Tod des Vaters, harte Trainer und finanziellen Engpässe
Die bewegende Lebensgeschichte von Gold-Held von Allmen

Die Biografie von Franjo von Allmen beinhaltet neben seinen glorreichen Siegen auch zahlreiche böse Abflüge, ein tödlicher Verlust und finanzielle Sorgen.
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Marcel W. PerrenSki-Reporter

Die Wiege von unserem Abfahrts-Held steht in Boltigen im oberen Simmental. In seinem Geburtsort lebt von Allmen unweit vom Jaunpass zusammen mit seinem älteren Bruder Kilian in einer WG. «Obwohl es Menschen gibt, die behaupten, dass es ein Loch sei, hänge ich ziemlich fest an diesem Dorf. Boltigen ist in Wahrheit wunderschön und ist ja auch nicht so ab vom Schuss, wie einige Glauben.»

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In Boltigen dreht sich alles um Franjo von Allmen.
Foto: Sven Thomann

Eine Autofahrt von Boltigen nach Bern dauert knapp fünfzig Minuten, bis Thun benötigt vom Allmen 35 Minuten. In Boltigen wird Franjo von vielen Einheimischen nicht mit seinem Vornamen angesprochen. Freunde nennen ihn «Nöggu». Sein Onkel Emanuel «Mänu» Kammer liefert die Erklärung: «Weil er als kleiner Bub meistens zwei Nuggis im Mund hatte, haben wir Franjo diesen gegeben.»

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Seine frühen Förderer

Kammer betreibt in Boltigen eine Bäckerei, in welcher der «Nöggu-Riegel neben den Boltig-Lebkuchen zum Verkaufsschlager avanciert ist.

Onkel «Mänu» hat «Nöggu» aber auch als Sportler geprägt. Zusammen mit Anton Lötscher hat er die JO Boltigen geleitet. «Wenn wir das Trockentraining absolviert haben, hat Franjo die Turnhalle nie normal betreten, stattdessen hat er die Turnhalle immer mit ein paar Überschlägen betreten.» Lötscher legt nach: «Ich habe Franjo zu JO-Zeiten immer mit einem Gummiball verglichen. Sein enormes Bewegungstalent war schnell erkennbar, auf der Skipiste hatte er schon früh ein richtig schnelles Schwüngli.»

Seine halsbrecherische Aktion mit dem besten Kumpel

Besonders viel Zeit hat der heutige Speed-Gigant in seiner Kindheit mit Kevin Wälti verbracht. «Wir gingen gemeinsam zur Schule, haben zusammen bei EDO Simme Fussball gespielt und sind miteinander in der JO Ski gefahren. Später war ich dann auch Franjos Oberstift in der Zimmermann-Lehre», erläutert Wälti, der derzeit die Ausbildung zum Bauleiter absolviert.

Sein Papa Martin ist ein Skitag mit den beiden Buben an der Lenk in besonderer Erinnerung geblieben: «Ich habe von der Gondel aus Spuren in einem besonders steilen Tiefschneehang gesehen. Als ich gefragt habe, welche Spinner da wohl hinuntergefahren sind, haben mir Kevin und Franjo gestanden, dass sie diese Spuren hinterlassen haben!»

Wälti Senior ist in diesem Moment schier ausgeflippt: «Ich habe den Burschen klargemacht, dass kein normaler Mensch über diesen Hang mit einer ungefähr sechs Meter hohen Schneewechte fahren würde, weil hier in meiner Kindheit regelmässig Lawinen abgegangen sind. Doch das hat Franjo nicht wirklich interessiert. Stattdessen machte er mir klar, dass er unbedingt über diese Wechte fahren müsse, um Vor- und Rückwärtssaltos zu trainieren.»

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Sein Schleifer

Im Nachwuchskader vom Berner Oberländer Skiverband wurde von Allmen mit 14 Jahren vom aus dem Südtirol stammenden Trainer Martin Veith auf das knallharte Rennsport-Business vorbereitet. Veith wird von Franjos BOSV- und Swiss-Ski-Kumpel Lars Rösti als «harten, aber fairen Schleifer» bezeichnet.

Von Allmen nickt: «Klar, als junger Bursche habe ich einige harte Momente unter ihm erlebt. Aber rückblickend betrachtet, habe ich genau das gebraucht. Martin hat mir sehr viel Gutes mit auf den Weg gegeben.» Wenn Veith, der mittlerweile als Europacup Slalom-Trainer bei Swiss Ski angestellt ist, auf die Zeit mit dem Mega-Talent von Allmen zurückdenkt, kommen in ihm auch ein paar unschöne Szenen hoch: «Franjo ist früh nach dem Motto ‹Kante-Kante› Ski gefahren. Das hatte einige Highsider zur Folge. Aber weil Franjo schon damals körperlich ziemlich stark war, ist er ohne gröbere Verletzungen davon gekommen.»

Seine Karrieren-Retter

Als von Allmen ein 17-jähriger Jüngling war, ist sein Vater verstorben. Die Fortsetzung seiner Rennfahrer-Laufbahn stand danach auf der Kippe – auch aus finanziellen Gründen. Doch dann haben Freunde und Bekannte ein Crowdfunding für Franjo gegründet, mit dem genügend Geld für eine weitere Saison zusammenkam.

Einer der Initianten war Beat Gerber aus Därstetten, der Franjo gleichzeitig bei Swiss Ski bekannt gemacht hat. «Anlässlich von einer Schweizermeisterschaft in St. Moritz habe ich die heimliche Swiss-Ski-Chefin Annalisa Gerber gefragt, ob sie Franjo von Allmen kennen würde. Nachdem sie Nein sagte, habe ich ihr versichert, dass Franjo eines Tages richtig gut werden würde. Danach hat Annalisa dafür gesorgt, dass Franjo finanzielle Unterstützung erhält.»

Und so ist Franjo von Allmen zu dem geworden, was er heute ist: Weltmeister und Olympiasieger in der Königsdisziplin.

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