1. Giovanni Franzoni (It) 1:45,19
2. Stefan Babinsky (Ö) +0,35
3. Franjo von Allmen (Sz) +0,37
Gross waren die Hoffnungen der Schweizer Fans, dass Vorjahressieger Franjo von Allmen oder der Gesamtweltcupführende Marco Odermatt das Lauberhorn-Wochenende mit einem Sieg eröffnen. Zwei Drittel der Blick-Leser glaubten in der Abstimmung vor dem Rennen an einen Triumph von einem der beiden. Doch es kommt anders.
Von Allmen kommt nach der Minschkante zu tief in den Canadian Corner und hat dadurch auf dem Alpweg zu wenig Tempo. Zwar holt er danach über Langentrejen und Hanneggschuss auf, kann den Rückstand aber nicht mehr wettmachen. Direkt hinter dem Berner klassiert sich der Disziplinenführende Odermatt. Dem Nidwaldner gelingt die Einfahrt ins Kernen-S nicht optimal, weshalb er mit Rückstand unter dem Brüggli hervorkommt. Diesen hält er danach zwar stabil, aufholen kann aber auch er nicht.
Der Sieg geht an den Italiener Giovanni Franzoni. Der 24-Jährige eröffnet das Rennen und legt eine Zeit hin, an die keiner herankommt. Es ist sein erster Weltcupsieg und der erste eines Italieners am Lauberhorn seit dem Abfahrtstriumph von Christof Innerhofer im Jahr 2013. Zwischen Franzoni und von Allmen reiht sich Stefan Babinsky ein. Der Österreicher fährt erstmals überhaupt auf ein Weltcup-Podest.
4. Marco Odermatt +0,53
7. Stefan Rogentin +0,91
19. Alexis Monney +2,30
22. Loïc Meillard +2,61
28. Justin Murisier +2,85
30. Marco Kohler +3,05
31. Alessio Miggiano +3,25
Stefan Rogentin startet stark, fährt die bis dahin schnellste Zeit im ersten Sektor. Danach schrumpft sein Vorsprung aber kontinuierlich, besonders der mittlere Abschnitt gelingt ihm nicht wunschgemäss.
Einen sehr verhaltenen Start legt dagegen Alexis Monney hin. Bei der Anfahrt zum Kernen-S streut der Freiburger sogar einen Tempocheck ein. Und auch sonst ist da nicht der grosse Angriff ersichtlich. In keinem Abschnitt ist er schneller als Franzoni.
Nach seinem tollen 7. Platz in Livigno kommt Loïc Meillard beim Heimrennen gar nicht auf Touren. Seine Startzeit ist die langsamste aller bis dahin gestarteten Athleten, danach wird der Rückstand immer grösser.
Justin Murisier hat sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausfahrt des Kernen-S ein tiefes Tempo und handelt sich so einen erheblichen Rückstand ein, der sich bis ins Ziel vergrössert. Im zweitletzten Abschnitt holt er zwar noch ein paar Hundertstel auf Franzoni auf und fährt dort die fünftbeste Sektorzeit.
Schrecksekunde für Marco Kohler: Im Österreicherloch gerät der 28-Jährige sehr tief und fährt bei der Einfahrt zum Ziel-S beinahe ins Netz. Er kann den Crash gerade noch so verhindern. Am Ende holt er sich noch einen Weltcuppunkt. Direkt dahinter klassiert sich Alessio Miggiano, der seine zweite Top-30-Platzierung im Super-G knapp verpasst
Franjo Von Allmen: «Dieser Fehler ist unnötig. Man sollte es eigentlich wissen, dass man die Geduld haben muss, damit man die Höhe hat, um das Tempo mitzunehmen. Das sind Millisekunden, die darüber entscheiden, ob man voll draufgeht oder nicht. Im Ziel-S habe ich den Schwung nicht sauber ziehen können. Aber wenn es so bleibt, bin ich happy. Es hätte auch ein Aus sein können.»
Marco Odermatt: «Dieses Mal lag es am Brüggli-S. Ich gewinne dort nicht Zeit, weil ich es einfach fahre, sondern weil ich auch viel riskiere und es oft gut treffe. Heute stand das Tor etwas früher und das verleitet dazu, noch etwas früher reinzugehen. Ich wollte Geduld wahren und warten – und dann habe ich zu lange gewartet. Dann fehlt natürlich die Geschwindigkeit. Man kommt mit 110 km/h und da mag es einen Meter mehr oder weniger nicht leiden. Deshalb ist viel auch Instinkt. Ich bin zufrieden, es ist ein 4. Platz. Es war ein solides Rennen. Vom Grundspeed und ohne Fehler hätte ich vorne dabei sein können, ohne kleine Fehler hätte es zum Podest gereicht. Alles ist im Lot.»
Stefan Rogentin: «In Langentrejen habe ich viel Zeit verloren. Dort hat es mir den Ski in der Mitte einer Kurve weggerissen und das kostet direkt Tempo. Eine mittelmässige Fahrt. Die Piste ist härter als auch schon, darauf musste man sich einstellen. Die Zwischenpassagen waren sonst eher weich, heuer sind sie eher kompakt bis eisig.»
Alexis Monney: «Ich war etwas überrascht ob der Zeit. Es ist voll scheisse. Ich muss mir meine Fahrt noch einmal anschauen und sehen, was ich falsch gemacht habe. Das Gefühl war nicht super, aber auch nicht so schlimm. Manchmal gibts solche Fahrten. Ich werde sie jetzt analysieren, dann schaue ich auf die Abfahrt.»
Marco Odermatt verpasst seinen 17. Super-G-Sieg. Hätte er gewonnen, wäre er mit Aksel Lund Svindal gleichgezogen und wäre auf dem geteilten zweiten Rang der ewigen Super-G-Siegerliste. Nur die österreichische Legende Hermann Maier hat mit 24 gewonnenen Super-Gs noch mehr Rennen in dieser Speed-Disziplin gewonnen.
Franjo von Allmen rettet eine Schweizer Podestserie. In allen vier Wengen-Super-Gs seit 2022 stand mindestens ein Schweizer auf dem Podest. Allerdings: Bislang stand auch immer ein Swiss-Ski-Athlet auf dem ersten oder zweiten Platz – diesmal nicht.
Für Franzoni ist Wengen ein spezieller Ort – sowohl im positiven als auch im negativen Sinn. 2022 holte er am Lauberhorn seinen ersten Weltcup-Punkt im Super-G. Ein Jahr später stürzte er im Canadian Corner und zog sich eine schwere Oberschenkelverletzung zu (Video unten). Jetzt, drei Jahre danach, holt er sich im Berner Oberland seinen ersten Weltcupsieg. «Es ist verrückt. Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Es ist ein Traum», sagt er zu seinem Erfolg. «Ich habe versucht, alles zu geniessen – die Fans, die Strecke, die Kulisse.»
Der Wind ist bei den Lauberhornrennen immer wieder ein entscheidender Faktor, vor allem im oberen Streckenteil – nicht so am Freitag. Vor dem Start des Super-Gs ist es praktisch windstill, sonnig und die Temperatur ist knapp im positiven Bereich. Nur ein paar Schleierwölkchen verhindern einen strahlend blauen Himmel. Und die Piste? «Schon ziemlich knackig», beurteilt SRF-Experte und dreifacher Lauberhornsieger Beat Feuz die Unterlage. Von Allmen meint nach der Besichtigung, dass es ein sehr glattes Eis sei und nicht besonders griffig.
Am Samstag steht die legendäre Lauberhornabfahrt auf dem Programm. Das Spektakel auf der fast 4,5 Kilometer langen Strecke startet um 12.30 Uhr. Am Sonntag gibts dann den traditionellen Slalom (ab 10 Uhr).