Eiskunstlauf-Legende Biellmann: Mit 13 dachte sie noch, rauchen sei cool(02:03)

Eiskunstlauf-Legende Denise Biellmann
«Manche Verehrer mussten von der Polizei abgeholt werden»

Wir sind Helden! Eiskunstläuferin Denise Biellmann über falsche Vorwürfe und Freunde, einen Flirt mit Udo Jürgens und den tragischen Tod ihrer Schwester.
Publiziert: 02.02.2021 um 17:45 Uhr
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Aktualisiert: 10.02.2021 um 15:32 Uhr
  • So war mein Flirt mit Udo Jürgens
  • «Dank BLICK bin ich wieder mit meinem Ex-Mann zusammen»
  • «Homöopathische Tropfen haben mich möglicherweise Gold gekostet»
  • Wie sehr sie der Tod ihrer Schwester traf
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Ein Leben im Schnelldurchlauf. Denise Biellmann kommt 1962 in Zürich zur Welt.
Daniel Leu (Interview) und Benjamin Soland (Fotos)

Frau Biellmann, wie viele Heiratsanträge haben Sie in Ihrem Leben schon erhalten?
Denise Biellmann:
Sehr viele. Als ich 1981 Welt- und Europameisterin wurde, brach der Wahnsinn aus. Ich bekam Tag für Tag rund 200 Fan-Briefe, darunter etliche Heiratsanträge.

Wie gingen Sie damit um?
Das war nicht einfach, da ich ja noch eine Teenagerin war. Oft standen die Burschen vor dem Haus und warteten sehnsüchtig auf mich. Einer brach mal aus einem Heim aus und stand im Pyjama vor meiner Tür. Manche mussten gar von der Polizei abgeholt werden.

Hatten Sie manchmal auch Angst?
Ja, als ich 1981 in Amerika Weltmeisterin wurde, setzte sich am nächsten Morgen ein Fremder im Hotel an meinen Frühstückstisch, gestand mir seine Liebe und sagte: «Ich weiss, du liebst mich auch. Du willst es doch auch.» Danach schickte er mir täglich 20 Express-Briefe und in einem Hotel wollte er mir gar mal einen Verlobungsring überreichen.

Wann hörte das auf?
Das hat bis heute nicht aufgehört. Er schreibt mir noch immer, will mich noch immer heiraten, sagt, wen er alles an die Hochzeit einladen will, wo er mich heiraten wird und welche Küchengeräte er mir kaufen wird.

Macht Ihnen das noch Angst?
Da dieser Mann in Amerika lebt, habe ich keine Angst mehr von ihm. Früher war das anders. Klar überlegte man sich: Was passiert, wenn er beleidigt ist, weil ich seine Liebe nicht erwidere? Dreht er dann durch und läuft Amok?

Denise Biellmann (58) persönlich

Die Zürcherin gehört zu den grössten Sportstars, die die Schweiz je hatte. 1979 und 1981 wurde sie zur Sportlerin des ­Jahres gewählt, 1995 gar zur Sportlerin des Jahrhunderts.

1981 wurde sie in Hartford (USA) Eiskunstlauf-Weltmeisterin. ­Danach wechselte sie zu den ­Profis, wo sie elfmal den WM-Titel gewinnen konnte. 2014 wurde sie in die «World Figure Skating Hall of Fame» aufgenommen. Ein Ritterschlag!

Bekannt wurde sie auch durch ihre ­unzähligen Auftritte in Shows wie «Art on Ice». 1981 spielte sie neben Thomas Gottschalk und Mike Krüger in der Filmkomödie «Piratensender Powerplay» mit. Zuletzt trat sie bei der TV-Show «The Masked Singer» auf.

Biellmann steht noch heute fast täglich auf dem Eis und trainiert Nachwuchs- und Eliteläuferinnen.

Die Zürcherin gehört zu den grössten Sportstars, die die Schweiz je hatte. 1979 und 1981 wurde sie zur Sportlerin des ­Jahres gewählt, 1995 gar zur Sportlerin des Jahrhunderts.

1981 wurde sie in Hartford (USA) Eiskunstlauf-Weltmeisterin. ­Danach wechselte sie zu den ­Profis, wo sie elfmal den WM-Titel gewinnen konnte. 2014 wurde sie in die «World Figure Skating Hall of Fame» aufgenommen. Ein Ritterschlag!

Bekannt wurde sie auch durch ihre ­unzähligen Auftritte in Shows wie «Art on Ice». 1981 spielte sie neben Thomas Gottschalk und Mike Krüger in der Filmkomödie «Piratensender Powerplay» mit. Zuletzt trat sie bei der TV-Show «The Masked Singer» auf.

Biellmann steht noch heute fast täglich auf dem Eis und trainiert Nachwuchs- und Eliteläuferinnen.

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Einer Ihrer Verehrer soll auch der legendäre Entertainer Udo Jürgens gewesen sein. Stimmt das?
Ja, nach Olympia 1980 erhielt ich von ihm einen handgeschriebenen Brief. Er schrieb, dass er mich bewundere und mich gerne mal einladen würde. Da hatte ich mich natürlich schon geschmeichelt gefühlt. Ich dachte: wow, der grosse Udo Jürgens. Zumal meine Mutter ein grosser Fan von ihm war.

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Wie ging es weiter?
Er lud mich dann tatsächlich zur Premiere vom Circus Knie ein. An besagtem Abend fuhr er mit Chauffeur und einer Limousine vor meinem Elternhaus vor und rief mich mit einem Handy direkt aus dem Auto an. Ein Natel war damals eine echte Seltenheit. Nach der Vorstellung gingen wir in die Kronenhalle in Zürich essen, zusammen mit Pepe Lienhard und dessen Freundin. Da merkte ich irgendwann, dass das alles eine Nummer zu gross für mich ist. Ich bat ihn deshalb, mich nach Hause zu bringen, was er auch tat.

Wie haben Sie sich verabschiedet?
Er brachte mich stilvoll zur Tür und gab mir ein Küsschen. Er hat mich später dann noch ein paarmal angerufen und mich auf seine Yacht eingeladen, doch für mich war es gut so.

Wenn wir schon bei der Liebe und den Männern sind. Ist es wahr, dass Sie nur dank BLICK wieder mit Ihrem Ex-Mann Colin zusammen sind?
Das stimmt. Als wir uns scheiden liessen, dauerte es etwa ein halbes Jahr, bis Ihr das rausgefunden habt. Ein BLICK-Journalist rief mich damals an und fragte, ob das stimme. Ich bestätigte das. Er sagte daraufhin, dass er auch noch meinen Ex-Mann Colin anrufen werde. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bestimmt ein Jahr nie mehr mit ihm geredet. Ich wollte Colin dann eigentlich nur mitteilen, dass der BLICK von unserer Scheidung erfahren hat und ihn ein Journalist deshalb anrufen werde. So kamen wir wieder ins Gespräch, gestanden einander, wie sehr wir uns gegenseitig vermisst hätten. Dieses Telefonat hat uns wieder zusammengebracht. Bis heute!

Lassen Sie uns noch weiter zurückgehen, in Ihre Kindheit. Wer an eine typische Eiskunstläuferin denkt, der denkt an eine harte Jugend. Bei Ihnen soll es anders gewesen sein, Sie sollen sogar geraucht haben...
(Lacht) Mit 13 habe ich mit einer älteren Freundin angefangen, heimlich zu rauchen. Ich brauchte das irgendwie, ein Ventil, etwas Rebellisches. Als Gegenpunkt zum harten Training.

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Sie starteten bereits als 13-Jährige an einer WM. Hatten Sie nie Probleme damit, so früh unter Leistungsdruck zu stehen?
Ich habe mir damals diese Gedanken gar nicht gemacht. Ich habe mich immer mega auf die Wettkämpfe gefreut, weil ich dann zeigen konnte, was ich kann. Ich war eigentlich eine scheue Person, doch auf dem Eis war ich eine andere Persönlichkeit, eine extrovertierte.

Sie waren die erste Frau, die schon mit 13 Jahren alle fünf verschiedenen Dreifachsprünge drauf hatte. Mit 8 gewannen Sie bereits Ihren ersten internationalen Titel. Bis Sie aber Weltmeisterin wurden, dauerte es noch eine Weile. Warum?
Damals gab es neben der Kür und dem Kurzprogramm auch noch die Pflicht. Dort musste man unter Ausschluss der Öffentlichkeit unter anderem bestimmte Bögen fahren, millimetergenau. Das war so langweilig, und dort zählte ich halt nicht zu den Besten. Ohne diese doofe Pflicht, welche 1990 abgeschafft wurde, hätte ich ab 14 Jahren jede WM und EM gewonnen.

Der Legende nach holten Sie 1979 an der EM in Zagreb «nur» Bronze, weil Sie zu viele homöopathische Tropfen zu sich genommen hatten.
(Überlegt lange und lacht) Stimmt, da war doch was. Soweit ich mich erinnern kann, nahm ich vor der Pflicht homöopathische Tropfen ein und war danach ziemlich müde und unkonzentriert. Das hat mich möglicherweise Gold gekostet.

Ein Jahr später folgte der Tiefpunkt: die EM in Göteborg.
Es war der erste Wettkampf, an den mich meine Mutter nicht begleitete. Mein Kurzprogramm war wirklich schlecht. Ich trat deshalb frustriert erst gar nicht mehr zur Kür an und wollte auch auf Olympia einen Monat später verzichten.

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Warum?
Ich hatte zum ersten Mal versagt und wollte deshalb nie mehr einen Wettkampf bestreiten. Mein Vater redete dann lange mit mir. Ich sagte mir dann: Okay, ich mache weiter, will aber einen neuen Look. Die Babyspeck-Kilos mussten runter, und meine braunen Haare wurden blond gefärbt. Dieser äusserliche Wandel, dieser neue Look half mir.

Eine Olympia-Medaille verpassten Sie in Lake Placid dann trotzdem.
Es lag einmal mehr an der Pflicht. Ich wurde immerhin Kür-Olympiasiegerin, insgesamt aber nur Vierte.

Ein Jahr später war es endlich so weit: Sie wurden Welt- und Europameisterin.
Vor der Saison sagte ich mir: Ich will jeden Wettkampf, an dem ich teilnehme, gewinnen und dafür ordne ich auch alles unter. Mein Leben bestand nur noch aus trainieren, essen, schlafen. Mein Plan ging auf, ich gewann alle Wettkämpfe. Später erhielt ich sogar den goldenen Bravo-Otto. Eine Auszeichnung, die mir sehr viel bedeutete.

Warum?
Weil ich von Gleichaltrigen gewählt wurde. Ich war plötzlich ein Teenie-Star und kam in den Heftlis vor, die ich selber las. Da war ich mega stolz drauf.

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Wie gross war der Rummel nach dem WM-Titel?
Sehr gross. Ich bekam Werbeverträge aus der ganzen Welt, war in allen grossen TV-Shows, war Star-Gast bei «Holiday on Ice» und bekam eine Gastrolle in einem Spielfilm mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger. Es war wirklich eine verrückte Zeit. Es kam mir vor wie in einem Film oder in einem Märchen.

Wer Ihren Namen hört, der denkt als erstes an die Biellmann-Pirouette. Stört es Sie, darauf reduziert zu werden?
Manchmal ja, mein Können war viel breiter, vor allem meine Sprünge waren aussergewöhnlich. Ich war zu der Zeit den Konkurrentinnen weit voraus mit all den Dreifachsprüngen. Mit meinen Leistungen von damals könnte ich noch heute an der WM oder EM vorne mitlaufen. Und noch etwas darf man nicht vergessen.

Was?
Ich bin immer eigene, neue Wege gegangen. An den Olympischen Spielen 1980 lief ich zum Beispiel als Erste zu moderner Musik, obwohl mich die Trainer davor gewarnt hatten. Oder später lief ich zu Techno und mit bauchfreiem Kleid. Ich wollte mich immer auch künstlerisch verwirklichen und habe nie nur das gemacht, was die älteren Preisrichter erwarteten. Das brauchte Mut und war meiner rebellischen Ader geschuldet.

Noch einmal zurück zur Biellmann-Pirouette. Die ehemalige und mittlerweile leider verstorbene Eiskunstläuferin Karin Iten sagte 2005: «Das ist meine Pirouette.»
Es ist alles sauber dokumentiert. Anfang der 60er-Jahre zeigte eine Russin erstmals eine Vorform der Pirouette, die dann Iten lediglich übernahm. Die Biellmann-Pirouette ist die vollendete Form, ein Spagat im Stehen und wurde von der Fachwelt als Biellmann-Pirouette bezeichnet, da nie zuvor eine andere Läuferin diese Pirouette so gezeigt hatte. Der Weltverband sah das gleich und nahm dann die Biellmann-Pirouette in ihre Reglemente auf. Seitdem ist sie ein Bestandteil des Wertungssystems des Weltverbands.

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Wie sehr sind Sie stolz darauf?
Die Biellmann-Pirouette kennt man weltweit, von Japan bis in die USA. Nur wer sie beherrscht, hat die Chance in der Pirouette auf die Höchstpunktzahl zu kommen. Daher trainiert jedes Kind überall auf der Welt die Biellmann-Pirouette. Das ist schon sehr schön.

Ohne Ihre Mutter Heidi wäre das wohl alles gar nicht möglich gewesen. Welchen Anteil hat Sie an Ihrem Erfolg?
Einen grossen. Sie ging damals nachts Zeitungen austragen, um meine Karriere finanzieren zu können. Ich bin Ihr unendlich dankbar, dass sie mich so unterstützt hat und neben Otto Hügin meine langjährige Trainerin war. Ohne sie wäre ich nicht Weltmeisterin geworden. Mittlerweile ist sie 89 Jahre alt und wohnt noch immer zuhause.

Wichtig für Sie war auch Ihre ältere Schwester Silvia. Sie erlag 2015 an einem Krebsleiden.
Wir waren sehr eng und hatten uns noch soviel vorgenommen, was wir zusammen unternehmen wollten. Als Kind war sie mein Vorbild, weil sie auch Eiskunstläuferin war. Ihr Tod war die schwierigste Zeit meines Lebens. Jahrelang konnte ich nicht darüber reden, so sehr hat mich ihr Tod bewegt. Mittlerweile geht es.

Konnten Sie Abschied von ihr nehmen?
Sie verbrachte die letzte Zeit zuhause. Wir wollten sie am 24. Dezember besuchen, doch leider starb sie am 23. Wir hatten an jenem Tag noch telefoniert und sie erzählte mir, dass es ihr nicht so gut gehen würde. Sie wusste offenbar, dass sie nicht mehr lange leben würde, wollte uns das aber nicht sagen, um uns nicht zu belasten.

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Seit Ihrem WM-Titel 1981 sind 40 Jahre vergangen. 40 Jahre, in denen Sie 11-mal Profi-Weltmeisterin wurden und in unzähligen Shows wie Art on Ice auftraten. Wollten Sie nie dem Rampenlicht entfliehen?
Nein, ich kenne es ja nicht anders. Mich hat das Rampenlicht nie gestört. Schon als ich mit zehn Jahren den Gold-Test bestand, gab es in den Zeitungen grosse Geschichten über mich. Es gab Phasen, da erschien im BLICK jeden Tag eine Geschichte über mich. Dabei hiess es immer «eusi Denise». Zum Glück hatte ich meine Clique, mit der ich normal abhängen konnte. Ich hatte quasi immer ein Alltagsleben und eines in der Öffentlichkeit. Nur einmal habe ich mich ein bisschen geschämt. Und zwar wegen euch!

Warum?
Ich hatte damals einen neuen Freund und der BLICK wollte uns begleiten, wie wir in die Disco gehen. Am nächsten Tag titelten Ihr gross: «Im Küssen hat sie die Note 6.» Ich war damals in St. Moritz und habe mich so geniert, dass ich im Hallenbad eine Badekappe tief ins Gesicht zog.

Was in der Berichterstattung über Sie in den letzten Jahrzehnten auffällt: Es geht häufig um Ihren Körper. Mal um Ihre Tattoos, mal um freizügige Fotos. Bekamen Sie eigentlich mal ein Angebot vom Playboy
Das ist jetzt echt witzig, ich habe per Zufall vor wenigen Tagen kurz daran gedacht. Ich habe während meines ganzen Lebens nie ein Angebot erhalten. Soll ich das jetzt persönlich nehmen? Ich hätte doch eigentlich die Figur dazu (lacht).

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