Kommt die WM noch in Fahrt?
Leere Tribünenplätze, wenig Euphorie, happige Preise

Noch ist die Ski-WM alles andere als ein Publikumsmagnet. Dabei ist die Organisation perfekt, die Rennen spannend und die Umgebung herrlich. Woran liegts also?
Publiziert: 09.02.2023 um 10:22 Uhr
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Aktualisiert: 09.02.2023 um 14:35 Uhr
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Noch keine WM-Party: In Méribel blieben bislang viele Plätze auf der einzigen Tribüne leer.
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Mathias GermannReporter Sport

Die Ski-WM, ein Volksfest. Tatsächlich? Der Grossanlass in Courchevel/Méribel fällt durch gute Organisation, schönes Wetter und tolle Pisten auf. Aber auch durch ziemlich geringem Zuschaueraufkommen. Als Mikaela Shiffrin, eine der meistgenannten Favoritinnen auf den Super-G-Sieg, mit Nummer neun ins Rennen geht, sind rechts und links auf der (einzigen) Tribüne von Méribel grosse Lücken zu sehen. Von den 3000 Plätzen sind Hunderte frei. Und das, obwohl Tickets schon ab 20 Euro zu haben sind. Bei der Männer-Kombi in Courchevel sah es nicht viel besser aus.

Auch neben dem Ziel herrscht – zumindest in Méribel – teilweise gähnende Leere. Dabei lässt sich der Hang hervorragend einsehen, man braucht nur einige wenige Schritte zu gehen. Immerhin: An ausgewählten Stellen weiter oben gibt es Podeste, wo Fans hautnah dabei sein können. Zu ihnen gelangt man mit den Ski.

Dennoch: Ein Zuschauermagnet ist die WM nicht. Womöglich spielen die schlechte Erreichbarkeit und die horrenden Zimmerpreise eine Rolle. Dabei lässt das OK nichts unversucht, um Fans in die Savoyer Alpen zu verfrachten. So kann man bei einem Ticket-Kauf zusätzlich einen Platz in einer Navette, einem kleinen Bus, buchen. Der Preis dafür? 10 Euro. Das gilt übrigens auch dann, wenn man beispielsweise im zweieinhalb Autostunden entfernten Lyon lebt.

Österreicher feiern im House of Switzerland

Es scheint, als würden viele Franzosen vor Ort die WM «en passant» verfolgen. Sie erkunden lieber das grösste Skigebiet der Welt, «Les Trois Vallées», auf den Ski. Oder sie geniessen die Sonne auf einer Terrasse, zahlen 30 Euro für eine Pizza und 9 Euro für ein Bier.

Rambazamba ist also nicht. Wären da nicht die Speaker, die sich bei den Rennen die Lunge aus dem Leib brüllen, würde man wohl von einer trostlosen Veranstaltung sprechen. Ein echter Hotspot oder eine Fan-Zone fehlen ebenfalls. Die wenigen angereisten Ski-Fans sind darum froh, gibt es wenigstens das «House of Switzerland» – hier wird drinnen wie draussen getrunken, gegessen und gefeiert. Genau das genoss zuletzt auch Cornelia Hütter, Österreicherin und Super-G-Dritte. Sie suchte Partystimmung und wurde im Schweizer Ski-Haus fündig.

Beim ersten Ski-Grossanlass nach Corona hätte man sich eine WM gerne anders vorgestellt. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass Courchevel und Méribel 20 Autominuten voneinander entfernt liegen.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden. An den Wochenenden soll es besser werden, die Tribüne beim Männer-Slalom ist ausverkauft. Warum? Wegen Clément Noël, einem der Ski-Lieblinge Frankreichs. Der Slalom steigt erst am Sonntag in einer Woche, zum WM-Abschluss.

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