Odermatt fährt Konkurrenz in Grund und Boden
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Abfahrts-Sieg in Wengen:Odermatt fährt Konkurrenz in Grund und Boden

Schweizer Party in Wengen
Odermatts vierter Streich in der Lauberhorn-Abfahrt

Der Schweizer gewinnt überlegen vor dem Österreicher Kriechmayr und dem Italiener Franzoni. Franjo von Allmen und Alexis Monney auf den Rängen 4 und 5 verpassen das Podest nur knapp.
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Keiner kann am Lauberhorn mit Marco Odermatt mithalten.
Foto: Getty Images
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Ramona BieriRedaktorin Sport

Das Podest

1. Marco Odermatt (Sz) 1:33,14
2. Vincent Kriechmayr (Ö) +0,79
3. Giovanni Franzoni (It) +0,90

Das Rennen

Die Abfahrt ist knapp eine Viertelstunde alt, als das Lauberhorn zu beben beginnt. «Odi, Odi»-Rufe hallen den Berg hinauf. Denn am Start steht Marco Odermatt. Angepeitscht vom Publikum zeigt er eine unglaubliche Fahrt. Mit ganz feiner Klinge, aber trotzdem mit der nötigen Prise Risiko, rast er ins Ziel. Alle Zwischenzeiten leuchten grün auf, mit acht Zehnteln Vorsprung verdrängt er Vize-Weltmeister Vincent Kriechmayr deutlich von Platz 1 – und lässt sich für diesen Traumlauf zu Recht feiern.

Kurz darauf gibt es erneut Schweizer Jubel. Auch Alexis Monney zeigt eine starke Fahrt und reiht sich auf Zwischenrang 3 ein. Doch ausgerechnet ein Teamkollege schubst ihn vom Podest: Franjo von Allmen ist zwei Hundertstel schneller – trotz Schreckmoment. Mit sehr hohem Tempo fährt er ins Kernen-S, touchiert bei der Ausfahrt die Schutzbande und räumt dabei eine dort platzierte Kamera ab. Und dann stürzt der Berner auch noch im Zielraum. Er gibt jedoch schnell Entwarnung.

Letztlich sind die Hundertstel aber nicht auf von Allmens Seite. Denn mit Startnummer 28 folgt Giovanni Franzoni, der Sieger des Super-Gs. Nach seinen beiden Trainingsbestzeiten sorgt der Italiener dafür, dass von Allmen ins Zittern kommt. Und sich um drei Hundertstel geschlagen geben muss. Er wird Vierter.

«War absehbar, dass einer noch nach vorne fährt»
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Von Allmen verpasst Podest:«War absehbar, dass einer noch nach vorne fährt»

Derweil feiert Odermatt den siebten Abfahrtssieg seiner Karriere – den vierten in Serie in Wengen. Und schnappt sich damit den Rekord. Keiner hat seit Einführung des Weltcups 1967 so oft die Lauberhorn-Abfahrt gewonnen. Bisher teilte sich Odermatt die Bestmarke mit Beat Feuz und Franz Klammer (je drei Siege). «Ich habe fast ein bisschen ein schlechtes Gewissen – weil Beat mich hier ja alles gelernt hat», meint Odermatt ins SRF-Mikrofon. Und Feuz kontert, dass er in Sachen Anzahl Podestplätze zumindest noch einen mehr habe.

Die Schweizer

4. Franjo von Allmen +0,93
5. Alexis Monney +0,95
13. Marco Kohler +1,63
14. Stefan Rogentin +1,68
17. Justin Murisier +1,91
21. Niels Hintermann +1,99
30. Lars Rösti +2,38
41. Alessio Miggiano +3,17
52. Livio Hiltbrand +4,19

Niels Hintermann ärgert sich, als er mit der Nummer 2 im Ziel abschwingt. Der Grund: Drei Hundertstel trennen ihn von der Spitzenposition. Ein Rückstand, den man überall finden kann. Der Start ist ihm noch gut geglückt, unten raus hat er dann abreissen lassen müssen.

Stefan Rogentin ist mit seiner Fahrt nicht zufrieden. Das sieht man ihm im Ziel deutlich an. Auf den unmittelbar vor ihm gestarteten Landsmann Odermatt büsst er 1,68 Sekunden ein. Das reicht letztlich nicht für die Top 10.

Ein solides Rennen zeigt Justin Murisier. Auch wenn er mit den Schnellsten nicht mithalten kann. Aber er hält seine Punkte-Serie aufrecht, fährt zum 15. Mal hintereinander in der Abfahrt in die Top 30. Letztmals ohne Punkte blieb er im Januar 2024 – als er in der Lauberhorn-Abfahrt ausgeschieden ist. 

Starker Auftritt von Marco Kohler. Mit der Startnummer 21 schiebt er sich vorübergehend in die Top 10. Diese verpasst er letztlich zwar, aber er klassiert sich unter den besten 15. Und da er dies zum zweiten Mal in diesem Winter tut, erfüllt nun auch er die Olympia-Limite in der Königsdisziplin.

Zum ersten Mal startet Alessio Miggiano in der Lauberhorn-Abfahrt. Damit sammelt er wichtige Erfahrungen. Viele kleine Fehler sorgen für einen grossen Rückstand. Einen solchen handelt sich auch Livio Hiltbrand ein. Die beiden verpassen die Punkteränge.

Souverän meistert Lars Rösti seine Fahrt. Er verliert knapp 2,4 Sekunden auf Teamkollege Odermatt und punktet als 30. haarscharf.

Die Stimmen gegenüber SRF

Marco Odermatt: «Rekorde bedeuten mir im Vornherein nicht viel, aber wenn man sie hat, ist es dann doch schön. Ich wusste nicht einmal, dass heute dieser Rekord fallen könnte. Ich bin hier, um Rennen zu fahren und zu gewinnen. Und das wegen den Emotionen und nicht wegen Rekorden oder was sie früher gemacht haben. Ich war heiss und parat und wusste, in einem verkürzten Rennen muss man ab dem ersten Stockstoss parat sein. Darum habe ich viel riskiert. Es hat alles perfekt gepasst. Was ich im Super-G im Kernen-S verloren habe, habe ich dieses Mal gewonnen.»

Franjo von Allmen: «Ohne Action wärs langweilig. Wir haben noch besprochen, wie wir das Brüggli fahren wollen. Schlussendlich fahren wir momentan so ein hohes Niveau. Wenn du das verbremst, fährst du nicht aufs Podest. Dass es trotz des grossen Fehlers so weit nach vorne gereicht hat, damit hab ich nicht gerechnet. Ich habe nicht gespürt, wie schnell ich dort war. Was ich gespürt habe: Erstmals hab ich den Canadian Corner gut erwischt. Die Kamera, die ich abgeräumt habe, habe ich gesehen, ich bin drauf gefahren.»

Marco Kohler: «Ich bin solide gefahren, habe keine grossen Fehler gemacht. Ich habe sicher nicht das Letzte riskiert, aber das war richtig. Die Olympia-Limite zu erfüllen ist sicher schön. Aber wissen, dass sich so viele qualifiziert haben. Aber für mich ist es gut, denn das war ein Saisonziel für mich.»

Das gab zu reden

Emotionaler Moment schon vor dem Start des Rennens. Wie schon letzte Woche in Adelboden gibts auch in Wengen in Gedenken der Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS eine Schweigeminute.

Fans halten Schweigeminute für Crans-Montana-Opfer ab
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Vor Wengen-Abfahrt:Fans halten Schweigeminute für Crans-Montana-Opfer ab

Das gab zu reden II

Vor dem Rennen hat Blick bei fünf ehemaligen Lauberhorn-Siegern nach ihrem Podest-Tipp gefragt. Nur zwei von ihnen liegen mit ihrem Sieger richtig. Hannes Reichelt (45, Ö, Sieger 2015) und Carlo Janka (39, Sz, Sieger 2010) setzen auf Marco Odermatt. Auch Franz Klammer (72, Ö, Sieger 1075, 76 und 77), Bruno Kernen (53, Sz, Sieger 2003) und Marc Girardelli (62, Lux, Sieger 1989) sehen einen Schweizer auf Platz 1 – allerdings Franjo von Allmen. Ausser Kernen setzen alle darauf, dass Giovanni Franzoni erneut in die Top 3 fährt – und haben Recht.

Externe Inhalte
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Das gab zu reden III

Der Chilene Henrik von Appen gehört zu den Ski-Exoten. In Wengen sorgt er für Jubel. Denn mit Startnummer 50 fährt er mitten in die Weltspitze. Von Appen beendet das Rennen auf Rang 16. Damit holt der 31-Jährige zum achten Mal Punkte. Und realisiert sein mit Abstand bestes Abfahrts-Resultat. Das war bisher ein 23. Platz, eingefahren vor einem Jahr – in Wengen.

Das gab zu reden IV

Romed Baumann ist einer der ältesten Athleten am Start. Vor drei Tagen hat er seinen 40. Geburtstag gefeiert. Als Geschenk gabs ein Shirt mit einem kecken Spruch: «Vor 40 Jahren war ich mal der Schnellste.» Fürs Lauberhorn gilt das nicht. Zwar bestreitet Baumann zum 18. Mal eine Abfahrt in Wengen, aufs Podest ist er noch nie gefahren. Seine Bestresultate fuhr er 2011 und 2013 ein, als er jeweils Sechster wurde.

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Die Bedingungen

Der Himmel über Wengen ist bewölkt und es windet vor allem im obersten Streckenabschnitt. Nicht stetig und stark, sondern in Böen. Und genau die sind das Problem. Eine Stunde vor dem Start fällt deswegen der Entscheid, dass das Rennen nicht vom Originalstart aus in Angriff genommen werden kann. Stattdessen gehts vom Reservestart los – dieser ist etwas weiter unten, als derjenige des Super-G-Rennens vom Freitag und befindet sich an der Kante des Hundschopfs. Die Helfer müssen Gas geben und innert kürzester Zeit den neuen Startbereich schaffen. Das gelingt, pünktlich um 12.30 Uhr gehts los. Und schon nach wenigen Fahrern beginnt gar die Sonne durchzudrücken. Die Piste ist in gutem Zustand, wird mit der Zeit aber etwas unruhig.

So gehts weiter

Zum Abschluss des Wengen-Wochenendes findet am Sonntag der Slalom statt. Danach gehts weiter nach Österreich. In Kitzbühel stehen ein Super-G (Freitag, 11.30 Uhr), die legendäre Abfahrt auf der Streif (Samstag, 11.30 Uhr) sowie ein Slalom (Sonntag, ab 10.30 Uhr) auf dem Programm.

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