Darum gehts
- Marco Odermatt holt in Garmisch seinen 54. Weltcup-Sieg
- Er zieht mit Hermann Maier in der ewigen Rangliste gleich
- Im Gesamtweltcup führt Odermatt mit 687 Punkten vor Lucas Braathen
Die Geschichte zwischen Marco Odermatt und Österreichs Hermann Maier ist eine ganz besondere. Seinen ersten Skitag hat der Nidwaldner am 8. Dezember 1999 auf der Klewenalp an der Seite von seinem Papa Walti am Tag nach dem 27. Geburtstag des «Herminators» absolviert. 2023 war Odermatt der erste Alpin-Rennfahrer seit Maier 2001, der in einem Winter vier Kristallkugeln gewonnen hat. Gleichzeitig hat der Stöckli-Pilot Maiers Weltcup-Punkterkord von 2000 auf 2042 Punkte verbessert. Und nun hat Odermatt in der Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen mit dem 54. Weltcupsieg im ewigen Weltcupranking mit Maier gleichgezogen.
Das ist aber nicht der Hauptgrund, warum der Superstar vom Vierwaldstättersee nach seiner Triumphfahrt über die «Kandahar» einen besonders innigen Freudenschrei von sich gibt. Mit seinem neunten Saisonsieg hat der 28-Jährige die Vorentscheidung im Kampf um die Abfahrtskugel geschafft. Olympia-Held Franjo von Allmen, der sich nach einem kapitalen Fehler im letzten Streckenabschnitt mit dem sechsten Rang begnügen muss, liegt vor den beiden letzten Abfahrten in Courchevel und Kvitfjell mit 175 Punkten im Hintertreffen.
Somit genügt Odermatt ein zehnter Rang, um in der Gesamtwertung der Königsdisziplin alles klar zu machen. So gut wie sicher ist auch, dass der vierfache Schweizer Sportler des Jahres zum fünften Mal in Serie die grosse Kugel gewinnen wird. Sein Vorsprung im Gesamtweltcup auf Lucas Pinheiro Braathen beträgt bei neun verbleibenden Rennen 687 Punkte. Weil der Brasil-Norweger in diesem Winter voraussichtlich nur noch vier Rennen bestreiten wird, ist eigentlich schon jetzt alles klar. Lässt sich Odermatt bereits zur Titelverteidigung gratulieren? «Nein, diesbezüglich habe ich keinen Stress. Es ist früh genug, wenn ihr mir in Courchevel gratuliert…»
«Diese Leute verstehen wenig vom Spitzensport»
Odermatts Genugtuung nach dem Sieg in Garmisch dürfte aber auch deshalb besonders gross sein, weil er damit nach der verpassten Olympia-Goldmedaille einigen Kritikern das Maul stopfen konnte. Der beste Skirennfahrer der Gegenwart hat zwar schon vor den Olympischen Spielen die Apps, die über den Skisport berichten, gelöscht, «weil es manchmal besser ist, wenn ich nicht lese, was über mich geschrieben wird.»
Aber natürlich hat Odermatt dennoch mitbekommen, dass er von einigen Kommentatoren abgeschrieben wurde. «Einerseits bin ich ja selber schuld, dass ich die Leute nur noch mit dem Gewinn von Gold zufriedenstellen kann. Andererseits muss ich festhalten, dass Leute, die nach meinen drei Medaillen und der Führung in vier Weltcup-Wertungen behauptet haben, dass meine grosse Zeit vorbei sei, nicht viel vom Spitzensport verstehen.»
Dann liefert Odermatt ein bemerkenswertes Geständnis ab: «Das Programm im Januar und Februar war ein bisschen zu streng für mich und ich muss zugeben, dass ich während den Olympia-Wettkämpfen in Bormio den Hunger und die Lust aufs Skifahren ein bisschen verloren habe.» Deshalb hat sich Odermatt nach der Rückkehr aus Italien für eine besondere Entspannungsmethode entschieden: «Ich bin an die Fasnacht nach Luzern gefahren. Dank einer besonderen Maske konnte ich diesen wunderbaren Anlass, ohne erkannt zu werden, geniessen.»
Herminatorische Lobeshymne
Als sich Odermatt im Sommer 2022 mit Hermann Maier in Salzburg zu einem Abendessen verabredet hat, haben sich die beiden auch über Feierlichkeiten während der Wettkampfsaison unterhalten. «Eine zünftige Feier im richtigen Moment kann für einen Rennfahrer gewinnbringend sein», gab der Herminator zu Protokoll. Und jetzt, wo die beiden bezüglich Weltcupsiegen auf einer Stufe stehen, stimmt der Altmeister aus dem Salzburgerland zur ultimativen Lobeshymne auf Odermatt an.
«Sein Drang, sich ständig weiterzuentwickeln, fasziniert mich am meisten an Marco. Wenn er mal nicht auf dem obersten Treppchen steht, merkt man bei ihm sofort, dass es im Oberstübchen zu rattern beginnt, damit er im nächsten Rennen wieder ganz oben steht. Ich bewundere, was er dem Sport alles unterordnet. Marco steht für Professionalität auf allerhöchstem Niveau.» Am Sonntag bietet sich Odermatt im Super-G in Garmisch die nächste Siegchance. Übrigens: Beim Kandahar-Super-G hat Hermann Maier 1997 seinen ersten Weltcupsieg verbucht.