Wer im Duden das Wort «Experte» nachschlägt, der bekommt folgende Definition geliefert: «Sachverständiger, Fachmann, Kenner». Das Schweizer Fernsehen hat für seine Sportübertragungen viele solcher Experten auf der Gehaltsliste. Doch sind das wirklich alles auch Sachverständige, Fachmänner, Kenner?
Leider nein, wie die letzten Wochen auf SRF bewiesen haben.
Die ehemalige liechtensteinische Skirennfahrerin hat während ihrer Karriere viel erreicht. Deshalb scheint sie auf den ersten Blick die ideale SRF-Expertin zu sein. War sie auch, doch in letzter Zeit leidet sie mit allen – ich wiederhole, mit allen – Fahrerinnen mit. Ui, nei, so schön. Weirather ist mittlerweile meist mehr Fan als Fachfrau. Als Mitte Dezember beim Super-G in St. Moritz die Bernerin Joana Hählen das Rennen eröffnet, ist Weirather mal wieder voll des Lobes ob deren Fahrt. Am Ende wird Hählen 22., mit 1,69 Sekunden Rückstand …
Der zweifache Telemark-WM-Medaillengewinner ist bei SRF seit Jahren Langlaufexperte. Doch bei den Rennen ist auch er wie Weirather oft mehr Fan als Fachmann. Während der Tour de Ski träumt er bei den zehn Kilometern der Frauen nach zwei Dritteln von einem Podestplatz für Nadine Fähndrich. Im Ziel wird Fähndrich 17., mit 1,04 Minuten Rückstand …
Der ehemalige Skispringer (Bestresultat im Weltcup: Rang 15) kommt zum Auftakt der Vierschanzentournee nur im Vorspann zum Einsatz. Dort darf er während exakt 24 Sekunden die Schanze von Oberstdorf vorstellen. Ein paar banale Sätze, mehr nicht. Für einen Experten ziemlich dünn.
Sind Weirather, Iseppi und Grigoli deshalb schlecht? Nein, ich finde alle drei sehr sympathisch und authentisch und höre zweien von ihnen sogar gerne zu, doch wo Experte draufsteht, sollte auch Experte drin sein. Sonst ist es eine Mogelpackung. Und zu diesem Begriff steht im Duden: «Eine Verpackung, die mehr Inhalt vortäuscht, als darin enthalten ist.»