Eigentlich hat Lars Kristoffersen davon geträumt, dass sein Sohn eines Tages Fussballprofi wird. Henrik war drei Tage auf der Welt, als er von seinem Papa bei Manchester United angemeldet wurde. Lars hat aber schnell gemerkt, dass sein Junior auf den Ski mehr Talent hat als am Ball. 25 Weltcupsiege hat der mittlerweile 31-Jährige in den vergangenen zwölf Jahren eingefahren. In diesem Winter steht der Wikinger zwar noch ohne Sieg da, aber bei den Riesenslaloms in Copper Mountain (Zweiter) und Beaver Creek (Dritter) hat er den Sprung aufs Podest geschafft. Und in Adelboden muss man Kristoffersen sowieso immer auf der Rechnung haben, schliesslich hat er sich beim Chuenisbärgli-Riesen bereits fünfmal in den Top drei klassiert.
Sein von der US-amerikanischen Ostküste stammender Vater Felix hat in seiner Weltcupkarriere bisher einen Podestplatz erkämpft (Zweiter beim Slalom in Are 1987), seine norwegische Mutter Selma war eine ambitionierte Langläuferin. «Und weil Atle in seiner Kindheit ebenfalls oft auf den schmalen Langlauflatten unterwegs war, legt er heute eine derart geniale Körperbeherrschung an den Tag», glaubt der ehemalige Weltklassetechniker Rainer Salzgeber (58, Silber beim WM-Riesen 1993), welcher als Head-Rennchef McGrath in sein Team geholt hat. Beim letzten Riesenslalom in Alta Badia (It) hat der Slalomvizeweltmeister das Podest nur knapp verpasst.
Seit der Slalomkugelgewinner von 2023 im Frühling 24 seinen Verbandswechsel von Norwegen zu Brasilien bekannt gegeben hat, wird er von Marcel Hirschers langjährigem Erfolgstrainer Mike Pircher gecoacht. Und der macht deutlich, dass Pinheiros lockeres Sonnyboy-Image nicht der Realität entspricht: «In Wahrheit besitzt Lucas genau wie Hirscher einen eisernen Siegeswillen. Deshalb fordert er auch von mir extrem viel. Und ich habe mittlerweile auch gelernt, dass ich ihm unmittelbar nach einem schlechten Lauf nicht zu nahekommen sollte – Lucas ist dann hochexplosiv!» In Alta Badia hat der 25-Jährige als Zweiter den ersten Riesenslalomsieg für Brasilien nur um 18 Hundertstel verpasst.
Im Juniorenalter hatte das Allround-Talent aus Österreich Übergewicht. «Ich habe zwar immer gern trainiert, aber eben noch lieber gegessen. Ganz besonders Süssspeisen.» ÖSV-Cheftrainer Marko Pfeifer hat gegenüber «Blacky» deshalb ein striktes Dessertverbot ausgesprochen. Nach seinem im Dezember 2023 bei der Abfahrt in Bormio erlittenen Kreuzbandriss ist der siebenfache WM-Medaillengewinner in diesem Winter wieder richtig dick im Weltcupgeschäft: Beim Riesen in Alta Badia und beim Super-G in Livigno (It) hat der 30-Jährige in eindrücklicher Manier triumphiert.
Es hat Zeiten gegeben, in denen der Riesenslalomspezialist aus dem Salzburgerland wegen seiner Technik belächelt wurde. Doch spätestens seit diesem Winter lacht kein Mensch mehr über den heroischen Kämpfer, der vier Kreuzbandrisse erlitten hat. Im Alter von 34 Jahren hat der Sohn des Bürgermeisters von Niedernsill (Ö) in Copper Mountain nun seinen ersten Weltcupsieg realisiert. Weil er in der laufenden Saison nie schlechter als Fünfter war, liegt Brennsteiner in der Riesenslalomgesamtwertung derzeit fünf Punkte vor Superstar Odermatt.
Im Vorjahr haben dem Walliser als Zweiter hinter Odermatt nur zwei Zehntel zu seinem ersten Chuenisbärgli-Sieg gefehlt. In dieser Woche ist der Slalomweltmeister mit noch mehr Selbstvertrauen nach Adelboden gereist, schliesslich hat der 29-Jährige vor vier Wochen den Riesenslalom auf der extrem steilen Face de Bellevarde in Val d’Isère (Fr) gewonnen.