Swiss Ski-Trainer kritisiert trotz grossen Erfolgen die Entwicklung im Super-G
Schweizer Trainer schlägt wegen Super-G Alarm

Der Super-G entwickelt sich immer mehr zum alpinen Sorgenkind. Ein Swiss-Ski-Trainer schlägt Alarm und liefert bemerkenswerte Verbesserungsvorschläge.
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Marcel W. PerrenSki-Reporter

Der Bündner Renzo Valsecchi (35) ist ein sehr versierter Co-Trainer in der Schweizer Riesenslalom-Gruppe. Sein Topathlet Marco Odermatt (28) hat im Super-G 17 Weltcupsiege, 4 Kristallkugeln und eine WM-Goldmedaille eingefahren. Dennoch ist Valsecchi mit der Entwicklung dieser Sparte nicht zufrieden: «Die Erfinder haben diese Disziplin Super-Giant getauft, weil es sich dabei um einen schnellen Riesenslalom handeln soll. Aber mittlerweile kommen die meisten Rennen in dieser Disziplin verkappten Abfahrten gleich. In Kitzbühel hatten wir in diesem Winter sogar eine höhere Geschwindigkeit als in der Abfahrt. So darf es nicht weiter gehen.»

Valsecchi ergänzt, «dass sehr gute Riesenslalomfahrer wie Thomas Tumler oder Luca Aerni auch im Super-G starten können sollen. Aber für den grossen Teil der Techniker ist der Super-G viel zu schnell geworden. Zudem haben die Abfahrtsspezialisten einen so grossen Vorteil, weil vor den meisten Super-G auf dieser Piste ein Abfahrtstraining ausgetragen wird.»

In diesem Winter hat es diesbezüglich nur zwei Ausnahmen gegeben: In Copper Mountain (USA, Sieger Odermatt) stand neben dem Super-G ein Riesenslalom auf dem Programm, in Livigno (It, Triumphator Marco Schwarz) wurde ausschliesslich zu einem Super-G gestartet. «In Livigno ist Loïc Meillard in die Top 7 gefahren, was wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre, wenn auf dieser Piste zuvor Abfahrtstrainings ausgetragen worden wären.»

Valsecchi plädiert deshalb dafür, dass der Super-G im Weltcupprogramm vermehrt mit dem Riesenslalom anstatt mit der Abfahrt kombiniert werden soll. «In Sölden könnte man Ende Oktober neben dem obligaten Auftakt-Riesen auch einen Super-G ins Programm nehmen, die Piste im bulgarischen Bansko drängt sich ebenfalls für einen Super-G und einen Riesenslalom auf.»

Ski-Legende Russi lässt kein gutes Haar am Super-G
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«Diese Entwicklung ist schade»:Ski-Legende Russi lässt kein gutes Haar am Super-G

«In diesem Winter war das viel zu wenig der Fall!»

Wie stehen unsere Top-Athleten dazu? «Der Super-G müsste eine Mischung aus Riesenslalom und Abfahrt sein. Aber in den letzten Jahren hatten wir tatsächlich viel mehr Super-G, die an eine Abfahrt erinnert haben. Ich sage nicht, dass es im Weltcup keine schnellen Super-G mehr geben soll. Aber im Kalender müsste es gleich viele technisch anspruchsvolle Super-G geben», sagt Superstar Odermatt.

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Der Bündner Renzo Valsecchi gehörte 2008 als junger Rennfahrer dem C-Kader von Swiss Ski an.
Foto: NordicFocus

«Ein Super-G muss richtige Schwünge beinhalten. Speziell in diesem Winter war das aber viel zu selten der Fall», legt Justin Murisier (34) nach. Der Walliser wird konkret: «Copper Mountain war gut, mit Abstrichen auch Beaver Creek. Aber Gröden und Wengen waren keine guten Super-G, in Kitzbühel war das Tempo extrem hoch. Es muss wirklich nicht sein, dass wir auch in dieser Disziplin die 140 km/h-Marke knacken.»

Franjo von Allmen hat im Februar in einem sehr schnellen Super-G in Bormio seine dritte Olympiagoldmedaille gewonnen. Der 24-jährige Shooting-Star ist in dieser Diskussion gespalten: «Ich persönlich mag schnelle Super-G. Gleichzeitig fände ich es interessant, wenn diese Disziplin technischer wird.»

Odermatt denkt auch an Cortina

Das Problem: Auf vielen Pisten haben die Kurssetzer gar keine andere Möglichkeit, als den Super-Giant in der Abfahrtslinie zu setzen. Diese Tatsache spricht ganz besonders für den Vorschlag von Valsecchi, dass Super-G und Riesenslalom öfters am selben Ort ausgetragen werden. «Neben Bansko könnte man in meinen Augen Riesen und Super-G auch in Cortina sehr gut kombinieren», hält Marco Odermatt fest. 

Nach der Abfahrt am Samstag steht am Sonntag in Kvitfjell der letzte Super-G in diesem Winter auf dem Programm. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass auch der Final wenig technische Schwierigkeiten und dafür viel Tempo beinhalten wird.

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