Das Podest
1. Alice Robinson (Neus) 2:16,18
2. Zrinka Ljutic (Cro) +0,94
3. Valerie Grenier (Ö) + 1,00
Das Rennen
Alice Robinson doppelt in Mont-Tremblant nach. Die Neuseeländerin bestätigt ihren überragenden Sieg von Copper Mountain und gewinnt auch den Riesenslalom in Kanada überlegen. In den USA siegte sie 96 Hundertstel vor ihrer österreichischen Konkurrentin Julia Scheib, die am Samstag bereits im ersten Lauf ausscheidet (siehe «Das gab zu reden»). Am Samstag nutzt Robinson ihre Top-Ausgangslage als Halbzeitführende und bringt den zweiten Lauf souverän ins Ziel. Vor allem im Flachstück dreht die 24-Jährige nochmals auf, bringt am Ende einen Vorsprung von 94 Hundertstel in das Ziel und fährt zu ihrem fünften Karrieresieg im Riesenslalom. Aufgrund des Ausfalls von Scheib übernimmt Robinson auch die Führung in der Disziplinenwertung.
Dank ihrer starken Fahrt verdrängt Robinson Camille Rast vom Podest. Die Walliserin hatte sich als Halbzeitsechste eine gute Ausgangslage für ihr zweites Riesenslalom-Podest verschafft. Zuletzt fuhr sie im November 2024 in Killington als Dritte auf das Treppchen. Bis zur Machtdemonstration von Robinson ist Rast dank ihrer Top-Fahrt auch wieder auf Podest-Kurs, verpasst dieses als Vierte am Ende wie in Copper Mountain (5. Rang) erneut knapp.
Das Podest komplettieren stattdessen die Kroatin Zrinka Ljutic, die zur Halbzeit bereits Zweite war, und Valerie Grenier, die bei ihrem Heimrennen zwei Plätze gut macht und sich auf dem dritten Platz klassiert.
Die Schweizerinnen
4. Camille Rast +1,21
17. Wendy Holdener +2,55
20. Sue Piller +3,00
29. Simone Wild +5,50
Den zweiten Lauf verpasst: 32. Vanessa Kasper +2.69
Camille Rast zeigt eine solide Fahrt im ersten Durchgang, büsst jedoch immer etwas Zeit ein. Als Halbzeitsechste verschafft sie sich dennoch eine gute Ausgangslage und hat noch Podest-Chancen. Im zweiten Lauf lässt sie es im oberen Teil krachen und holt sich einen klaren Vorsprung heraus. Sie übernimmt im Ziel die Führung, verpasst am Ende das Podest wie in Copper Mountain (5.) knapp.
Wendy Holdener hat bei einer Welle kurz nach dem Start Probleme – dort war zuvor auch die Schwedin Sara Hector ausgeschieden, die den ersten Lauf eröffnet hatte. Holdener fehlt danach im Flachstück das Tempo, weshalb ihr Rückstand konstant anwächst. Auch im zweiten Lauf kommt die Schwyzerin nicht auf Touren. Zwar zeigt Holdener einen guten Start, verliert aber im Mittelteil über eine halbe Sekunde, die sie trotz eines souveränen Schlussteils nicht mehr aufholen kann.
Sue Piller handelt sich oben viel Rückstand ein, dreht dann im unteren Teil auf und macht viel Zeit gut. In ihrem fünften Weltcuprennen ist sie somit erstmals in der Entscheidung im Riesenslalom dabei. Mit einem guten Start und einer soliden Fahrt ohne Fehler im zweiten Lauf klassiert sie sich am Ende auf dem 20. Rang.
Simone Wild schliesst den ersten Lauf als letzte Fahrerin mit Startnummer 50 ab und fährt dank einer guten Fahrt zeitgleich mit der Österreicherin Lisa Hörhager auf den 29. Rang, wodurch sie sich knapp für den zweiten Durchgang qualifiziert. In diesem muss Wild im oberen Teil mehrmals nachkorrigieren, wodurch sie deutlich an Tempo einbüsst und sich am Ende des Klassements einreiht.
Vanessa Kasper, die am Montag ihren 29. Geburtstag feiert, ist sehr wild unterwegs, weshalb sich einige Fehler in den Lauf der Bündnerin einschleichen. Am Ende verpasst sie den zweiten Lauf um nur drei Hundertstel.
Die Stimmen (gegenüber SRF)
Camille Rast zu ihrem Top-Ergebnis: «Wenn jemand gesagt hätte, dass ich in Mont-Tremblant auf den vierten Platz fahre, hätte ich sofort unterschrieben. Es war für mich eine sehr schwierige Piste, da sie sehr flach ist. Ich bin sehr zufrieden. Es ist ein Schritt nach vorne im Riesenslalom. Aber morgen beginnt alles wieder von vorne. Heute haben vor allem die drehenden Teile sehr gut gepasst. Darauf muss ich morgen aufbauen.»
Alice Robinson zu ihrem Sieg: «Es war heute ein sehr herausforderndes Rennen und völlig anders als an den letzten Wochenenden. Ich bin glücklich, dass ich die Führung im ersten Lauf halten und sogar noch darauf aufbauen konnte. Der zweite Lauf war schneller, die Piste war eisiger. Das Tempo war daher viel höher, es waren andere Fähigkeiten gefragt. Bei den Übergängen musste man schlau fahren. Es funktionierte bei mir heute aber glücklicherweise von oben bis unten.»
Wendy Holdener nach dem zweiten Lauf: «Oben hatte ich das Gefühl, dass ich frech fuhr. Unten versuchte ich, sauberer zu fahren als im ersten Lauf. Bei der Ausfahrt vom Steilhang zur Fläche gelang mir das nicht so, wie ich es wollte. Ich habe wohl dort die halbe Sekunde verloren, die so viel ausmachen würde. Ich freue mich aber, morgen nochmals hier einen Riesenslalom zu bestreiten.»
Sue Piller nach dem zweiten Lauf: «Ich habe mich gut gefühlt und war nicht nervös, sondern habe mich gefreut, nochmals mit einer guten Nummer den Lauf in Angriff nehmen zu dürfen. Es hat Spass gemacht. Ich kann noch besser Skifahren, aber es war schon mal ein guter Anfang. Es ist sehr cool, erstmals unter den besten 30 zu sein. Ich konnte so meine guten Trainings im Rennen bestätigen. Nach Copper Mountain, wo es knapp nicht für die Qualifikation reichte, ist das schon eine Erleichterung»
Vanessa Kasper nach dem ersten Lauf: «Es war schwierig, weil man aufgrund des Nebels nicht viel gesehen hat. Ich bin immer etwas dem Ski nachgefahren, statt zu sagen, wo es durchgeht. Der Ski lief nie wirklich. Man spürt es, wenn man einen Flow hat, das war bei mir heute überhaupt nicht der Fall. Mein Lauf war daher schon nicht so zufriedenstellend.»
Die Bedingungen
Während des Rennens herrscht bei um die -5 Grad stetiger Schneefall und Nebel in Mont-Tremblant, die Sicht ist entsprechend schwierig. Die Pistenarbeiter nutzen die Pausen jeweils, um die Linien nachzuzeichnen und den Schnee aus dem Hang zu rutschen. Der Neuschnee sorgt auf der weichen Piste dennoch für Herausforderungen. «Die Hauptlinie ist zwar gut, wenn man etwas von ihr wegkommt, fährt man aber in den Neuschnee. Daher muss man zwingend auf der guten Linie bleiben, um eine Chance zu haben», fasst Wendy Holdener gegenüber SRF nach dem ersten Lauf die schwierigen Verhältnisse zusammen.
Das gab zu reden
Julia Scheib geht als Riesenslalom-Klassementführende in das Rennen in Mont-Tremblant. Die Österreicherin nimmt dank des Heimsieges in Sölden und dem zweiten Rang in Copper Mountain (USA) viel Selbstvertrauen nach Kanada. Entsprechend risikobereit startet Scheib in den ersten Lauf. Im Steilhang holt sie viel Zeit heraus und ist mit Bestzeiten unterwegs. Im Mittelteil kommt die 27-Jährige allerdings von der Ideallinie weg, fährt direkt in ein Tor rein und scheidet aus. Gegenüber SRF sagt Scheib: «Ich fuhr bei diesem Tor zu gerade rein und kam dann in den weichen Schnee. Ich hatte dann immer einen Gegendruck, wodurch es mich ausgehoben hat.» Die Piste sei zwar in gutem Zustand gewesen, die Sicht mit dem Schnee jedoch etwas dunkel. Aber: «Die Bedingungen sind für alle gleich. Mein Fehler geschah einfach an der unglücklichsten Stelle», so die Österreicherin weiter zu ihrem Ausfall. Am Ende muss sie die Klassement-Führung an die Siegerin Alice Robinson abgeben.
Insgesamt acht Athletinnen bringen aufgrund der schwierigen Bedingungen den ersten Lauf nicht in das Ziel. Neben Scheib lautet der bekannteste Name Sara Hector. Die Schwedin, die das Rennen eröffnete, hat kurz nach dem Start bei einem Übergang Probleme und verfehlt ein Tor.
So gehts weiter
Am Sonntag steht gleich der nächste Riesenslalom in Mont Tremblant an. Der 1. Lauf startet um 10 Uhr Ortszeit (16 Uhr Schweizer Zeit). Am nächsten Wochenende (12. bis 14. Dezember) eröffnen die Speed-Spezialistinnen die Speedsaison in St. Moritz. Zwei Abfahrten (Freitag und Samstag) und ein Super-G (Sonntag) stehen auf dem Programm.



