Nach Olympia ist vor dem Weltcup. In Soldeu (And) gehts bereits wieder ans Eingemachte. Der Winter-Schlussspurt beginnt. Mit nur einer Silbermedaille in fünf Olympia-Rennen wollen die Schweizerinnen zeigen, dass sie mehr können. Doch worum geht es für jede Einzelne? Blick checkt die fünf spannendsten Athletinnen.
Camille Rast (27): Kugel-Traum lebt
Seit Montag ist die Slalom-Silbermedaillengewinnerin wieder im Kondi-Training, am Wochenende geht’s mit Ski-Training weiter. Vier Rennen hat Rast noch – zuerst in Are (14. und 15. März), dann beim Weltcupfinale in Lillehammer (25. und 25. März). Während die Slalom-Kugel bereits an Mikaela Shiffrin (30, USA) vergeben ist, hat Rast im Riesenslalom-Weltcup 89 Punkte Rückstand auf Julia Scheib (27, Ö). «Nur 89? Ich dachte, es seien mehr», sagte die Walliserin am Tag nach ihrem Silber-Coup zu Blick. Und ergänzte: «Umso besser, dann ist da noch etwas offen.»
Stimmt. Allerdings muss Rast bei 200 verbleibenden, möglichen Punkten mächtig Gas geben. Und hoffen, dass Scheib patzt. Ebenfalls spannend: Sie könnte es im Gesamtweltcup unter die Top 3 schaffen. Aktuell ist Rast Zweite – Shiffrin hat 170 Punkte Vorsprung. Emma Aicher (22, De) liegt 279 Punkte hinter Rast, fährt aber noch acht Rennen.
Corinne Suter (30): Warten auf die Befreiung
Die Schwyzerin lieferte in den letzten sieben Jahren bei Grossanlässen. Diesmal war das Handicap ihres im Dezember erlittenen Sturzes zu gross. 14. in der Abfahrt, 11. im Super-G. Suter kam nie in die Region einer Medaille. Wann löst sich der Knopf? «Ich weiss es nicht», sagt sie, hofft und chrampft.
Immerhin: Einige Abschnittszeiten in Cortina machten Mut, dass der Befreiungschlag schon bald geschehen könnte. Sie muss in Soldeu und beim Speed-Triple in Val di Fassa (6. bis 8. März) kräftig punkten, um das Weltcupfinale in Abfahrt und Super-G zu erreichen.
Wendy Holdener (32): Tränen sind getrocknet
Sie hatte nur ein Ziel: den Slalom-Olympiasieg. Holdener verpasste ihn deutlich. Platz 4 war brutal, es flossen viele Tränen. «Ich werde wieder aufstehen», kündigte Holdener an. Keiner zweifelt daran. Um Kugeln kämpft Holdener nicht.
Mit 428 Punkten im Gesamtweltcup fehlen der Schwyzerin 72 Zähler, um beim Weltcupfinale in jeder Disziplin starten zu dürfen. Dieses Privileg erhalten alle, die 500 Zähler oder mehr auf dem Konto haben.
Malorie Blanc (22): In Cortina viel gelernt
Mit dem Super-G-Sieg in Crans-Montana VS weckte die junge Walliserin Erwartungen für Cortina, die sie nicht erfüllen konnte. Beim Gleiten und in langgezogenen Kurven verliert sie noch zu viel Zeit. «Ihre Zeit wird kommen», ist Ski-Legende Bernhard Russi überzeugt.
In der Abfahrt muss Blanc noch vier Plätze gutmachen, um in Lillehammer zu starten. Im Super-G wird nichts anbrennen. «Es war mir bewusst, dass es nicht nur nach oben geht. Olympia war eine wichtige Erfahrung», so Blanc.
Mélanie Meillard (27): Endlich den Tritt gefunden
Zugegeben: Der flache Hang in Cortina war für die Walliserin wie gemacht. Dennoch ist ihr siebter Slalom-Platz mehr als nur ein Achtungserfolg. «Es war auch nicht schwer, langsamer zu sein als bis jetzt in diesem Winter», scherzte sie. Tatsächlich war ihr Winter vor Olympia einer zum Vergessen. Wendet sich das Blatt nun zum Guten?
Der Hang in Are (Sd) zählt zu ihren Lieblingspisten, hier fuhr sie schon oft stark. Sie ist im Slalom-Weltcup 20. mit 27 Punkten Rückstand auf Platz 15. Heisst: Meillard muss sich strecken, um es ans Weltcupfinale zu schaffen. Übrigens: Eliane Christen (27.) ist 17. – ihre Aussichten für Lillehammer sind intakt.