1. Camille Rast (Sz) 1:40,20
2. Mikaela Shiffrin (USA) +0,14
3. Wendy Holdener (Sz) +1,83
«Auf dem Leaderthron ist es schön, dort kann man sitzen», sagt Camille Rast nach ihrer ersten Fahrt lachend ins SRF-Mikrofon. Kein Wunder ist sie gut gelaunt. Wie schon am Samstag im Riesenslalom grüsst sie zur Halbzeit von Platz 1. Eine Zehntelsekunde ist sie schneller als Saisondominatorin Mikaela Shiffrin. Schafft sie es, die Siegesserie der Amerikanerin zu durchbrechen? Die beiden liefern sich im 2. Lauf abermals ein packendes Duell. Und dieses Mal mit dem besseren Ende für Rast. 14 Hundertstel ist sie schneller, nach fünf Siegen muss Shiffrin der Schweizerin den Vortritt lassen.
Und nicht nur Rast hat Grund zu Jubeln. Schon zur Halbzeit ist auch Wendy Holdener als Dritte auf Podestkurs. Noch immer wartet die Schwyzerin auf die erste Top-3-Klassierung in diesem Winter. Gibts in Kranjska Gora die Erlösung? Ja. Denn als Holdener ins Ziel kommt, leuchtet es grün auf. Sie setzt sich an die Spitze, hat das Podest auf sicher. Und die Erleichterung ist ihr beim Jubeln ins Gesicht geschrieben.
12. Mélanie Meillard +3,48
23. Eliane Christen +5,02
Den 2. Lauf verpassen: 44. Nicole Good (+4,38), 49. Aline Höpli (+6,26)
DNF1: Anuk Brändli, Aline Danioth, Janine Mächler
Mélanie Meillard ist bisher in diesem Winter nicht auf Touren gekommen. Nun macht sie einen Schritt in die richtige Richtung. Als sie im 2. Lauf ins Ziel kommt, leuchtet die Zeit zwar nicht grün auf, trotzdem hat sie ein Lächeln auf den Lippen. Denn mit Zwischenrang 3 und nur noch elf Konkurrentinnen am Start, ist zu dem Zeitpunkt schon klar, dass sie erstmals in dieser Saison in die Top 15 fährt. Und hat damit die Hälfte der Olympia-Qualifikation in der Tasche.
Nach Platz 9 in Semmering braucht Eliane Christen eine weitere Top-15-Klassierung, um das Olympia-Ticket zu lösen. Dafür ist nach Platz 19 am Morgen den Angriff nach vorne nötig. Der bleibt aber aus. Sie fährt im 2. Lauf verhalten, kann die zwischenzeitliche Führung nicht übernehmen.
Aline Höpli ist lange solide unterwegs, dann passierts. Nach der dritten Zwischenzeit rutscht sie weg und verpasst ein Tor. Zwar steigt Höpli noch einmal zurück und beendet ihren Lauf, der Rückstand ist aber viel zu gross, um sich für die Entscheidung zu qualifizieren. Auch Nicole Good büsst im Vergleich mit Halbzeit-Leaderin Camille Rast zu viel Zeit ein.
Bitter endet der Slalom für Aline Danioth. Schon beim zweiten Tor fädelt sie ein. Nicht viel weiter kommt Janine Mächler, ihr passiert das Gleiche beim dritten Tor. Daneben scheidet auch Anuk Brändli aus.
Camille Rast: «Unglaublich, ich habe nicht gedacht, dass es an diesem Wochenende so gut läuft. Nach zwei zweiten Plätzen in Semmering hatte ich sicher noch etwas Hunger. Die Energie nehme ich aus einem guten Plan mit dem Kondi- und Ski-Coach. Wir arbeiten sehr viel zusammen, damit ich mich gut erholen kann. Das passt super zusammen. Auch das Material passt perfekt. Das Wichtigste in einer Saison ist gesund zu bleiben. Das merkt man, wenn man etwas krank oder müde ist. Ich will einfach so weiter machen und schnell fahren und nicht zu sehr an die Punkte und alles weitere. denken.»
Wendy Holdener: «Der erste Podestplatz in dieser Saison tut sehr gut. Es ging immer so einfach, jetzt hat es doch ein wenig Energie gebraucht. Umso schöner, konnte ich es heute durchziehen und bin einen Schritt näher an Camille (Rast) und Shiffrin. Bei denen sieht es so einfach aus. Ich habe viel am Mindset gearbeitet, habe die Offensivität gesucht, dass ich nicht auf der Linie hocken bleibe und alles perfekt machen will. Das konnte ich gut umsetzen.»
Mélanie Meillard: «Ich kann nur zufrieden sein mit dem Resultat. Es ist schon ein guter Schritt nach vorne. Bezüglich Konstanz und zwei gute Läufe bin ich noch nicht da, wo ich sein will, aber ich nehme das Positive mit.»
Eliane Christen: «Ich habe das Gefühl, dass ich irgendwie auf der Bremse gestanden bin. Zu fest auf der Linie fahren wollte ich zwar nicht, aber ich habe den Gang mehr einfach nicht gefunden.»
Camille Rast nach dem 1. Lauf: «Ich bin zufrieden. Der Lauf war speziell, etwas anders als sonst. Ich finde es cool, wenn die Kurssetzer etwas Neues machen. Das macht es spannend. Das Tempo war nicht so hoch, aber die Tore sind ziemlich schnell gekommen. Der Kurs war etwas anderes, es war cool. Die Geschwindigkeit war nicht so hoch, aber die Tore sind sehr schnell gekommen und das war ein bisschen anspruchsvoll. Die Abstände sind unter zehn Meter, das ist ziemlich kurz im Slalom. Es gibt nicht so viele Kurven, die Tore kommen sehr schnell. Es ist ein spannender Lauf. Die Piste ist super.»
Wendy Holdener nach dem 1. Lauf: «Ich wusste, es wird schnell, vor allem nach den Figuren und ich war definitiv wach. Ich habe versucht, offensiv an die Sache ranzugehen und mit sehr vielen Sachen bin ich zufrieden.»
Mikaela Shiffrin ist in diesem Winter im Slalom das Mass aller Dinge. Fünf Rennen – fünf Siege, so lautet die beeindruckende Bilanz der Amerikanerin, die in dieser Disziplin vierfache Weltmeisterin und achtfache Kugelgewinnerin ist. Mit fünf Siegen ist sie erst einmal in eine Slalom-Saison gestartet – 2018/19. Damals riss ihre Serie im sechsten Rennen in Flachau (Ö) mit einem 2. Platz. Und auch dieses Mal ist im sechsten Saisonrennen Schluss mit dem Siegesjubel. Wieder wird Shiffrin Zweite.
Letzte Saison hat Zrinka Ljutic die kleine Kristallkugel im Slalom gewonnen. In diesem Winter kann die Kroatin bisher gar nicht daran anknüpfen. Im Gegenteil. In den ersten fünf Rennen hat sie erst 72 Punkte (6. und 8. Rang) eingefahren. Weitere kommen auch in Kranjska Gora nicht dazu. Ljutic hängt nach wenigen Sekunden an einem Tor an. Sie steigt zwar zurück und setzt ihre Fahrt fort, wenig später ist dann aber endgültig Schluss. Zum vierten Mal in dieser Saison scheidet sie aus. Der Frust darüber ist bei Ljutic gross. Im Ziel angekommen, schmeisst sie wütend ihre Stöcke weg. Ljutic ist nicht die einzige, die am Morgen ausscheidet. 25 der 74 gestarteten Athletinnen erreichen das Ziel nicht. Darunter nebst drei Schweizerinnen auch Lara Colturi. Und das auf dem Kurs, den ihr Papa gesteckt hat. Offenbar ist sie aber nicht ganz fit an den Start gegangen. «Es war nicht mein Tag, aber ich bin zufrieden damit, wie ich damit umgegangen bin, nachdem ich die ganze Nacht krank war», schreibt Colturi auf Instagram.
Mit Startnummer 70 sorgt Noa Szollos für Aufsehen. Die 22-jährige Israelin fährt mit 2,81 Sekunden Rückstand auf Platz 22. Und qualifiziert sich in ihrem 13. Weltcuprennen – dem siebten im Slalom – erstmals für einen 2. Lauf. Dort greift Szollos verständlicherweise nicht voll an, will lieber den Lauf ins Ziel bringen. Das gelingt. Als erste Israelin bejubelt sie Weltcuppunkte.
Die Piste ist hart, aber nur stellenweise etwas eisig. Auch wenn sie für die Athletinnen mit höheren Startnummern stark gezeichnet ist, hält sie und lässt weiter gute Fahrten zu. Die Temperaturen liegen beim Start des 1. Laufs bei minus 7 Grad, im Verlauf des Rennens steigen sie nur minimal. Über Kranjska Gora scheint zwar die Sonne, aber davon merken die Fahrerinnen im Stangenwald nicht viel, denn der Hang liegt mehrheitlich im Schatten. Die grössere Herausforderung ist vor allem der Kurs des 1. Laufs, den Alessandro Colturi steckt. Er ist ziemlich direkt, die Tor-Abstände sind geringer als auch schon. So kommen die Tore schneller auf die Fahrerinnen zu.
Für die Frauen steht als nächstes ein Speed-Wochenende auf dem Programm. In Zauchensee (Ö) finden eine Abfahrt (Samstag, 11.30 Uhr) und ein Super-G (Sonntag, 12 Uhr) statt. Der nächste Slalom ist ein Nachtspektakel (1. Lauf um 17.45 Uhr) und geht am Dienstag, 13. Januar, in Flachau (Ö) über die Bühne.


