Podestplatz am Kronplatz
Rast setzt ihre Riesen-Serie fort

Die Schweizerin fährt am Kronplatz als Zweite hinter Siegerin Julia Scheib aufs Podest. Wendy Holdener verpasst die Entscheidung – neben Rast fährt ein Schweizer Trio in die Punkte.
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Camille Rast wird am Kronplatz Zweite.
Foto: IMAGO/IPA Sport

Das Podest

1. Julia Scheib (Ö) 2:19,85
2. Camille Rast (Sz) +0,37
3. Sara Hector (Sd) +0,46

Das Rennen

Vor sechs Jahren hat Camille Rast am Kronplatz als Neunte ihre ersten Weltcuppunkte eingefahren. Auch dieses Mal kommt sie mit der Piste bestens zurecht. Nur 15 Hundertstel beträgt ihr Rückstand, als Halbzeit-Zweite ist sie auf Podestkurs. Bevor sie sich ein zweites Mal aus dem Starthäuschen katapultiert, liegt die Österreicherin Julia Scheib in Führung. Mit ihr liefert sich die Walliserin ein Kopf-an-Kopf-Rennen – mit dem besseren Ende für Scheib.

Sie greift nach ihrem vierten Saisonsieg. Nur Sara Hector kann diesen noch verhindern. Auch die Schwedin liefert sich ein enges Duell mit Scheib – kann aber vor allem unten raus nicht mehr mit ihr mithalten. Sie fällt gar noch hinter Rast zurück. Die Schweizerin wird Zweite und setzt ihre beeindruckende Riesenslalom-Serie fort. Zum sechsten Mal in Serie fährt Rast in die Top 5.

Die Schweizerinnen

14. Vanessa Kasper +3,01
22. Dania Allenbach +4,35
27. Sue Piller +5,93
Den 2. Lauf verpassen: 32. Simone Wild +3,72, 37. Wendy Holdener +4,20, 40. Stefanie Grob +4,58
DNF1: Shaienne Zehnder

Eine starke erste Fahrt zeigt Vanessa Kasper. Mit der Nummer 31 prescht sie auf Zwischenrang 18. Damit ist sie zum fünften Mal in diesem Winter im 2. Lauf dabei. Bisher hats danach gehapert, sie konnte nicht an die erste Fahrt anknüpfen. Das ist dieses Mal anders. Sie setzt sich kurzzeitig an die Spitze. Und kann sich am Ende über ihr bestes Weltcupresultat im Riesenslalom freuen. Da sie sich in den Top 15 klassiert, erfüllt sie sogar die halbe Olympia-Limite.

Als sich Sue Piller aus dem Starthäuschen katapultiert, führt ihre Teamkollegin Allenbach. Mit ihr kann sie nicht mithalten, da fährt bei Piller ein bisschen mehr Sicherheit mit. Aber sie bringt den Lauf runter und holt Punkte.

In ihrem erst zweiten Weltcuprennen schafft es Dania Allenbach zum zweiten Mal in den 2. Lauf. Als 29. gelingt ihr das haarscharf, dafür profitiert sie in der Entscheidung von einer tiefen Startnummer. Die 18-Jährige ist die jüngste Athletin im 2. Lauf. Und hält sich nicht zurück. Sie greift an und büsst oben Zeit ein. Dank einem starken Finish kann sie sich dennoch zwischenzeitlich an die Spitze setzen. Weil danach die eine oder andere Konkurrentin die Zähne an ihrer Zeit ausbeisst, macht sie einen Sprung nach vorne und realisiert ihr Bestresultat.

Wendy Holdener zeigt eine Fahrt ohne grosse Fehler. Aber der Schwyzerin fehlt das Tempo, sie kommt überhaupt nicht auf Zug. «Im ersten Abschnitt hatte ich ein gutes Gefühl. Beim Rest des Laufs hab ich gemerkt, dass es nicht die richtige Lösung ist, aber ich konnte nicht umstellen», fasst sie gegenüber SRF zusammen. Sie büsst 4,20 Sekunden auf die Bestzeit ein und verpasst die Qualifikation für den 2. Lauf deutlich. Obwohl kaum jemand daran zweifeln dürfte, dass Holdener den Olympia-Riesen bestreiten wird, hat sie damit weiterhin mit Platz 15 in Semmering nur die halbe Limite erfüllt.

Viel knapper ists bei Simone Wild. Als 32. fehlen ihr nur fünf Hundertstel, um noch einmal starten zu dürfen. Shaienne Zehnder schaffts als einzige Schweizerin am Morgen nicht ins Ziel.

Die Stimmen gegenüber SRF

Camille Rast: «Unten habe ich viel verloren, denke ich. Generell war es ein gutes Rennen. Im ersten Lauf bin ich etwas zu nett gefahren. Hier auf dem Podest zu stehen, auf dieser schwierigen Piste – ich bin zufrieden. Die Läufe sind sicher länger, aber das stört nicht. Wir sind bereit für solche Läufe. Es ist schön, das gibt noch ein bisschen mehr Spannung in den Rennen. Die Arbeit, die ich in den Riesenslalom gesteckt habe, zahlt sich aus. Aber es gibt siche rnoch Dinge zu verbessern. Ich war im Sommer bei Federica (Brignone, Anm.d.Red.) zu Hause und habe ihre Beine gesehen – es sah wirklich nicht gut aus. Und dass sie jetzt am Start steht und Sechste wird, ist schon unglaublich.»

Dania Allenbach: «Ich habe Vollgas gegeben – es ist Weltcup, da brauchts das sonst kommt man nirgends hin. Es ist aufgegangen, ich bin happy.»

Vanessa Kasper: «Ich kann noch nicht ganz fassen, was ich hier geleistet habe. Aber unten hab ich gespürt, dass es schnell vorwärts geht. Als es grün aufgeleuchtet ist, dachte ich nur endlich hab ich mal zwei gute Läufe runtergebracht. Darum bin ich gerade mega happy. Gestern dachte ich noch, jetzt ist mir alles egal, weils im Training gar nicht gelaufen ist. Ich höre jetzt dann auf mit dem Seich. (lacht) Deswegen habe ich gar nicht viel überlegt, bin einfach gefahren. Das ist ein Rezept, das ich mitnehmen möchte.»

Das gab zu reden

292 Tage ist es her, seit sich Federica Brignone beim Sturz an den italienischen Meisterschaften nicht nur Brüche am linken Schien- und Wadenbein zugezogen, sondern auch das Kreuzband gerissen hat. Schon damals war klar: Im Hinblick auf die Olympischen Spiele gibts einen Wettkampf gegen die Zeit. Und diesen scheint Brignone zu gewinnen. Denn sie gibt am Kronplatz ihr Comeback. «Ich bin hier, um meinen Kopf sowie meinen Körper und vor allem mein Bein zu testen», sagt sie auf der Pressekonferenz im Vorfeld. Ihr Ziel sei nicht, ein grosses Ergebnis zu holen. Mit Startnummer 13 geht die Weltmeisterin ins Rennen – und fährt, als wäre sie nie weg gewesen. Sie wird Sechste.

Das gab zu reden II

Emma Aicher ist eine Allrounderin, sie geht in allen vier Disziplinen an den Start. So hat die Deutsche in diesem Winter bereits 21 Weltcuprennen in den Beinen. Nun gönnt sie sich nach ihrem Sieg am Sonntag im Super-G von Tarvisio (It) eine Pause und verzichtet auf den Riesenslalom am Kronplatz. Es ist das erste Rennen, welches diesen Winter ohne Aicher stattfindet.

Die Bedingungen

Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein über Kronplatz, dazu eine Piste, die hält. «Der Schnee ist unglaublich cool», meint Camille Rast gegenüber SRF. Er sei kompakt aber auch nicht zu schwierig. Der Kurs, den ein Schweizer Trainer steckt, ist im 1. Lauf viel drehender als derjenige am Nachmittag. Das zeigt sich auch in den gefahrenen Zeiten. Die Athletinnen sind in der Entscheidung fast zehn Sekunden schneller.

So gehts weiter

Für die Technikerinnen geht die Reise weiter ins tschechische Spindlermühle. Dort steht am Samstag der nächste Riesenslalom (1. Lauf 10 Uhr) auf dem Programm, am Sonntag wird ein Slalom (1. Lauf 9.30 Uhr) gefahren.

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