Das Podest
1. Lucas Pinheiro Braathen (Bra) 1:50,72
2. Clément Noël (Fr) +0,31
3. Eduard Hallberg (Fi) +0,57
Das Rennen
Der zweite Lauf in Levi entwickelt sich zu einem Krimi. Schon früh zeigt sich, dass Laurie Taylor der Mann der Aufholjagden ist und nicht die Schweizer. Der Brite zieht mit einem entfesselten Lauf an allen zuvor Gestarteten vorbei und übernimmt klar die Führung. Die grossen Namen kommen nicht richtig ins Rollen. Henrik Kristoffersen findet wie schon im ersten Lauf keinen Speed und reiht sich nur knapp vor Loïc Meillard ein. Dieser hatte das Rennen eröffnet, fuhr technisch sauber, doch zu verhalten – bereits nach wenigen Startern war klar, dass sein Rückstand von 1,32 Sekunden auf Braathen zu gross ist, um vorne mitzumischen. Auch Tanguy Nef konnte in Durchgang eins nicht überzeugen und bestätigte diese Form im zweiten Lauf mit einem verunsicherten Auftritt.
Für Jubel sorgt aber ein anderer. Eduard Hallberg bringt das finnische Publikum zum Beben. Er riskiert alles, rettet sich knapp vor Taylor ins Ziel – und hält damit plötzlich Kurs auf ein Podest, das ihm kaum jemand zugetraut hatte. Die Spannung steigt, als Timon Haugan patzt und Clément Noël sich an die Spitze setzt.
Dann startet Lucas Pinheiro Braathen – mit der Chance auf Historisches. Der Brasilianer zeigt keinerlei Nerven, baut seinen Vorsprung oben sogar aus und tanzt förmlich durch die Schlusssektion. Im Ziel ist klar: Weltcupgeschichte! Braathen holt den ersten Sieg für Brasilien, während Hallberg vor heimischem Publikum als Dritter zu einem gefeierten Helden wird.
Die Stimmen gegenüber SRF
Lucas Braathen: «Es ist ein spezieller Moment für mich. Es ist schwierig, etwas zu sagen. Auf jeden Fall bin ich sehr dankbar, dass ich diesen Weg gehen darf mit meinem eigenen Team.»
Eduard Hallberg: «Es ist wirklich unglaublich. Ich habe fast keine Worte dafür. Während des Laufs dachte ich, dass das Rennen gelaufen ist. Dann habe ich vor dem Ziel nochmals so richtig gepusht. Der Moment, als ich realisierte, dass ich auf dem Podest bin, war extrem schön. Ein Traum geht in Erfüllung.»
Loïc Meillard: «Mal schauen, was ich am nächsten Wochenende anders mache. Es ist schon etwas Frust dabei. Eigentlich möchte ich um das Podest kämpfen. Mit meiner Fahrt bin ich eigentlich nicht schlecht zufrieden, es war aber viel zu langsam.»
Tanguy Nef: «Ich bin schon ein bisschen enttäuscht von meiner Leistung, aber die Saison ist noch lang. Slalom ist halt eine komische Disziplin.»
Daniel Yule: «Ich glaube ich konnte mich steigern im zweiten Lauf. Bei einigen Passagen war bereits ein guter Grundspeed da. Vor allem in den Flachstücken funktioniert der neue Ski bereits gut. In den steilen Passagen muss ich mich noch etwas mehr daran gewöhnen.»
Ramon Zenhäusern nach dem ersten Lauf: «Im Steilhang war ich einfach zu langsam. Ich war bisher noch selten enttäuscht von mir in meiner Karriere aber heute bin ich es. Jetzt bin ich so lange im Weltcup, eigentlich müsste es schon möglich sein für mich hier anständig runter zu fahren.»
Die weiteren Schweizer
14. Loïc Meillard +1,48
21. Tanguy Nef +1,98
22. Daniel Yule +2,04
DNF1 Matthias Iten
Nicht für den 2. Lauf qualifiziert: 41. Ramon Zenhäusern +2,61, 53. Luca Aerni +3,46, 54. Marc Rochat +3,52
Auch Daniel Yule kann die Schweizer Bilanz nicht retten. Auf seinem neuen Material kommt der 32-Jährige noch nicht in Fahrt. Wegen einigen Fehlern im Steilhang darf er im zweiten lauf schon als Erster starten. Im zweiten Lauf kommt er dann etwas besser auf Touren. Er kann am Nachmittag sieben Plätze gutmachen und belegt somit am Schluss Platz 22.
Die weiteren Schweizer verpassen den Sprung in den zweiten Lauf deutlich. Ramon Zenhäusern landet mit Rang 41 im hinteren Drittel und bleibt weit von der Final-Qualifikation entfernt. Noch weiter dahinter klassiert sich Luca Aerni, der als 53. ebenfalls chancenlos ist. Direkt hinter ihm auf Platz 54 reiht sich Marc Rochat ein. Für Matthias Iten nimmt sein sechstes Weltcuprennen ein verfrühtes Ende – der Fahrer mit Startnummer 64 kommt bei der Ausfahrt vom Steilhang aus dem Rhythmus. In der Folge muss der Zuger die Ideallinie verlassen und scheidet aus.
Das gab zu reden
Die Schweizer-Equipe zeigt vor allem im ersten Lauf eine enttäuschende Leistung. Dies obwohl praktisch alle Fahrer vom guten Sommertraining schwärmten. Fünf von sieben Schweizern platzieren sich bei ihrer Zieleinfahrt zuhinterst im Zwischenklassement. Nur Ramon Zenhäusern übernimmt nicht direkt die rote Laterne. Da er die Ziellinie jedoch nur als 30. überquert, ist direkt klar, dass er den Sprung in den zweiten Lauf nicht schafft.
Die Bedingungen
Vor dem Rennen zeigt das Thermometer in Levi 170 Kilometer nördlich des Polarkreises -19.5 Grad. Es ist bitterkalt und die Piste ist eisig. Genau wie am Samstag bei den Frauen konnten sich folglich auch bei den Männern einige hohe Nummern für den 2. Durchgang qualifizieren. Auch im Verlauf vom Tag stiegen die Temperaturen nur bis -15 Grad an.
So gehts weiter
Auch für die Slalomfahrer geht es für das nächste Rennen nach Österreich. In Gurgl (Ö) messen sie sich am nächsten Samstag auf der Kirchenkarpiste zum zweiten Mal in dieser Saison. Davor trainiert das Schweizer Team noch in Levi und nutzt damit die guten Bedingungen vor Ort.



