Darum gehts
- Walter Reusser kritisiert das FIS-Punktesystem nach dem Weltcup in Adelboden
- Sandro Zurbrügg scheiterte trotz Europacup-Sieg an schlechter Startnummer und Wetter
- FIS-CEO Urs Lehmann erwartet ein einheitliches System erst ab 2030
Walter Reusser spielt in der Biografie von Superstar Marco Odermatt (28) eine besondere Rolle. Als Stöckli-Rennchef hat der gebürtige Emmentaler im Frühling 2010 auf Empfehlung von Nachwuchs-Scout Richi Grab den damals knapp 13-jährigen «Odi» unter Vertrag genommen.
Mittlerweile teilt sich Reusser mit dem Bündner Diego Züger bei Swiss-Ski den CEO-Posten. Obwohl Odermatt am Samstag am Chuenisbärgli seinen 51-Weltcupsieg eingefahren hat, verlässt unser Ski-Boss Adelboden mit gemischten Gefühlen. Im Slalom hat sich der 50-Jährige von seinen Mannen sicher mehr erhofft. Und im Riesenslalom hat Reusser vor allem Sandro Zurbrügg (23) leidgetan. «Sandro war mit der Startnummer 59 aufgrund des immer schlechter werdenden Wetters genau wie Fadri Janutin mit der Nummer 57 chancenlos.»
In Reussers Augen ist der 23-jährige Frutigtaler aber auch ein Opfer des Punktesystems der FIS. «Sandro hat vor vier Wochen auf sehr souveräne Weise einen Riesenslalom im Europacup gewonnen. Dass er im Weltcup dennoch mit einer hohen 50er-Nummer starten muss, ist ein weiterer Beweis dafür, dass dieses Punktesystem ein totaler Seich ist.»
«Wir werden mehrere Jahre benötigen»
Was Reusser damit meint? «Die arrivierten Athleten werden viel zu lange geschützt, sie können sich im Weltcup zu viele schlechte Ergebnisse erlauben, bis sie in der Weltcup-Startliste aus den Top 30 fallen.»
Der ehemalige Swiss-Ski-Präsident und jetzige FIS-CEO Urs Lehmann (56) gibt Reusser recht: «Ich habe schon vor Jahren gesagt, dass dieser Punkte-Modus nicht gut ist. Ich erinnere mich an den Fall des Adelbodners Michel Brügger, welcher trotz fünf Siegen bei FIS-Rennen zu wenig Punkte für einen Platz im Swiss-Ski-Kader hatte. So etwas darf nicht passieren.»
Der Abfahrtsweltmeister von 1993 legt nach: «Wir haben mit dem Weltcup, dem Europa-, Nordamerika-,Südamerika-, Asien-, Ozeanien-Cup und FIS-Event sieben verschiedene Punktesysteme. Es muss der Tag kommen, wo ein einheitliches System haben.» Lehmann glaubt aber nicht, dass dies vor 2030 der Fall sein wird. «Wir werden mehrere Jahre benötigen, bis diesbezüglich ein wasserdichtes System ausgearbeitet sein wird. Logischerweise werden wir auch eine Test-Saison benötigen.»