«Zwischen Enttäuschung und Stolz»
Stan Wawrinka hadert nach Wahnsinnsmatch

Was für ein Abgang! Stan Wawrinka scheitert in der 2. Runde der French Open mit wehenden Fahnen. Der Schweizer unterliegt dem Australier Thanasis Kokkinakis nach grossem Kampf in fünf Sätzen.
Publiziert: 31.05.2023 um 18:17 Uhr
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Aktualisiert: 01.06.2023 um 09:58 Uhr
Bei Duell gegen Kokkinakis: Wawrinka mit einem Wunder-Punkt in Paris(00:31)

Wer so viele Breakchancen – es sind elf an der Zahl – liegen lässt, der muss sich nicht wundern, wenn sich das am Schluss rächt. Die French Open sind für Stan Wawrinka (38, ATP 89) in der 2. Runde zu Ende. Er unterliegt dem Australier Thanasis Kokkinakis (27, ATP 108) nach grossem Kampf 6:3, 5:7, 3:6, 7:6 (7:4), 3:6.

Der Romand war der letzte verbliebene Schweizer Trumpf im Männer-Tableau. Am Ende ist der zweite Fünfsätzer innert 48 Stunden wohl etwas zu viel für den 38-jährigen, ältesten Spieler im Tableau. Eineinhalb Sätze lang ist Wawrinka auf Kurs zu einem einfacheren Sieg, er führt 6:3, 4:2 und muss bis dahin keinen Breakball abwehren.

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Stan Wawrinka ist an den French Open in der zweiten Runde ausgeschieden.

Der elf Jahre jüngere Kokkinakis, der in seiner Karriere immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde, bleibt aber ruhig und kämpft sich nach und nach in die Partie. «Ich habe dieses Jahr gegen Andy Murray schon einen 2:0-Satzrückstand aufholen müssen und verloren, das wollte ich gegen eine weitere Legende verhindern», sagt der Australier im Interview auf dem Platz. Sein Freund Nick Kyrgios meldete sich derweil erneut zu Wort. Während des Spiels tweetete er: «Ich gehe ins Bett. Ich will nicht aufwachen und ‹Kokkis› einen weiteren Thriller verlieren sehen.» Darauf angesprochen, meinte Kokkinakis nach seinem Sieg: «Ich hoffe, er ist beim Aufwachen happy. Ich bin es auf jeden Fall.»

Wunderpunkt wird nicht belohnt

Wawrinka schwächelt zeitweise mit dem Aufschlag, während Kokkinakis sich steigern kann. Vom Publikum auf dem drittgrössten Platz frenetisch getragen, lässt sich der French-Open-Sieger von 2015 und Finalist von 2017 jedoch nie unterkriegen. Nach dem Verlust der Sätze zwei und drei profitiert er im Tiebreak des vierten Durchgangs auch von Fehlern des Australiers, der erst seine siebte Partie an den French Open überhaupt bestreitet. Doch wieder einmal sorgt Wawrinka mit seinem Mega-Comeback für Staunen.

Nachdem er bereits in der 1. Runde am Montag mehr als viereinhalb Stunden gegen Albert Ramos-Viñolas geackert hatte, scheint Wawrinka im fünften Satz dann doch die Müdigkeit zu spüren. Gleich mit zwei Breaks gerät er 0:4 in Rückstand. Eines holt er sich nochmal zurück, danach holt er mit einem Wunderpunkt (im Video) beinahe noch ein Break, doch am Ende fehlt die Energie. Erneut 4:38 Stunden nach vier abgewehrten Matchbällen sind dann selbst für einen Marathon-Mann, der sein 18. French Open bestritt, zu viel.

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Wawrinka bewegt sich nach dem Spiel irgendwo «zwischen Enttäuschung und Stolz», wieder eine tolle Show geboten zu haben. Immer wieder interagiert er mit den Fans im Stadion, lässt sich feiern, geniesst es sichtlich. In seiner Box sitzt auch Freundin Sarah Hannoun, die ihn anfeuert. Kehrt er 2024 nach Paris zurück? Neben den French Open stehen dann in Roland Garros auch noch die Olympischen Spiele an. Er sagt: «In einem Jahr kann viel passieren. Aber wenn alles gut läuft und ich mich kompetitiv fühle, dann ja.» Wawrinka hat weiterhin grosse Lust auf Tennis. Und die Fans danken es ihm.

Die letzte Schweizer Vertreterin am zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres ist damit Simona Waltert (WTA 128). Die Qualifikantin aus Chur trifft am Donnerstag gegen 12.30 Uhr auf die Italienerin Elisabetta Cocciaretto (WTA 44). (SDA/nsa)

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