«Hauptsache, die Goldmedaille kommt in die Schweiz»
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Aerials-Doppelsieg an Olympia?«Hauptsache, die Goldmedaille kommt in die Schweiz»

Olympia-Gold im Blick
Die Schweizer Aerials-Asse Roth und Werner möchten ein Jahr nach den WM-Erfolgen wieder abliefern

Mit WM-Gold und -Bronze von 2025 im Gepäck starten Noé Roth und Pirmin Werner an den Olympischen Spielen. Wenn es in Livigno ernst gilt, zählt die Freundschaft nicht mehr. Dann zählt nur noch der Flug in den Sport-Olymp.
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Kurz vor dem Beginn der Olympia-Saison schaute Blick bei Noé Roth (l.) und Pirmin Werner im Training vorbei.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

  • Noé Roth und Pirmin Werner starten an Olympia mit Ambitionen
  • Die Voraussetzungen passen: Roth gewann 2025 WM-Gold, Werner holte Bronze in St. Moritz
  • In der Qualifikation müssen die beiden zu den besten zwölf gehören, sodass sie im Final am Donnerstag starten dürfen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Benjamin GwerderRedaktor Sport

Mettmenstetten ZH. Ein kühler Herbstmorgen kurz nach der Rückkehr vom Aerials-Trainingscamp in Australien. Während andere Athleten noch immer in der Sonne trainieren, geht es für Noé Roth (25) und Pirmin Werner (26) so langsam, aber sicher in den Olympiawinter. Noch ein letztes Mal feilen sie an ihren Sprüngen ins Wasser, bevor der Fokus vollständig auf dieser entscheidenden Saison liegt, in der die beiden Aerials-Asse zu den heissesten Schweizer Olympia-Medaillenhoffnungen zählen.

Der Grund für die hohen Erwartungen liegt ein Jahr zurück: An den Weltmeisterschaften in St. Moritz gewann Roth Gold und Werner Bronze. Seither konkurrieren die Trainingspartner auch bei Grossanlässen um die Podestplätze – ohne dass ihre Freundschaft darunter leidet. «Ich möchte lieber, dass Noé gewinnt als ein anderer Athlet – also zumindest wenn ich nicht gewinne», sagt Werner und lacht.

Dass beide überhaupt in dieser Position sind, hat laut Trainer Michel Roth (gleichzeitig Noés Vater) einen simplen Grund: «Sie sind einfach nochmals besser geworden.» Nachdem Roth das Olympia-Podest in Peking knapp verpasste, wurde vor allem an Details gearbeitet. Es sind nämlich Kleinigkeiten, die in dieser Sportart über Sieg und Niederlage entscheiden.

An die letzte WM in St. Moritz haben die beiden Skiakrobaten gute Erinnerungen.
Foto: keystone-sda.ch

Roth: «Dann können die anderen erwarten, was sie wollen»

Mit dem WM-Erfolg sind auch die Erwartungen gestiegen. An Roth perlen diese allerdings ab wie das Wasser an seinem Neoprenanzug: «Man hört schon, dass gewisse Leute jetzt mehr erwarten. Aber meine eigenen Erwartungen sind sowieso hoch. Wenn ich diese erfülle, dann können die anderen erwarten, was sie wollen.»

Werner nickt, warnt jedoch vor falschen Vorstellungen: «Manchmal denken Leute, es werde jetzt einfacher, weil wir ein so hohes Niveau erreicht haben. Aber ganz so einfach ist es halt schon nicht.»

Denn neben der eigenen Leistung gibt es im Aerials einen weiteren grossen Unsicherheitsfaktor: die Jury. In der Vergangenheit gab diese an Grossanlässen immer wieder zu reden. «Teilweise hatten die Juroren gar keine Ahnung, welche Sprünge du machst», erinnert sich Werner kritisch. «Ein Juror kann deine Karriere so krönen – oder eben nicht.»

Jury-Fehlentscheide sollten weniger werden

Trainer Michel Roth, ein Urgestein in der Szene, hat deshalb zusammen mit anderen Nationen hinter den Kulissen gegen dieses Problem gekämpft. Mit Erfolg: Bei Olympia und WM sollen nun Fachleute sitzen, die den Sport selbst ausgeübt haben oder Trainer sind. «Bisher waren es nämlich oft einfach alte Freestyler, die meinten, sie seien noch gut», so Roth direkt. «Jetzt bin ich zuversichtlich, dass es besser wird.»

Trotzdem bleibt sein Credo pragmatisch. «Schlussendlich muss man einfach so springen, dass es keine Fragen gibt», sagt der 62-Jährige.

Die Voraussetzungen für Olympia-Edelmetall stimmen

Ernst gilt es für die beiden Skiakrobaten in Livigno erstmals in der Finalqualifikation am Dienstag. Nur die besten zwölf erreichen den entscheidenden Durchgang zwei Tage später.

Die Voraussetzungen dafür stimmen sowohl bei Roth als auch bei Werner. Beide standen in dieser Saison schon auf dem Weltcup-Podest und die Wettkampfschanze in Livigno, auf der Roth vor einem Jahr die Hauptprobe gewinnen konnte, liegt nur rund eine Stunde Autofahrt von St. Moritz entfernt – «es ist deshalb fast so etwas wie Heim-Olympia für uns. Ich denke, es wird sehr ähnlich wie bei der WM im letzten Jahr», sagt Roth. Sollte das so sein, «dann wird es sicher mega cool!»

Sind bereit: Pirmin Werner und Noé Roth (r.).
Foto: Sven Thomann

Neben dem Einzelwettkampf treten Roth und Werner am letzten Olympia-Tag auch im Team mit Lina Kozomara an. «Das ist dann der Bonus», sagt Roth. Trainer Michel Roth sieht die Ausgangslage realistisch: «Wir haben dort eher eine Spielverderberrolle. Aber an solchen Wettkämpfen kann immer viel passieren.»

Ganz ohne freundschaftliche Sticheleien geht das Training im «Jumpin», der Aerials-Trainingsanlage in Mettmenstetten ZH, dennoch nicht zu Ende. «Manchmal ist es nicht einfach, mit dem Weltmeister zu trainieren. Man wird immer mit ihm verglichen», meint Werner. Roth kontert trocken: «Du musst dich ja nicht mit mir vergleichen.» Nur wenig später diskutieren beide bereits, wo sie am Abend gemeinsam essen gehen.

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