudem ein Surfbrett mit der Aufschrift «Ride in Peace», auf dem Freunde und Angehörige Botschaften hinterlassen können. «Fly high» und «Wir vermissen dich» ist dort in bunten Farben zu lesen.

Bewegende Worte eines «Bruders»

Besonders emotional wird es, als Lorenz Roten ans Mikrofon tritt. Seine Verbindung zu Kestenholz ist von tragischer Tiefe: Sein Bruder Mathias Roten, ebenfalls ein enger Freund von Kestenholz, verunglückte vor 18 Jahren nur 300 Meter von der Stelle entfernt, an der nun am 11. Januar auch der zweifache Vater aus Thun sein Leben liess.

«Ueli war fast wie ein Bruder für mich», sagte Roten mit brüchiger Stimme. «Er war sanft, loyal und eine unglaubliche Energiequelle. Er hat einen nie im Stich gelassen.»

Roten war es auch, der im Spital in Sitten Abschied nahm, nachdem Ueli geborgen worden war. Die tiefe Verbundenheit zu seinem Freund war in jedem Wort spürbar.

Zurück zur Natur

Musikalisch begleitet von Geige und Klavier, wird deutlich, dass hier ein Freigeist geht. Es wird kein klassisches Grab geben. «Ueli wird einfach zurück zur Natur kehren», erklärt Redner Hiltbrand. Die Urne wird im engsten Familienkreis beigesetzt – dort, wo Kestenholz sich am wohlsten fühlte: draussen. «Ueli, möge dein Leben Spuren hinterlassen in unseren», sagt der Redner zum Abschluss an den Verstorbenen.

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