Gejammert wird immer und überall. Über das Wetter, über Donald Trump, über den Stau, über die eigenen körperlichen Wehwehchen, über den Bundesrat, über den Nachbarn, über die Preise im Restaurant. Jammern ist ein Volkssport.
Gejammert wird auch gerne am Arbeitsplatz. Der Chef ist ein Trottel. Und sein Stellvertreter ein Depp. Die Bezahlung ist lausig. Es ist zu heiss oder zu kalt im Büro. Es wird getratscht, geschimpft und gelästert.
Über denjenigen, der schon wieder eine Rauchpause macht. Oder über den anderen, der transpiriert und eine unangenehme Duftwolke hinter sich herzieht.
Die Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen kann man sich nicht aussuchen. Der Arbeitsplatz ist so etwas wie eine Zwangsehe. Die Kollegen werden einem zugeteilt. Mit denen verbringt man dann mehr Zeit als mit dem Ehepartner.
Darum heisst eine Binsenwahrheit: Es ist nicht wichtig, wo du arbeitest, sondern mit wem du arbeitest.
Es gibt einen, den ich nie jammern gehört habe. Der Mann heisst Erich Morger und arbeitet seit 14’153 Tagen für den Blick und vor allem für den SonntagsBlick. Viele Jahre war der einstige junge Skireporter sogenannter Blattmacher des Sportteils im SonntagsBlick. Heute hat Erich Morger nach vier Jahrzehnten offiziell seinen letzten Arbeitstag.
Gäbe es einen Workshop, bei dem man sich den perfekten Arbeitskollegen basteln könnte, dann wäre Erich Morger, den alle nur «Mörgi» rufen, die Masterarbeit. Pflichtbewusst, besonnen, ausgeglichen, freundlich, hilfsbereit. Und das in einem Umfeld, in dem es allerhand krude Figuren und jede Art von Temperamenten gibt. Journalisten können divenhaft und exzentrisch sein.
Die personifizierte Beständigkeit im «Irrenhaus»
Formel-1-Fachmann Roger Benoit, die Reporterlegende von Blick, hat die Sportredaktion im Scherz einmal als «Irrenhaus» bezeichnet.
Mörgi war das Gegenstück dazu. Mit ihm verliert die Sportredaktion die personifizierte Beständigkeit. Einen tollen Arbeitskollegen mit Fachkompetenz. Derweil er Hunderte von Mitarbeitern kommen und gehen gesehen hat, ist seine Loyalität zum Arbeitgeber so gross wie seine Loyalität zu seiner Frisur. Er hat sich auch im fortgeschrittenen Alter nur in Millimeteretappen von seinem legendären Pagenschnitt verabschiedet.
Ich will jetzt nicht darüber jammern, dass er eine grosse Lücke hinterlässt. Sondern mich freuen und mich dafür bedanken, welch tollen Kumpel ich als Reporter früher an der Seite hatte. Und welch verlässlichen und pflegeleichten Mitarbeiter ich als sein Vorgesetzter über zehn Jahre im Team haben durfte.
Wir werden nicht nur die legendären Duelle am Töggelikasten vermissen. Sondern einfach unseren «Mörgi».
Alles Gute und danke für alles, Erich. Diesem Dank schliesst sich garantiert jeder im Pressehaus an der Dufourstrasse in Zürich an.
Wenn sich ein Arbeitskollege verabschiedet, dann heisst es meist: Wir bleiben in Kontakt. Das gelingt nicht vielen.
Ich hoffe, uns gelingt das.