Damit hat kaum jemand gerechnet! Ausgerechnet Marko Pfeifer, seines Zeichens Cheftrainer von Österreichs Alpin-Herren, macht sich bei der Diskussion um die Olympia-Startplätze für die Erzrivalen aus der Schweiz stark. «Obwohl die Schweizer so viele Top-Athleten besitzen, darf Tom Stauffer auch nur elf Starter nominieren. Das darf nicht sein, diese Regelung muss unbedingt überdacht werden.»
Trotz der Unterstützung durch den Austria-Boss steht fest, dass Swiss Ski frühestens bei den Olympischen Spielen 2030 mehr Startplätze erhalten wird. Für Bormio darf Tom Stauffer tatsächlich nicht mehr als elf Athleten melden. Die Namen muss Alpinchef Hans Flatscher bis kommenden Montag übermitteln.
Anders ausgedrückt: Die Weltcuprennen in Schladming (Riesen- und Slalom) und Crans-Montana (Abfahrt) zählen nicht mehr für die Olympia-Selektion. Somit sind die Abfahrt, der Super-G und der Slalom in Kitzbühel für unsere Ski-Männer gleichbedeutend mit den Rennen der letzten Olympia-Chance.
Die Ausgangslage im Super-G
Im Riesenslalom dürfte bereits jetzt alles klar sein: Olympiasieger Marco Odermatt (28, drei Siege), Loïc Meillard (29, Triumphator in Val d’Isère), Luca Aerni (32, Zweiter in Val d’Isère) und Thomas Tumler (36, ein Top-Ten-Platz, drei Top-15-Klassierungen) haben in dieser Sparte die Selektionskriterien erfüllt.
Im Super-G sind Weltmeister Odermatt (Siege in Copper Mountain), Alexis Monney (26, Zweiter in Livigno), Franjo von Allmen (24, Dritter in Livigno) gesetzt. Stefan Rogentin (30) besitzt mit fünf Top-8-Platzierungen die allerbesten Karten für den vierten Schweizer Startplatz. Abfahrts-Olympiasieger Beat Feuz prognostiziert, «dass Rogentins Olympia-Startplatz nur dann in Gefahr geraten würde, wenn im Kitzbühel-Super-G ein Schweizer aus der zweiten Reihe aufs Podest fährt.»
Damit spielt Feuz vor allem auf Loïc Meillard (7. in Livigno), Marco Kohler (28, 11. in Livigno) oder Justin Murisier (33, 16. in Beaver Creek) an. Kohler und Murisier wurden in den letzten Tagen allerdings durch Erkältungen geschwächt.
Hochspannung in der Königsdisziplin
Eine richtig dramatische Entscheidung zeichnet sich in der Abfahrt ab. Klar: Odermatt (Beaver-Creek- und Lauberhorn-Champion) sowie Gröden-Gewinner Franjo von Allmen haben ihre Olympia-Teilnahme in der Königsdisziplin auf sicher. WM-Bronzegewinner Monney hat mit drei Top-9-Klassierungen ebenfalls gute Aussichten.
Aber im Kampf um den vierten Startplatz liegen derzeit der Zürcher Oberländer Aufsteiger Alessio Miggiano (23, 5. in Gröden), der letztjährige Krebs-Patient Niels Hintermann (7. in Val Gardena), Stefan Rogentin (8. in Beaver, 14. in Wengen) und Marco Kohler (11. auf der verkürzten Saslong, 13. in Wengen) nahezu gleichauf.
Deshalb hoffen Yule und Zenhäusern auf Rogentin
Bleibt der Slalom. Weltmeister Loïc Meillard ist mit einem zweiten, einem dritten und einem vierten Rang unantastbar, Tanguy Nef (29) hat das Olympia-Ticket mit vier Top-10-Platzierungen ebenfalls auf sicher und Matthias Iten (26) darf nach dem sechsten Rang in Wengen und dem zehnten Platz in Val-d’Isère auch mit der Nominierung rechnen. Daniel Yule (32, 11. in Gurgl) und Ramon Zenhäusern (33, 15. in Adelboden) haben vor dem Slalom auf dem Kitzbüheler Ganslernhang nur die Hälfte der Olympia-Selektion erfüllt.
Ob beim Olympia-Slalom in Bormio dennoch vier Schweizer am Start stehen werden, hängt nicht zuletzt von Tom Stauffers Selektion in den Speed-Disziplinen ab. Wenn in der Abfahrt wie im Super-G Odermatt, von Allmen, Monney und Rogentin aufgestellt werden, hätte es im Schweizer Aufgebot neben Meillard, Aerni, Tumler, Nef und Iten noch für zwei weitere Namen Platz. Aber vielleicht nimmt Tom Stauffer ja auch zwei weitere Speed-Fahrer mit nach Italien.
Für die Nomination von vier Slalom-Fahrern spricht aber die Tatsache, dass die Team-Kombination erstmals im Olympia-Programm fungiert. Hier kann die Schweiz vier Duos aufstellen, bestehend aus jeweils einem Abfahrer und einem «Zick-Zacker».
Sicher ist, dass das kommende Kitzbühel-Wochenende besonders spannend wird.