Nach über 40 Jahren aufgeflogen
Zielbanner-Diebe von Kitzbühel kommen aus der Schweiz

Der legendäre Diebstahl am Hahnenkamm konnte mit Hilfe des ehemaligen Sarganser-Gemeindeschreibers nach vier Jahrzehnenten endlich aufgeklärt werden. Die Täter stammen aus der Ostschweiz.
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Wieder dort wo es hingehört. Das Zielbanner ist zurück in Kitzbühel.
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Marcel W. PerrenSki-Reporter

Kitzbühel, im Januar 1982: Auf der «Streif» steht eine Doppel-Abfahrt auf dem Programm. Im ersten Rennen setzt sich der Tiroler Lokalmatador Harti Weirather, vor den beiden «Crazy Canucks» Steve Podborsky und Ken Read durch. Am Morgen danach stehen die Kitzbüheler vor einem aussergewöhnlichen Problem. «Vor der Streckenbesichtigung mussten wie feststellen, dass irgendjemand unser Ziel-Banner geklaut hat», erinnert sich der langjährige Hahnenkamm-Rennsekretär Peter Eder.

«Wir mussten danach improvisieren, in dem wir ein weisses Tuch bemahlt haben und als Not-Zielbanner installiert haben. Wir hatten bis vor ein paar Monaten nicht die geringste Ahnung, wer unser Original-Banner entwendet hat.» Doch dann ist Ende November im Kitzbühler Rennbüro eine E-Mail von einem Sarganserländer namens Urs Becker eingegangen. «Mir ist zu Ohren gekommen, dass sich vor über vierzig Jahren einige Männer aus der Region Sargans und Grabs, welche mittlerweile im fortgeschrittenen Alter sind, einen Nachtbubenstreich erlaubt haben. Meines Erachtens war es – trotz Alkoholeinfluss – jedoch mehr als nur ein Streich: Sie haben in nächtlicher Aktion das farbige Zielbanner entwendet.»

Diebe wagen sich nicht an Tatort zurück

Am Freitagmorgen macht Becker im Gespräch mit dem Blick-Reporter deutlich, dass er selber nichts mit dem gestohlenen Zielbanner zu tun hat. Er weiss aber, warum seine betagten Kollegen damals zu Dieben mutierten. «Diese Männer waren damals total frustriert, weil kein Schweizer den Sprung auf das Podest geschafft hat. Deshalb wollten sie in Kitzbühel ein besonderes Zeichen setzen und sind in der Dunkelheit zur Tat geschritten.»

Urs Becker war vor seiner Pensionierung Gemeinderatsschreiber in Sargans, auf dem Dachboden eines Privathauses hat er das alte Zielbanner entdeckt. Weil Becker einen ausgeprägten Gerechtigkeitsinn hat, hat er am Freitag die gestohlene Ware nach Kitzbühel zurückgebracht. Von den Tätern wagte keiner die Rückkehr an den Tatort. «Die Männer sind mittlerweile zwischen 75 und 80 Jahre alt und schauen sich deshalb die Hahnenkammrennen lieber zu Hause im Fernseher an», erklärt Becker.

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