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Weltmeister kämpfte sich zurück
In Adelboden könnte Luca Aerni alle überraschen

Wer vor dem Riesenslalom in Adelboden auf einen Podetplatz von Luca Aerni setzt, bekommt bei diversen Wettanbietern eine Elfer-Quote. Aerni ist tatsächlich ein sehr heisser Aussenseiter.
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2017 wurde Luca Aerni bei der WM in St. Moritz GR Weltmeister in der Kombination.
Foto: Sven Thomann|Blicksport

Darum gehts

  • Luca Aerni holte sensationell Platz zwei im Riesenslalom vom 13. Dezember
  • Trotz Rückenproblemen und Materialpech kämpfte sich der 32-Jährige zurück
  • 2022 in Adelboden fuhr er mit Nummer 26 auf Rang sieben
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marcel W. PerrenSki-Reporter

Es ist die grösste Überraschung der laufenden Riesenslalom-Saison! Gemeint ist der zweite Rang, den Luca Aerni am 13. Dezember in Val-d’Isère mit der Startnummer 22 herausgefahren hat. «Das war für mich noch emotionaler als der Gewinn von Kombi-Gold bei der Heim-WM 2017 in St. Moritz», sagt Aerni. Die Erklärung dafür ist simpel. Bei seiner Gold-Fahrt vor bald neun Jahren im Engadin war der in Grosshöchstetten BE aufgewachsene Aerni, ein knapp 24-jähriger, unbeschwerter und kerngesunder Rennfahrer. Doch den Podestplatz auf der selektiven Face de Bellevarde musste sich der YB-Fan brutal hart erarbeiten.

Nach seinem Weltmeistertitel wurde Luca durch Materialprobleme und gravierende Rückenbeschwerden zurückgeworfen. Es hat einige Experten gegeben, die ihn bereits abgeschrieben hatten. Die Wende zum Guten wurde bereits im Jahr zuvor in Val-d’Isère eingeleitet, als er mit der 62 auf den vierten Platz fuhr. Damals meldeten aber noch ein paar Miesmacher den Vorbehalt an, dass Aerni von einer deutlich besseren Piste profitiert habe, weil er nach dem 30. Platz im ersten Lauf, den finalen Durchgang eröffnen durfte.

Aerni widerspricht vielen Kollegen

Doch zwölf Monate später hat der bald 33-Jährige den Beweis erbracht, dass er auch ohne Pistenvorteil mit den besten mithalten kann. «Ich habe während der Siegerehrung an die Zeiten gedacht, in denen es mir überhaupt nicht gelaufen ist. Und ich habe mich an die Tage erinnert, wo ich null Bock aufs Kondi-Training hatte und letztendlich doch durchgebissen habe, weil ich darauf gehofft habe, dass sich das eines Tages bezahlt macht.»

Es hat in den letzten Wochen zahlreiche Athleten gegeben, die sich über den neuen FIS-Trend, die Pisten mit weniger Wasser zu präparieren beschwert haben. Aerni gehört nicht dazu: «Ich fühle mich sehr wohl auf aggressivem Schnee, mein Fischer-Ski funktioniert bei diesen Bedingungen besonders gut.» Dennoch hat Aerni nichts dagegen, dass die Piste in Adelboden wesentlich mehr gewässert wurde als die in Val-d’Isère. «Ich plädiere dafür, dass wir im Weltcup mit unterschiedlichen Bedingungen zurechtkommen müssen. Am Ende des Winters soll der kompletteste Rennfahrer die Kristallkugel gewinnen.»

Immer mehr Romand als Berner

Aerni freut sich riesig auf das Heimspiel im Berner Oberland, obwohl er nicht mehr als richtiger Berner durchgeht. Er lebt seit ein paar Jahren mit seiner Freundin im Unterwallis. «Die französische Sprache ist mir mittlerweile ein bisschen näher als Deutsch», sagt Aerni, der aufgrund von seinem aus der Romandie stammenden Vater und der Deutschweizer Mutter zweisprachig aufgewachsen ist. «Mit meiner in der Romandie aufgewachsenen Freundin rede ich ausschliesslich Französisch, mit meinen Teamkollegen und den Trainern in der Slalom-Mannschaft auch.»

Die Deutschweizer-Skifans werden Aerni deshalb in Adelboden nicht weniger unterstützen. Und dass er sich unser «Mr. Bilingue» auch am Chuenisbärgli wohlfühlt, hat er im letzten Jahr bewiesen, als er mit der Nummer 26 auf den siebten Rang fuhr. Weil Aerni diesmal mit einer früheren Nummer starten wird, ist er ein heisser Aussenseiter-Tipp aufs Podium.

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