Darum gehts
- Marco Odermatt gilt als Favorit für Gold in Bormio
- Franjo von Allmen überzeugt mit Talent, riskiert aber zu viel
- Dominik Paris gewann schon sechsmal die Weltcup-Abfahrt auf der Stelvio
Gold: Marco Odermatt (28)
«Obwohl die Konkurrenz sehr gross ist, wird Odi diese Goldmedaille gewinnen. Ganz einfach deshalb, weil Marco der reifste und seit drei Jahren der weltbeste Abfahrer ist. Klar, die Abfahrt in Bormio hat er bislang noch nie gewonnen, aber er war hier mehrmals auf dem Podest. Und derzeit ist er besonders gut in Form.»
Silber: Franjo von Allmen (24)
«Grundsätzlich stufe ich Franjo noch stärker ein als Marco. Der Abfahrts-Weltmeister hat einen brutalen Trieb. Der Grund, warum ich ihn trotzdem nicht auf Gold setzte: Bei ihm ist die Gefahr, dass er es übertreibt, besonders gross. Abgesehen von Crans-Montana hat er in diesem Winter keine Abfahrt ohne gröberen Bock ins Ziel gebracht. Und auch im Abschlusstraining war er wieder ziemlich nahe an einem Sturz. Odermatt fährt stabiler.»
Bronze: Florian Schieder (30)
«Wenn die Frage nach dem stärksten Italiener gestellt wird, antworten viele mit Giovanni Franzoni. Doch ich könnte mir vorstellen, dass dieser hier nicht mehr so unbeschwert fahren wird wie bei seinem Abfahrts-Triumph in Kitzbühel und dem Super-G-Sieg in Wengen. Der Druck, der auf Franzonis Schultern vor diesen Olympischen Spielen in der Heimat lastet, ist gross. Und vielleicht geht ihm auch mal der Saft aus. Deshalb sehe ich Franzonis Landsmann Florian Schieder im Vorteil. In Bormio muss ein Abfahrer immer ein bisschen auf der Kante fahren. Und das beherrscht Schieder ausgezeichnet. Zudem kann er im Schatten seiner Teamkollegen Franzoni und Paris ohne den grossen Erwartungsdruck angreifen.»
Die gefährlichsten Aussenseiter
Alexis Monney (26): «Dass dem Freiburger diese Piste besonders gut liegt, hat er im Dezember 2024 mit seinem Sieg auf der Stelvio bewiesen. Im Gegensatz zu dieser Woche war die Piste damals aber stark vereist, was seinem Fahrstil sehr entgegenkommt. Im Abschlusstraining hat sich zwar angekündigt, dass die Strecke etwas unruhiger wird. Vielleicht bringt ihm das noch ein, zwei Zehntel. Aber eine richtige Eispiste, wie er sie liebt, wird Alexis nicht bekommen.»
Dominik Paris (36): «Weil der Südtiroler die Weltcup-Abfahrt auf der Stelvio sechsmal gewonnen hat, gehört er logischerweise auch jetzt zum Favoritenkreis. Wenn man diese Strecke in drei Teilen sieht, kann man deutlich erkennen, dass Domme im obersten und untersten Abschnitt meistens sehr schnell ist. Aber im Mittelteil, welcher die technisch schwierigsten Kurven beinhaltet, hat er in den letzten Jahren selten mit den Schnellsten mithalten können.»
Vincent Kriechmayr (34): «In meinen Augen ist der Doppel-Weltmeister von 2021 der einzige Österreicher, der auf dieser Abfahrt eine gute Rolle spielen könnte. Von den Fähigkeiten her bringt er alles für eine Top-Platzierung mit: Er ist ein super Starter, er kann technisch mit den Allerbesten mithalten und ist auch ein guter Gleiter. Aber er hat aus diesen grandiosen Qualitäten in den letzten zwei Jahren zu selten Kapital schlagen können.»
