1. Paco Rassat (Fr) 1:51,22
2. Atle Lie McGrath (No) +0,18
3. Henrik Kristoffersen (No) +0,20
Im sechsten Slalom der Saison gibt es erstmals keinen neuen Sieger. Gab es in den zuvor fünf absolvierten Rennen fünf verschiedene Sieger, sichert sich Paco Rassat beim Hundertstel-Krimi in Adelboden seinen zweiten Saisonsieg. Nach dem Triumph in Gurgl fährt der Franzose am Chuenisbärgli zum Sieg. Dank einer Top-Fahrt am Morgen lauert der Franzose als Viertplatzierter zur Halbzeit auf das Podest. Und bringt auch seinen zweiten Lauf mit 36 Hundertstel Vorsprung sauber ins Ziel. Reicht das aber für das Podest?
Am Ende beissen sich die drei oben stehenden Fahrer an seiner Zeit die Zähne aus. Eduard Hallberg kann seine tollen Ergebnisse mit einem dritten Platz in Levi und einem zweiten Platz in Madonna am vergangenen Mittwoch nicht wiederholen. Zu viele Fehler hat der Finne in seinem zweiten Durchgang und fällt dadurch zurück. Rassat kann also nun defintiv über einen Platz auf dem Treppchen jubeln.
Zwei Norweger führten zur Halbzeit und stehen danach noch am Start. Als erstes startet Atle Lie McGrath in die Entscheidung. Der Sieger von Alta Badia behält oben die Überhand, kommt unten aber immer wieder mal von der idealen Linie weg. Am Ende wird er Zweiter. Henrik Kristoffersen hat anschliessend Mühe bei der Einfahrt zum Steilhang und klassiert sich am Schluss sogar noch hinter seinem norwegischen Kollegen. Und der zweite Weltcupsieg von Rassat ist damit Tatsache.
8. Tanguy Nef +0,70
15. Ramon Zenhäusern +1,82
24. Marc Rochat +2,83
26. Daniel Yule +3,09
Den 2. Lauf verpassen: 36. Sandro Simonet +2,47, 47. Luca Aerni +2,93, 50. Matthias Iten +3,72
DNF2: Loïc Meillard
Tanguy Nef kommt bei seiner Fahrt zwischendurch kurz ins Rutschen aber gut durch. Am Ende büsst er im ersten Lauf als Neunter 61 Hundertstel auf die Spitze ein. Auch am Nachmittag gelingt Nef eine tolle Fahrt. Sein Vorsprung ist zwar schnell weg, der Genfer bleibt jedoch dran und verliert am Ende nur eine einzige Hundertstel auf den bis anhin führenden Steven Amiez.
Ramon Zenhäusern zeigt am Morgen einen soliden Lauf, kann seinen Rückstand in Grenzen halten und ist als 26. noch in der Entscheidung dabei. In dieser geht er voll auf Angriff und meistert sowohl das Flachstück als auch den Steilhang mit Bravour. Dank seiner entfesselten Fahrt übernimmt er die Bestzeit und macht anschliessend einige Plätze gut, weil sich seine Konkurrenten an dieser lange die Zähne ausbeissen. Am Ende resultiert nach zwei Ausfällen, zwei verpassten Entscheidungen und einem 25. Rang in Val d'Isère mit Platz 15 sein Saison-Bestresultat.
Ein kleiner Befreiungsschlag gelingt auch Marc Rochat. Der 33-Jährige hatte in den bisherigen fünf Slaloms zwei Ausfälle zu beklagen und verpasste dreimal den zweiten Lauf. Nun qualifiziert sich Rochat dank einer starken Fahrt als 17. zum zweiten Mal in diesem Winter nach Madonna di Campiglio für den zweiten Durchgang und ist sichtlich erleichtert, dass es heute auf seiner «Lieblingspiste» klappt: «Endlich ein Lauf, der an meine Erwartungen herankommt. Ich habe mich leicht gefühlt am Start. Und diese Leichtigkeit ist der Schlüssel für das gute Zwischenresultat. Am Chuenisbärgli ist der Schnee immer fast perfekt – sehr hart, wobei ich meine Energie und Stärke gut ausspielen kann und nicht immer auf die Seite springe wie ein Schneehase», so Rochat gegenüber SRF. In der Entscheidung scheint Rochat diese Leichtigkeit zu fehlen. Er fährt etwas mit angezogener Handbremse und verliert dadurch an Plätzen. Dennoch kann sich der Slalom-Spezialist über seine ersten Punkte in diesem Winter freuen.
Der Adelboden-Sieger von 2020, Daniel Yule, kann im ersten Lauf zu wenig Tempo aufbauen und verliert konstant an Rückstand. Gegenüber SRF sagt Yule zur Halbzeit: «Es war mindestens kein Schritt nach hinten. Ich habe mich nicht ganz so gut auf den Ski gefühlt, mein Tempo war ziemlich tief und ich hatte Mühe, den Ski laufen zu lassen. Ich muss mich im zweiten Lauf steigern.» Am Nachmittag will dies Yule aber nicht so richtig gelingen. Wieder kommt er nicht richtig in den Lauf, verliert konstant an Zeit und wird dadurch zurückgeschoben.
Loïc Meillard kommt am Morgen gut in den Lauf und fährt flüssig. Lange liegt er vorne, im unteren Teil verliert er etwas Zeit und kommt am Ende nicht an die zwischenzeitliche Bestzeit von Atle Lie McGrath heran. Am Nachmittag leuchtet seine Zeit grün auf, Meillard fädelt jedoch bei einer Tor-Kombination ein und scheidet aus. Bitter für Meillard!
Die Schweizer schaffen es allesamt ins Ziel, mit Sandro Simonet, Luca Aerni und Matthias Iten verpassen drei von acht jedoch die Entscheidung am Nachmittag.
Loïc Meillard nach dem 2. Lauf: «Am Ende geht es um Millimeter, da muss man voll attackieren. Wenn es nicht klappt, klappt es nicht. Ich wollte eben alles geben und attackieren. Mit dem Fehler war es dann vorbei. Das tut jetzt natürlich weh. Momentan bin ich einfach frustriert. Ich brauche noch ein paar Stunden, um das zu verarbeiten.»
Tanguy Nef (8.) nach dem 2. Lauf: «Es waren einige gute Sachen dabei. Mit dem oberen Teil habe ich in Adelboden immer Mühe. Vielleicht muss ich hier mehr trainieren. Es ist eigentlich ein einfacher Start, aber ich habe oben immer weniger Tempo als alle anderen. Das macht viel aus in so einem engen Rennen. Es fehlt mir noch etwas das Glück. Aber meine Konstanz ist trotzdem sehr positiv. Ich muss die kleinen Fehler noch verbessern und weiter arbeiten. Es läuft noch nicht alles perfekt, so wie bei Paco Rassat. Ich habe Angst, wenn ich ihm zuschaue. Er fährt so stabil und schnell. Er ist der einzige, der mir Angst macht, weil er momentan so gut fährt.»
Daniel Yule nach dem 2. Lauf: «Es lief überhaupt nicht besser im zweiten Lauf. Ich fühlte mich von Anfang an nicht gut und hatte Schwierigkeiten, auf den Ski zu stehen und anzugreifen. Wenn jemand eine gute Erklärung für heute hat, nehme ich diese gerne. Es ist Weltcup, wo es um jede Hundertstel geht. Bei mir geht es momentan in die falsche Richtung. Die Saison lief bisher okay, aber heute ist es frustrierend.»
Ramon Zenhäusern während des 2. Laufs: «Es ist ein Déjà-vu, als ich vor etwa zehn Jahren hier mein erstes Top-Ten-Resultat einfuhr. Es kam alles wieder hoch von damals. Ich bin sprachlos. Es ist einfach eine verflixte Sportart. Es ist schwierig, die Leistung jeweils auf den Punkt zu bringen. Ich habe mich im zweiten Lauf nicht am Limit gefühlt. Es ist einfacher, nicht zu taktisch zu fahren. Ich geniesse den Moment hier und hoffe auf einen Platz unter den ersten 15.»
Timon Haugan ging mit drei Punkten Vorsprung auf Clement Noël knapp als Disziplinenführender in den Slalom von Adelboden. Der Norweger startet zunächst gut und liegt deutlich in Führung. Kurz vor dem Ziel fädelt Haugan aber ein und ist raus. Es ist der erste Ausfall für den 29-Jährigen in dieser Saison im Slalom. Bei den ersten fünf Rennen platzierte er sich jeweils in den Top Sechs, Mitte Dezember fuhr er in Val d'Isère (Fr) 28 Hundertstel vor Loïc Meillard zum Sieg. Aufgrund des Ausfalls am Sonntag muss Haugan die Führung in der Disziplinenwertung abgeben.
Wie am Vortag beim Riesenslalom präsentiert sich die Piste in Adelboden auch am Sonntag in einem Top-Zustand. Das zeigt auch ein Blick auf die Resultate des ersten Durchgangs. Denn Fahrer mit hoher Startnummer qualifizieren sich noch für den zweiten Lauf. Shiro Aihara (24) fährt mit Nummer 60 auf den 29. Rang und der Japaner freut sich im Ziel ausgelassen darüber, dass er sich zum ersten Mal in seiner Karriere für die Entscheidung qualifiziert. Aihara fällt wenig später auf den 30. Platz zurück, als sich mit Corrado Barbera (23, It) die Startnummer 66 auf dem 28. Rang platziert. Der Japaner Aihara darf sich am Ende auch über seine ersten Weltcuppunkte freuen.
Der Halbzeit-Führende Henrik Kristoffersen muss sich in Adelboden am Ende wie bereits im Dezember in Val d’Isère «nur» mit dem dritten Rang zufriedengeben. Das sorgt beim Norweger offenbar für grossen Frust. Als SRF-Moderator Paddy Kälin Kristoffersen nach dem Rennen während der Schlussdiskussion für ein Interview sucht, sagt ein norwegischer Vertreter aus dem Hintergrund: «He’s breaking his poles». «Ah, er zerbricht gerade die Stöcke», übersetzt Kälin die Aussage für den Sender. «Dann ist er vielleicht nicht in der Lage, mit uns zu reden», fügt er an.
Die Bedingungen in Adelboden präsentieren sich besser als noch beim Riesenslalom einen Tag zuvor. Waren die Technik-Spezialisten am Samstag noch bei Schneefall gestartet, werden sie heute von der Sonne begrüsst, die zwischendurch durch die Wolkendecke scheint. Die Piste ist trotz etwas Schneefall während der Nacht und am Morgen vor dem Rennen kompakt, aber nicht mehr so eisig wie am Vortag. Am Nachmittag haben sich die Wolken anschliessend fast komplett verzogen. Die Piste hält aber dem stetigen Sonnenschein am Chuenisbärgli gut stand.
Der Ski-Weltcup bleibt in der Schweiz. In Wengen stehen für die Ski-Cracks nächstes Wochenende ein Super-G (Freitag ab 12.30 Uhr), eine Abfahrt (Samstag ab 12.30 Uhr) und ein Slalom (1. Lauf ab 10 Uhr) an.


