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Olympia in Bormio war sein grosses Ziel
Kryenbühl hypnotisiert jetzt Olympioniken und Schwinger

Die Olympia-Abfahrtspiste in Bormio hat das Leben von Urs Kryenbühl geprägt. Nach seinem letzten, sehr unglücklichen Einsatz auf der Stelvio hat der Innerschweizer die Weichen für eine Laufbahn im medizinischen Bereich gestellt.
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Im Dezember 2019 hat Urs Kryenbühl auf der Abfahrt in Bormio sein Meisterstück abgeliefert.
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Darum gehts

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Marcel W. PerrenSki-Reporter

Er ist der nächste Feuz! Mit diesen Worten wurde Urs Kryenbühl vor rund sieben Jahren im Blick angepriesen. Der Schwyzer hat genau wie der Abfahrts-Olympiasieger aus dem Emmental eine Körperlänge von 1,72 Meter. Und wie Beat Feuz hat «Ürsel» seine Ski mit ausgesprochen viel Gefühl über die pickelharten Weltcup-Pisten bewegt. Die genialsten Leistungen lieferte der Speed-Spezialist vom Unteriberg SZ auf der Strecke, auf der die Alpin-Männer in den kommenden Tagen und Wochen ihre Olympiarennen austragen werden: auf der berüchtigten Stelvio in Bormio.

Im Dezember 2019 donnerte Kryenbühl mit der Nummer 25 in sensationeller Manier auf den zweiten Rang. Acht Hundertstelsekunden hinter Dominik Paris, knapp zwei Zehntel vor Feuz. Zwölf Monate später gelang Kryenbühl auf dieser komplett vereisten Piste, welche im Volksmund auch «la Bestia» genannt wir, als Dritter hinter den beiden Österreichern Matthias Mayer und Vincent Kriechmayr erneut der Sprung aufs Podium.

Doch einen Monat später stürzte der Überflieger aus der Urschweiz beim Zielsprung in Kitzbühel erstmals ganz böse ab. Diagnose: Gehirnerschütterung, Riss des rechten Kreuz- und Innenbandes sowie ein Bruch des rechten Schlüsselbeins. Kaum hatte sich Kryenbühl davon erholt, brach er sich im Januar 2022 durch einen Crash bei der Europacup-Abfahrt in Saalbach das Becken.

Sein neues Leben

Im Dezember 2022 kehrte Kryenbühl zurück. Und zwar mit Vollgas. In der Bormio-Abfahrt fuhr der gelernte Hotelkaufmann auf den sechsten Rang. «Weil mir Bormio so gut gelegen ist, waren natürlich auch die Olympischen Spiele auf dieser Piste ein grosses Fernziel von mir», erzählt der mittlerweile 32-Jährige.

Doch sein Olympiatraum platzte ausgerechnet in Bormio. Und zwar 2022 nur 24 Stunden nach dem sechsten Abfahrtsrang, als er im Super-G erneut einen Kreuzbandriss erlitten hat. Danach hat dieses begnadete Speed-Talent nie mehr ein Weltcuprennen bestritten.

Und jetzt? «Mir geht es heute auch ohne Skirennsport sehr gut», sagt Kryenbühl, der kürzlich Vater einer Tochter geworden ist. «Nachdem ich bereits während einer Verletzungspause die Ausbildung zum Berufsmasseur gemacht habe, habe ich nach meinem Rücktritt mit der Weiterbildung zum medizinischen Masseur angefangen.»

Der Einfluss von Samuel Giger

Zudem hat sich Kryenbühl in Winterthur beim renommierten Urs Wipfli zum Hypnotiseur ausbilden lassen. Zusammen mit seiner Frau Nadine betreibt er in Unteriberg eine kleine Praxis, in der massiert und hypnotisiert wird. «Es gibt körperliche Beschwerden, die psychische Ursachen haben. Deshalb eignet sich die Kombination von Massieren und Hypnotisieren besonders gut.»

Spitzenschwinger Samuel Giger hat indirekt einen grossen Anteil daran, dass Kryenbühls Praxis gut angelaufen ist. «Seit Sämi öffentlich gemacht hat, dass ihn die Sporthypnose noch stärker gemacht habe, kommen zahlreiche junge Innerschweizer Schwinger zu mir.» Und Skirennfahrer? «Es gibt ein Olympia-Teilnehmer, der vor der Abreise nach Italien zu mir in die Hypnosetherapie gekommen ist. Den Namen werde ich aber nicht verraten, das ist mein Berufsgeheimnis.»

Keinen Hehl macht Kryenbühl aus der Tatsache, dass er dem Alltag als Skirennfahrer nicht mehr nachtrauert. «Ich war vor ein paar Wochen bei den Lauberhornrennen zu Gast. Zu Beginn habe ich mir zwar gedacht, dass es schon noch cool wäre, noch einmal über diese Piste zu heizen. Aber als das Licht dann immer schlechter wurde, war ich froh, dass die anderen und nicht ich starten müssen.»

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