Paris gewinnt in Kvitfjell
Hintermann nach letztem Weltcup-Einsatz gefeiert

Auch in der letzten Abfahrt des Winters steht ein Schweizer auf dem Podest – wenn auch nicht ganz zuoberst: Franjo von Allmen wird beim Sieg von Dominik Paris Zweiter. Gefeiert wird auch Niels Hintermann im letzten Rennen seiner Karriere.
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Niels Hintermann erlebt in Kvitfjell seinen letzten Weltcup-Start.
Foto: keystone-sda.ch
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Gian-Andri BaumgartnerRedaktor Sport

Das Podest

1. Dominik Paris (Ita) 1.45,37
2. Franjo von Allmen (Sz) +0,19
3. Vincent Kriechmayr (Ö)+0,60

Das Rennen

Dominik Paris und die Piste von Kvitfjell – das passt gut zusammen: Bereits sechsmal durfte der Italiener in Norwegen jubeln. Heute kommt der siebte Sieg hinzu: Bei letzter Gelegenheit steht der 36-Jährige in dieser Saison doch noch zuoberst auf dem Abfahrtstreppchen.

Und dies nach einem Husarenstück: Mit der Startnummer 13 pulverisiert er in einem lange engen Rennen die Bestzeit und nimmt dem bislang Führenden Vincent Kriechmayr ganze sechs Zehntelsekunden ab. Noch einmal ins Zittern kommt er aber gleich im Anschluss. Denn: Olympiasieger Franjo von Allmen liegt auf der Olympia-Strecke von 1994 lange nur knapp hinter Paris zurück – bei der letzten Zwischenzeit fehlt gar nur noch eine Zehntelsekunde. Am Ende entscheidet der bessere Schlussspurt zugunsten des italienischen Routiniers.

Immerhin: Durch seinen Podestplatz sichert von Allmen seinen zweiten Rang in der Abfahrts-Disziplinen-Wertung gegenüber Giovanni Franzoni endgültig ab – und sorgt damit für einen Schweizer Doppelsieg: Marco Odermatt hat sich die Kugel für den besten Abfahrer schon vor dem letzten Rennen gesichert.

Die Schweizer

2. Franjo von Allmen +0,19
4. Alexis Monney +0,66
6. Stefan Rogentin +0,89
7. Marco Odermatt +0,92
18. Alessio Miggiano +1,83
22. Justin Murisier +2,76
24. Niels Hintermann +9,38

Franjo von Allmen startet unmittelbar nach der Traum-Bestzeit von Dominik Paris und ist lange am Italiener dran – zwischenzeitlich fehlt nur eine Zehntelsekunde. Auch unten kann er das Blatt nicht mehr wenden.

Alexis Monney legt nach einem mässigen Start vor allem einen starken mittleren Abschnitt hin und holt viel Zeit auf die Konkurrenz heraus. So setzt er sich zwischenzeitlich an die Spitze.

Stefan Rogentin kann nur zu Beginn mit den Besten mithalten, ehe er im Mittelteil viel Zeit liegen lässt. Gegen Ende hält er den Zeitverlust wieder in Grenzen – am Ende reicht es für einen guten sechsten Rang.

Marco Odermatt liefert sich lange ein Kopf-an-Kopf-Duell mit Teamkollege Monney, der zu diesem Zeitpunkt in Führung liegt. Im Schlussteil fehlt ihm aber die notwendige Konsequenz. So verpasst der Disziplinen-Sieger das Podest.

Alessio Miggiano verliert bei seinem ersten Rennen an einem Weltcup-Finale von Beginn weg viel Zeit und verpasst schliesslich die Punkte – die gibts in den letzten Rennen nur für die Top 15.

Justin Murisier unterläuft gleich nach dem Start ein folgenreicher Fehler. Danach ist er im Rennen um die Spitzenplätze chancenlos.

Niels Hintermann hat beim letzten Rennen seiner Karriere andere Ziele als schnelle Zeiten und richtet sich früh auf – die Klassierung ist somit zweitranging.

Die Stimmen (gegenüber SRF)

Franjo von Allmen: «Der Podestplatz bedeutet mir viel. In den Trainings ist mir der Frühlingsschnee gar nicht entgegengekommen. Ich habe eine Setup-Änderung gemacht und bin froh, dass das heute so gut geklappt hat. Der Schnee war auch etwas kompakter als in den letzten Tagen. Ich bin sicher zufrieden, habe ich den zweiten Platz in der Abfahrtswertung von letzter Saison bestätigen können. Sonst war es ein Auf und Ab. Es gab Rennen wie Wengen und Kitzbühel, wo ich mir wirklich mehr erhofft habe. Im Grossen und Ganzen darf ich sicher nicht jammern, aber es gibt Sachen, die ich besser machen kann.»

Marco Odermatt: «Jede Kugel hat eine etwas andere Geschichte. Der Weg zu dieser Kugel, mit dieser Konstanz in der Abfahrt diese Kugel jetzt doch mit 200 Punkten Vorsprung gewinnen zu können, das ist schon noch einmal etwas spezieller. Gerade in der Abfahrt, wo jedes Rennen von der Streckenführung, der Schneebeschaffenheit völlig anders ist, braucht es komplett andere Fähigkeiten. Dort in jedem Rennen so vorne mitfahren zu können, ist schon speziell.»

Alexis Monney: «Ich war ein bisschen überrascht. Unten war richtig gut, aber oben habe ich etwas viel Zeit verloren, da wäre mehr uringelegen.»

Niels Hintermann: «Die letzte Fahrt war schön. Nicht mehr auf die Linie achten zu müssen, die Sprünge nicht mehr drücken zu müssen – es war einfach ein Genuss. Ich bin die letzten 10, 15 Minuten vor dem Start aber schon noch einmal in mich gegangen und habe mich noch einmal fokussiert. Dann bin ich noch einmal richtig schön aus dem Starthaus gegangen. Es ist perfekt so, wie es ist.»

Das gab zu reden

Eigentlich dürfte Niels Hintermann in den Top 20 starten, in der letzten Abfahrt seiner Karriere entscheidet er sich aber für den Start als letzter Fahrer. Auch wenn er bei einer Messung noch die höchste Geschwindigkeit aufstellt – das letzte Risiko geht er wenig überraschend nicht mehr ein und lässt am Ende austrudeln. Im Ziel warten seine Teamkollegen auf den dreifachen Weltcup-Sieger und feiern ihn mit viel Champagner – ein würdiger Abschied für den Zürcher.

Die Bedingungen

Nach den eher frühlingshaften Rennen in Garmisch und Courchevel ist es in Kvitfjell wieder etwas kühler. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt drückt die Sonne nur leicht durch – und verschwindet auch immer wieder. So haben nicht alle Athleten die gleichen Sichtverhältnisse, rennentscheidend ist dies aber kaum.

So gehts weiter

Die Abfahrtssaison ist nun vorbei, nicht aber die Speed-Saison: Am Sonntag tragen die Männer am Weltcup-Finale in Lillehammer noch einen Super-G aus. Der Rennstart erfolgt dann um 12.30 Uhr.

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