1. Marco Odermatt (Sz) 2:31,23
2. Lucas Braathen (Bra) +0,49
3. Leo Anguenot (Fr) +0,68
«Dieses Wetter machts noch schwieriger. Und ich hab es gerne, wenns schwierig ist, wenn man reagieren und mit Instinkt fahren muss», sagt Marco Odermatt nach dem 1. Lauf ins SRF-Mikrofon. Wie gerne er das hat, zeigt er auf der Piste. Er lässt sich vom Schneetreiben nicht stören, zaubert mit feiner Klinge eine starke Fahrt in den Schnee. Und distanziert die Konkurrenz um eine halbe Sekunde und mehr. Das Wetter wird am Nachmittag nicht besser. Im Gegenteil. Es schneit noch mehr, als Odermatt als letzter Fahrer auf die Piste geht. Wieder packt er die feine Klinge aus, fährt angepeitscht vom Publikum Richtung Ziel. Und lässt sich den Sieg nicht mehr nehmen. Odermatt bleibt der König vom Chuenisbärgli. Und schreibt ein Stück Ski-Geschichte. Als erster Fahrer gewinnt er den Adelboden-Reisenslalom fünf Mal in Serie. Und zieht damit an Schwedens Legende Ingemar Stenmark (69) vorbei. Er gewann einst viermal hintereinander (1979 bis 1982), hat total ebenfalls fünf Siege auf dem Konto.
Gleichzeitig ist es Odermatts 46. Podestplatz im Riesenslalom – damit zieht er mit zwei Schweizer Legenden gleich. In derselben Disziplin fuhren einst auch Michael von Grünigen und Vreni Schneider so oft aufs Podest.
6. Loïc Meillard +1,50
10. Luca Aerni +1,97
12. Thomas Tumler +2,23
Den 2. Lauf verpassen: 31. Lenz Hächler +2,71, 33. Fadri Janutin +2,79, 47. Sandro Zurbrügg +3,78
DNF1: Livio Simonet
River Radamus, der den 2. Lauf eröffnet hat, führt immer noch, als sich der Halbzeit-Zehnte Loïc Meillard aus dem Starthäuschen katapultiert. Der Schweizer legt ganz stark los, lässt gegen unten raus dann etwas nach. Trotzdem reichts für die zwischenzeitliche Führung. Das Chuenisbärgli bebt. Lange kann Meillard aber nicht auf dem Leaderthron sitzen. Schon kurz darauf wird er von Henrik Kristoffersen verdrängt. Dennoch verbessert er sich ein paar Positionen.
Lange ist Luca Aerni im 2. Lauf gut unterwegs, die zwischenzeitliche Führung liegt in der Luft. Aber er verpasst sie letztlich doch um drei Zehntel. Und kann so nur einen kleinen Sprung nach vorne machen.
Thomas Tumler kommt am Chuenisbärgli nicht recht auf Touren. Schon im 1. Lauf büsst er im Vergleich mit der Spitze über zwei Sekunden ein. Am Nachmittag verpasst er dann die zwischenzeitliche Führung. Kurz vor dem Ziel bremst ihn ein Rutscher. Zwar kann er sich im Rennen halten, aber für Platz 1 reichts nicht mehr. Weil danach die Konkurrenz patzt, macht er letztlich trotzdem zwölf Position gut. Und fährt als vierter Schweizer in die Top 12.
Das Hundertstelpech schlägt im Schweizer Team gleich doppelt zu. Lenz Hächler fehlen fünf Hundertstel, Fadri Janutin deren 13, um den Sprung in den 2. Lauf zu schaffen. Deutlicher verpasst Sandro Zurbrügg die Entscheidung. Gar nicht erst ins Ziel schaffts am Morgen Livio Simonet.
Marco Odermatt: «Jeder Sieg hier ist kompliziert, jeder hat seine eigene Geschichte. Die Sicht und das Wetter haben es nicht einfacher gemacht. Aber ein Kompliment: Die Piste war richtig gut, auch mit der letzten Nummer konnte ich noch voll angreifen. Eigentlich war es richtig cool zum Fahren. Ich habe versucht, meinen Plan umzusetzen. Von Anfang an habe ich den Ski gut gespürt – ausser in den ersten drei Toren – danach bin ich gut ins Ziehen gekommen. Aber die Beine haben schon angefangen zu brennen. Ich habe gemerkt, dass es bis Einfahrt Steilhang nicht schlecht war, und konnte es durchziehen. Fünf Siege in Serie sind schon mega. Hier gewinnen zu dürfen, ist sowieso das Grösste. Die Emotionen und die Freude zu spüren oder den Leuten das zu geben und zurückzubekommen, das ist genial. Ich hoffe, das nächste Jahr wieder – nicht wegen der Serie, sondern weil es cool ist, hier zu gewinnen.»
Marco Odermatt bei ORF: «Unglaublich – hier als Letzter mit grün abzuschwingen ist einmalig. Das gibts nicht im Speed, das gibts als Schweizer logisch nur hier. Aber ich glaube, auch für jedes andere Land ist die Stimmung hier unglaublich. Ein fünftes Mal zu gewinnen, ist so cool. Ich habe mich schon die ganze Woche so gut gefühlt. Wir haben auf der Reiteralm super trainiert. Mit den vielen Speedrennen ist es für mich immer schwierig, die Riesen-Topform zu wahren. Da hilft eine solche Vorbereitung sehr.»
Loïc Meillard: «Mit der Steigerung bin ich so lala zufrieden. Ein sechster Rang ist nicht das, was ich will, das Ziel ist es, aufs Podest zu fahren. Ich weiss, was kann ich. So ist es am Ende etwas bitter. Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Im Zielhang wusste ich, die Wellen kommen, aber ich habe sie nicht gesehen. Dann hat das Timing nicht gestimmt und ich bin da nicht mehr rausgekommen.»
Thomas Tumler: «Im zweiten Lauf habe ich mich besser gefühlt, konnte mehr attackieren. Am Morgen war ich irgendwie blockiert. Es ist ein Schritt nach vorne aber noch nicht dorthin, wo ich sein will. Wir haben vom Setup etwas umgestellt, dann habe ich gemerkt, dass es besser ist. Ich habe versucht zu attackieren, aber es ist noch nicht das, was ich will. Sie haben nicht gross versetzt, man hat teilweise noch die Spuren vom ersten Lauf. Die Sicht ist auch nicht die Beste, das macht es schwierig.»
Ungewohntes Bild für die Schweizer Ski-Fans in Adelboden. Denn Marco Odermatt trägt erstmals seit längerer Zeit beim Heimrennen nicht die rote Startnummer des Disziplinenführenden. Seit 2021 hat der Nidwaldner sie jeweils getragen, dieses Mal muss er sie Stefan Brennsteiner überlassen. Der Österreicher hat allerdings nur fünf Punkte mehr auf dem Konto. 2020 ist indes Henrik Kristoffersen der letzte, der vor Odermatt noch mit Rot in Adelboden gefahren ist. Weil Brennsteiner im 2. Lauf ausscheidet und Odermatt gewinnt, holt er sich die rote Startnummer zurück.
«Der fährt nicht, der fliegt» – die ORF-Kommentatoren sind von Odermatts zweiter Fahrt am Chuenisbärgli begeistert. 100 Punkte gibts für den Sieg – Odermatt ist nicht der Einzige, der dem Schweizer Team an diesem Samstag Punktezuwachs beschert. Auch die anderen drei Schweizer, die in die Top 12 fahren, und die Schweizerinnen bei der Abfahrt in Zauchensee (Ö) tragen dazu bei. Und so erobert die Schweiz auch die Spitze in der Nationenwertung zurück. Vor den beiden Rennen waren es fünf Punkte Rückstand, nun sind es 166 Punkte Vorsprung auf Österreich.
Eigentlich will Manuel Feller das Vogellisi nicht singen, weil er keine Lust hat. «Aber ich konnte an diesem Ort so viele tolle Dinge erleben, und vielleicht hat das einfach seinen Teil dazu beigetragen», fügt er auf Instagram an. Sein Bestresultat im Riesenslalom: Rang 2, den er 2022 erreichte. Mit einem Lächeln nimmt er zur Kenntnis, dass in seinem Hotelzimmer schon der Liedtext auf ihn gewartet hat. «Die haben tatsächlich geglaubt, ich hätte den Text vergessen», meint er. Und stimmt dann das Vogellisi an. Glück bringt es ihm nicht. Als 35. verpasst er die Qualifikation für den 2. Lauf um rund drei Zehntel. Und bleibt damit auch im dritten Riesenslalom, den er diesen Winter bestreitet, ohne Punkte. Eine weitere Chance am Chuenisbärgli bleibt ihm im Slalom. Diesen hat er vor zwei Jahren gewonnen.
Die Bedingungen in Adelboden sind garstig. Das Rennen wird im Schneetreiben lanciert, die Sicht ist für die Fahrer schwierig. Aber die gut 100 Helfer, die seit Freitagmorgen im Einsatz standen, haben gute Arbeit geleistet. Denn die Piste hält. Weils am Freitag teilweise noch geregnet hat, ist sie kompakt und teils eisig. Auch als die Entscheidung beginnt, schneit es immer noch. Der Schneefall wird sogar noch etwas stärker.
Nach dem Riesenslalom ist vor dem Slalom in Adelboden. Dieser steigt am Sonntag (1. Lauf 10.30 Uhr). Danach geht die Reise weiter nach Wengen, wo von Freitag bis Sonntag ein Super-G, eine Abfahrt und ein Slalom auf dem Programm steht. Den nächsten Riesenslalom gibts erst am 27. Januar in Schladming (1. Lauf 17.45 Uhr).



