Das Podest
1. Paco Rassat (Fr) 1:44,55
2. Armand Marchant (Bel) +0,07
3. Atle Lie McGrath (No) +0,09
Das Rennen
In Levi (Fi) hat es vor sechs Tagen für die Schweizer eine Schlappe abgesetzt. In Gurgl gibts Lichtblicke: Tanguy Nef zeigt einen sackstarken ersten Lauf, liegt zur Halbzeit auf Platz 2. Auch sein zweiter Auftritt ist gut. Um den Podestplatz zu verteidigen, reichts trotzdem nicht. Er wird Fünfter.
Aufs Podest steigen andere. Und auf zwei der drei Athleten hat wohl kaum einer getippt. Den Sieg holt sich sensationell der Franzose Paco Rassat. Mit einem entfesselten zweiten Lauf macht er 13 Ränge gut. Und fährt mit 27 Jahren nicht nur zum ersten Mal aufs Podest, sondern direkt zum Sieg. Auch der Zweitplatzierte Armand Marchant (27) feierte seine Treppchen-Premiere. Der einzige, der das Gefühl schon kennt, ist Atle Lie McGrath. Der Halbzeitführende muss sich am Ende um neun Hundertstel geschlagen geben. Ist neu aber der bisher einzige, der in Gurgl zweimal aufs Podest gefahren ist. Allerdings findet das Rennen auch erst zum dritten Mal statt.
Die weiteren Schweizer
5. Tanguy Nef +0,65
11. Daniel Yule +0,98
DNF2: Loïc Meillard
DNF1: Ramon Zenhäusern
Den 2. Lauf verpassen: Luca Aerni +2,57, Marc Rochat +3,18
Von Platz 19 aus nimmt Daniel Yule den zweiten Lauf in Angriff. Die grosse Aufholjagd gibts vermeintlich nicht. Er verpasst die zwischenzeitliche Führung um knapp drei Zehntel. Dennoch macht der Walliser letztlich einige Ränge gut und schafft es in die Top 15 – weil die Konkurrenz patzt.
Loïc Meillard kommt in diesem Winter nicht auf Touren. Nachdem er sowohl im Sölden-Riesenslalom als auch im Levi-Slalom auf Platz 14 gefahren ist, setzt es in Gurgl einen Nuller ab. Im ersten Lauf stellt der Weltmeister nur die 20. Zeit auf, weil er nach einem starken Start immer mehr nachlässt. «Das ist eine Katastrophe, es gab keine Kurve, die ich ziehen konnte», sagt er danach ins SRF-Mikrofon. Es habe ständig gegriffen und gerattert. Sein Fazit: «Es macht keinen Spass.» Daran ändert auch sein zweiter Auftritt nichts. Im Gegenteil. Der Weltmeister scheidet nach nicht einmal 20 Fahrsekunden aus.
Nächste Enttäuschung für Ramon Zenhäusern. Als 41. verpasst er in Levi den zweiten Lauf deutlich. In Gurgl läufts nicht besser. Im Gegenteil. Der erste Lauf verkommt zum Kurzauftritt, Zenhäusern scheidet schon früh aus.
Ausgerechnet vor dem Flachstück gerät Marc Rochat aus dem Rhythmus. Das kostet viel Zeit. Zu viel. Er verpasst die Top 30 und damit den zweiten Lauf. Gleiches gilt für Luca Aerni.
Die Stimmen gegenüber SRF
Tanguy Nef: «Ich bin voll zufrieden. Der erste Lauf war sehr gut. Im zweiten Lauf hat vor allem bei der Einfahrt in den Steilhang der Angriff etwas gefehlt. Ich muss noch etwas den Topspeed üben. Die Saison fängt erst an, deswegen ist es trotzdem ein schöner Tag – auch für den Sport mit Paco und Armand auf dem Podest. Ich freue mich für sie, wir sind befreundet. Auch wenn ich lieber Schweizer Kollegen vorne sehen würde. Die Nervosität vor dem zweiten Lauf war da. Ich glaube, es war einfach nicht der Tag für mich, um aufs Podest zu fahren.» Angesprochen auf das Pflaster unter seinem linken Auge: «Ich war am Meditieren, da hat Loïc (Meillard, Anm. d. Red.) seinen Stock an meinen Kopf geschlagen. Also es war ein Unfall. Dumm gelaufen.»
Loïc Meillard: «Es tut weh, es ist schade, dass es so gekommen ist. Eingefädelt ist eingefädelt – zu eng gefahren und dann ists passiert. Ich brauche ein paar Stunden, um das zu verarbeiten. Dann gilt der Fokus Amerika.»
Daniel Yule: «Das Resultat ist für mich sehr positiv, vor allem wegen der Art und Weise. Es waren zu viele Fehler drin, aber der Grundspeed war da. Darauf kann ich aufbauen, ich muss einfach die Fehler wegbringen. Mit jedem Lauf auf dem neuen Material gewinne ich mehr vertrauen.»
Das gab zu reden
Loïc Meillard kommt im ersten Lauf mit über einer Sekunde Rückstand ins Ziel. Mindestens drei Personen haben aber weniger Augen für sein Resultat als vielmehr Ohren für die Musik, die der DJ in Gurgl abspielt. Denn da läuft ein Après-Ski-Lied namens «Heckistiiger». Dahinter stecken die beiden Ex-Skistars Tina Weirather und Marc Berthod sowie der Comedian Michael Schweizer, die zusammen im «Podcast am Pistenrand» das Ski-Geschehen diskutieren. Der Song ist in Zusammenarbeit mit Dabu Bucher von Dabu Fantastic entstanden und letzte Woche veröffentlicht worden. «Welcher Song läuft da im Hintergrund?», wundert sich Schweizer auf Instagram. «Das Crazy», kommentiert Berthod mit einem Party-Smiley. Die beiden sind offenbar überrascht, dass es ihr Song über die Landesgrenze hinaus geschafft hat. In der Schweiz hat er zumindest in den iTunes-Charts kurzzeitig für Furore gesorgt. Dort war er am 18. November auf Rang 4.
Das gab zu reden II
Enge Kiste in Gurgl. Im ersten Lauf klassieren sich die ersten 30 Athleten innerhalb von nur 1,47 Sekunden. Rang 1 und 19 trennen 99 Hundertstel. So gering sind die Zeitabstände im Slalom selten. Erst viermal war es noch enger. Den Rekord hält Adelboden BE. 2022 waren es dort nur 1,37 Sekunden. Zum Vergleich: Mikaela Shiffrin hat vor einer Woche in Levi mit einem Vorsprung von 1,66 Sekunden auf die Zweitplatzierte gewonnen.
Die Bedingungen
Es ist eisig kalt in Gurgl. Bei ORF sprechen sie vor dem ersten Lauf von –13 Grad. Dafür passt das Wetter sonst. Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein – besser könnte es nicht sein. Am Nachmittag siehts dann etwas anders aus, Wolken verdecken die Sonne. Der Schnee hingegen stellt die Athleten vor eine Herausforderung. In den ersten Toren ist es hart und eisig, danach wird die Unterlage viel griffiger und im letzten Abschnitt ist der Schnee weich.
So gehts weiter
Für die Ski-Asse geht die Reise weiter nach Übersee. Bereits am Donnerstag steht in Copper Mountain (USA) der erste Super-G der Saison auf dem Programm, tags darauf wird an gleicher Stätte ein Riesenslalom gefahren. Der nächste Slalom findet erst am 14. Dezember in Val d'Isère (Fr) statt.



